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Flashback


Flashback

Eine Rückblende in ältere M&R-Ausgaben seit dem Relaunch im Mai 2014.
Wir stellen ausgewählte Artikel aus unserem Archiv kostenlos online zur Verfügung.

M&R November/Dezember 2015

»This Is a Collective«
Über Kollektivität in der Musik und die Unmöglichkeit einer linken Kulturindustrie

Die US-amerikanische Band Consolidated war von 1988 bis 1994 aktiv. Sie mischte Industrial-Beats mit politischem Rap und verstand sich explizit als linksradikale Gruppe. Ihre Agenda: »This Is a Collective«. M&R sprach mit Ex-Frontmann Adam Sherburne über Musik als Form sozialer Organisation, den Antikollektivismus der Kulturindustrie und die Widersprüche linker Popkultur. weiterlesen

Synthese und Konkurrenz
Zur Dialektik von Individuum und Kollektiv in der Kunstmusik

Insofern das Individuelle und das Kollektive ein polares Gegensatzpaar bilden, darf behauptet werden, dass sich in der Musik das volle, von diesen gegensätzlichen Polen umfasste Spektrum abbildet. Musik kann zum einen sowohl für den Praktizierenden als auch für den Hörenden ein individuelles Erlebnis par excellence bewirken: Der vor sich hin summende Passant auf der Straße, das selbstvergessen trällernde Kind, der in der Feldeinsamkeit vor seiner Herde Flöte spielende Hirte wie denn der für sich selbst Klavier spielende Hausmusiker – sie alle kennzeichnet ein spezifisches Beisichsein, das in keinem anderen Kunstmedium so ausgeprägt ist wie in der Musik. weiterlesen

»Barbarisch«
Zur Ideologie des Antikollektivismus

Noch nie war das Kollektiv so schlecht beleumundet wie heute. Dabei wäre gesellschaftliche Arbeit und damit das Projekt Mensch und dessen Eintritt in die Geschichte ohne Kollektiv gar nicht möglich. Als politisches, so die Definition von Wikipedia, sei es ein »soziales Gebilde mit fortschrittlichen und gemeinsamen Zielen«, für deren Erlangung »sich freiwillig organisierende Mitglieder durch gemeinsame Arbeit miteinander verbunden sind«. Marxisten entwarfen auf Basis der demokratischen und egalitären Prinzipien der Räterepublik das sozialistische Kollektiv ohne hierarchische Autorität. weiterlesen

Generation Biedermeier
Warum nur der Neoliberalismus den Hipster hervorbringen konnte

Der Song »Berlin Mitte Boy« war die erste und einzige Veröffentlichung der gleichnamigen Band, einer kurzlebigen Formation um den Frontpage-Herausgeber Jürgen Laarmann. Die Cover-Version des Titels »New York City Boy« von den Pet Shop Boys beginnt mit den Zeilen: »London is teuer / Paris is scheiße / New York ist retro, auf seine Weise / Es gibt einen Ort, der kickt total / Wenn Du nicht dabei bist / ist Dein Leben ‚ne Qual«. Tobias Rapp, Autor des Buchs »Lost and Sound. Berlin, Techno und der Easyjetset«, meint im Rückblick: »Der Charme des Songs bestand damals in der unglaublichen Anmaßung. Im Jahr 2000, als er erschien, war es ein Witz, Berlin mit New York, Paris und London in eine Reihe zu stellen, gar ›Hackescher Markt statt Broadway‹ zu singen. weiterlesen

Feindbild »Intelligenzflüchtling«
Viele Kampagnen gegen rechts sind mehr Unterschichten-Bashing als Solidarität mit den Flüchtlingen

Solidarität mit geflüchteten Menschen steht derzeit hoch im Kurs. Es wird dringend notwendige Unterstützung durch zahllose Helferhände an Bahnhöfen oder in Erstaufnahmelagern geleistet. Vor allem aber übt sich der »Willkommensweltmeister« Deutschland in einem: Selbstlob. Viele der Hilfsbereiten entdecken – aus ganz unterschiedlichen Motiven – plötzlich ihre Empathie für »den Flüchtling«. Politiker äußern sich öffentlich, und auch Musiker sind deutschlandweit vorne mit dabei – mit ihren Liedern. Flüchtlinge werden zu Konzerten eingeladen, beispielsweise bei den Fanta 4 oder Udo Lindenberg. Lieder werden komponiert (etwa Raoul Haspel: »Schweigeminute (Traiskirchen)«), neu interpretiert (Carolin Kebekus: »Wie blöd du bist«) oder aus der Schublade gekramt (Die Ärzte: »Schrei nach Liebe«, 1993). weiterlesen

Sex im Dunkeln
Für seine neue Klanginstallation erkundet Mark Barden die Intimität homosexueller Subkultur

Im Oktober reüssierte er im Neue-Musik- Mekka Donaueschingen, Ende November erscheint seine erste Porträt- CD: Unter den zeitgenössischen Musikern ist der 34-jährige US-Amerikaner Mark Barden ein gefragter Mann. Mit M&R sprach der offen homosexuelle Komponist über seine neue Arbeit »Dark Room«, die gerade im Goethe-Institut Chicago Premiere feierte und kommendes Jahr in Deutschland aufgeführt wird. weiterlesen

M&R September/Oktober 2015

Die Vision
25 Jahre DDR-Musik-Museum: Warum die darin präsentierte Ost-Mugge die Zeiten überdauern wird. Auskünfte von Reinhold Andert

Ein Vierteljahrhundert nach der DDR – ein Vierteljahrhundert! Wer sich auf die Spuren einer, so die Behauptung, mit dem Land weitgehend verschwundenen Kultur begeben möchte, muss also schon einen Zeitsprung von drei oder vier, mindestens aber zwei Generationen zurück unternehmen. »Back to the roots« – um zu erfahren, ob nicht doch etwas vom vor 25 Jahren gefällten Baum bleibt. Und wenn ja, was. Willkommen also im DDR-Musik-Museum! Präsentiert wird Ost-Mugge, Zeitzeugen liefern dazu den »O-Ton Ost« und regen, ausgestattet mit der Erfahrung von Jahrzehnten, zum Weiterdenken an. weiterlesen

Die Hellsichtigen
Mensching/Wenzel und Gundermann entwerfen treffende Bilder von der Nachwendewelt

Der Dichter Volker Braun, der die Mängel und Irrwege der späten DDR dialektisch analysierte und kritisch begleitete, hat im August 1990 – illusionslos – den Bruch beschrieben, der mit dem Anschluss der DDR an die BRD vollzogen wurde. »Da bin ich noch: mein Land geht in den Westen. / KRIEG DEN HÜTTEN, FRIEDE DEN PALÄSTEN. / Ich selber habe ihm den Tritt versetzt. / Es wirft sich weg und seine magre Zierde. / Dem Winter folgt der Sommer der Begierde. / Und ich kann bleiben, wo der Pfeffer wächst.« (Braun, »Das Eigentum«) weiterlesen

»Wir haben dreißig Mandate«
Die neue Ministerin regiert die kritische Kunst- und Kulturszene ihres Landes mit Ressentiments, Drohungen und Zensur. Ihre Kulturpolitik spiegelt den dramatischen Abbau von Meinungsfreiheit und Demokratie in Israel

Anmerkungen zu Israels Kulturministerin Miri Regev

Miri Regev bekleidet in der gegenwärtigen Regierung Israels das Amt der Ministerin für Kultur und Sport. Ein Kulturminister muss kein Kulturmensch sein, wie ein Wissenschaftsminister nicht aus dem Wissenschaftsbereich kommen muss. Dennoch darf erwartet werden, dass ein Wissenschaftsminister nicht gegen Wissenschaftler und Wissenschaft eingestellt ist. Wer ein Ministerium leitet, sollte sich mit dem ihm anvertrauten Bereich identifizieren können. Es ist bekannt, dass Miri Regev das Amt der Kultur- und Sportministerin nicht gewollt hat; laut gut informierten Kreisen wollte ihr Premierminister, Benjamin Netanjahu, sie auch nicht gerade haben, musste ihr aber einen Ministerposten verleihen, weil sie bei den Vorwahlen der Likud-Partei einen hohen Listenplatz errungen hatte. Sie erhielt schließlich kein »wichtiges« Ministerium, sondern »nur« das für Sport und Kultur. Miri Regev machte kein Hehl aus ihrer Enttäuschung – dafür aber umso mehr reden von sich. weiterlesen

»Die Freiheit an deiner Seite«
Das griechische Rembetiko – eine progressive Massenkultur

Wer in Athen, Thessaloniki, Iraklion oder einer anderen griechischen Stadt abends ausgeht, merkt schnell, dass sich die Hellenen auch durch die desaströse Lage nicht vom Leben und Feiern abhalten lassen. Neben vielen Bars mit westlicher oder einheimischer Popmusik spielt dabei auch traditionelle Musik eine wichtige Rolle. Menschen fast aller Altersgruppen, aber gerade auch junge Griechen, treffen sich in Restaurants und Cafés, in denen kleine Gruppen von Musikern spielen. Die Musik, deren Melodien vor allem auf der Bouzouki (einem Zupfinstrument mit bauchigem Klangkörper und drei oder vier Doppelsaiten) gespielt und in der Regel von Gesang und Gitarren-Akkorden begleitet werden, heißt Rembetiko. weiterlesen

M&R Juli/August 2015

Dialektik der Eroberung
Zum Verhältnis von Kolonialismus und Musik

Die spanischen Eroberer betraten die »Neue Welt« mit einem welthistorischen Paukenschlag. Und das ist mehr als eine bloße Metapher. Die blutigen Raubzüge des Kolonialismus wurden von Anfang an musikalisch begleitet. Berühmt geworden ist die Szene, als Hernán Cortés, der Eroberer Mexikos, 1519 in die Hauptstadt des Aztekenreichs einmarschierte. Tenochtitlan war damals um ein Vielfaches größer als die mächtigsten Städte Europas und ließ die Spanier vor Ehrfurcht und Staunen erzittern. Der Herrscher Moctezuma II, der Cortés für den Gott Quetzalcoatl hielt, ließ diesen feierlich in Empfang nehmen. weiterlesen

Der koloniale Blick und seine Subversion
Die Konfrontation der Kulturen hat einen wechselseitigen Prozess der Veränderung und Bewusstwerdung ausgelöst, der längst nicht abgeschlossen ist. Es gibt keine Unterjochung, ohne dass die unterdrückte Kultur auf die herrschende zu rückwirkt, sie unterminiert und verändert

»Ein Indiojunge aus Peru / Er will leben so wie du.« Mit diesem banalen Reim eröffnete Katja Ebstein ein neues Kapitel im deutschen Schlager. Nach Heim- und Fernwehsülze kam der Bewusstseinsschlager, mit dem sich philisterhaft der moralische Zeigefinger in der deutschen Wohnstube erheben sollte. Nach den Beschwörungen ferner Welten als kitschige Staffage für Seemannsgarn und Landser-Nostalgie eines Freddy Quinn kam die Einsicht: Die Menschen der Dritten Welt haben es auch nicht leicht. »Am Fudschijama blüht kein Edelweiß«, »Es gibt kein Bier auf Hawaii« – der »Indiojunge aus Peru« brachte schließlich musikalisches Brot für die Welt. weiterlesen

Keine Alibi-Aktionen
Asian Dub Foundation sind ein klassenkämpferischer Standpunkt und künstlerische Radikalität in der Musik wichtiger als aufgesetzte politische Botschaften

Eigentlich wollten Asian Dub Foundation nur ein Benefizkonzert für asiatische Kids im Knast spielen und sich anschließend wieder auflösen. Doch dann entwickelte sich das 1993 gegründete Londoner Projekt, das aus mehreren Community-Workshops hervorging, zu einer richtigen Band. M&R sprach mit Steve Chandra Savale, dem Bandleader von Asian Dub Foundation. weiterlesen

Analyse: »The End« – The Doors
Ödipalkonflikt

Vor einem halben Jahrhundert, im Sommer 1965, gründeten Jim Morrison und Ray Manzarek The Doors. Über den im Jahre 1967 aufgenommenen Song »The End« ist bereits vieles geschrieben worden. Obgleich zum ikonischen Werk der Rock-Geschichte avanciert, blieb es, nicht zuletzt wegen seines Textinhalts, enigmatisch. Jim Morrison selbst verweigerte eindeutige Aussagen darüber: »Jedes Mal, wenn ich dieses Lied höre, bedeutet es für mich etwas anderes«, sagte er. weiterlesen

M&R Mai/Juni 2015

Über die Möglichkeiten und Grenzen der Tonkunst im Kampf gegen die Barbarei

Von selbst versteht sich, dass Musik als »absolute Musik« nichts als sich selbst zu vermitteln vermag, schon deshalb, weil sie nichts anderes beansprucht. Sie will von sich aus nichts repräsentieren, was außerhalb ihrer immanenten Ausdrucksmittel liegt, und ihre Ausdrucksmittel sind nun mal nicht durchs Begriffliche, mithin nicht durchs kognitiv Informative, getragen – worin sich Musik von allen anderen Kunstbereichen prinzipiell unterscheidet. Nun hat sich aber im 19. Jahrhundert die Auffassung verbreitet, aller Musik liege eine Idee bzw. ein durch Sprache, Worte und Begriffe generierter Gedanke zugrunde. weiterlesen

Exkurs: Unter fremder Flagge
Antifaschismus auf der schiefen Bahn neoliberaler Ideologie

Erstaunliche Ansichten werden heutzutage unter dem Label »Antifa« verbreitet. Die Rückführung gesellschaftlicher Übel auf den Kapitalismus sei ein »Überbleibsel« des »Arbeiterbewegungsmarxismus«, den es zu überwinden gelte, ist in einem führenden Antifa-Organ zu lesen. Und der Sprecher eines »Bündnisses gegen Antisemitismus« forderte, »nie wieder« dürften sich kritische Linke »per se auf die Seite irgendwelcher Marginalisierter« stellen. weiterlesen

Erhellen, nicht verdummen
Der Musikwissenschaftler Hanns-Werner Heister über politische Potenziale und Bedeutung antifaschistischer Musik

Musik kann antifaschistisch sein – wenn sie einen Beitrag zur Kritik an (Gewalt-)Herrschaft und kapitalistischer Ausbeutung leistet, statt sich mit den Profiteuren gemein zu machen. Doch was genau heißt das? Und wodurch unterscheidet sich antifaschistische von faschistischer Musik? Der Musikwissenschaftler Hanns-Werner Heister beantwortet diese Fragen und räumt nebenbei mit Mythen der Totalitarismustheorie auf. weiterlesen

»Alles falsche Schweine«
Mono für Alle! widersetzen sich dem Rechtsruck in der linken Subkultur

Mit ihren politischen Texten eckt die Gießener Elektropunkband Mono für Alle! seit 15 Jahren an – auch und gerade in jenen Teilen der linken Subkultur, d ie seit der »Wende« selbst zunehmend systemfromm geworden sind. M&R-Redakteur Matthias Rude sprach mit Sänger Mono. weiterlesen

Afterparty des Maidan
Die Kunst- und Kulturszene im Westen der Ukraine hat im letzten Jahr den Weg von der Regression in die finsterste Reaktion beschritten

Die kreative Intelligenzija war schon immer eine soziale Schicht, die der herrschenden Klasse diente, während sie zugleich auf ihrer eigenen Unabhängigkeit bestand. Deshalb braucht man sich gegenwärtig auch nicht wundern über kriegsverherrlichende Ausstellungen, Hunderte Stunden lange patriotische Videoproduktionen, Dutzende Bands, die obszöne Songs über den Präsidenten des Nachbarlandes singen, Aktionskünstler, die Monumente Lenins zum Hauptproblem und aus dem Verbrennen seiner Werke eine Performance machen. weiterlesen

»Echte Künstler sind Revolutionäre«
Musikalische Marxisten in London fügen zusammen, was zusammen gehört: Musik und Politik

Die AMM liebt die »Klarheit extremer Aussagen« – wie zum Beispiel von Adorno, den Situationisten und William Blake –, bei denen »sich dem einen die Haare sträuben und von denen andere sich inspiriert fühlen«, verrät Watson. Im Mittelpunkt steht Musik – ob nun auf Demonstrationen mit eigenem AMM-Transparent, beim Improvisieren im Pub oder in Publikationen des AMM-eigenen Unkant-Verlags. M&R-London-Korrespondent Maciej Zurowski sprach mit dem musikalischen Marxisten. weiterlesen

M&R März/April 2015

Kuba ist immer noch unser Zuhause
Nach dem Tod ihres berühmten Vaters haben Ibeyi Musik als Schmerz-Ventil entdeckt

In Kuba waren Naomi und Lisa-Kaindé Díaz lange Zeit nur als Töchter des Buena-Vista-Social-Club-Perkussionisten Angá Díaz bekannt. Doch das ändert sich mehr und mehr, seit die in Paris lebenden Geschwister selbst Musik machen. Ibeyi nennen sie sich, was in der Yorùbá-Sprache »Zwillinge« heißt. Mit ihrem vor allem durch seine eindringlichen Spirituals überzeugenden Debütalbum gelten die beiden schon jetzt als spannendste Newcomer des Jahres. M&R erzählten sie von den vielfältigen Einflüssen in ihrer Musik und ihrer Heimat Kuba. weiterlesen

Doctor Dolittle
»Rettet die Tiere!«

Der Veterinär John Dolittle aus Puddleby-on-the-Marsh verfügt über ein außergewöhnliches Bildungskapital. Er beherrscht 498 Tiersprachen: von Schweinisch bis zu diversen Fischdialekten. Er ist kein Genie, aber was ihn von den meisten anderen Menschen unterscheidet: Er versteht die Tiere, weil er sie liebt, ihnen zuhört – weil er sie verstehen will. weiterlesen

»Im Punk geht es um Freiheit – für Menschen und Tiere«
Tierbefreiung in Punk und Hardcore

Wie wird jemand zum politisch engagierten Punk? Um darauf eine Antwort zu finden, hilft ein Blick ins Buch »Shibboleth – My Revolting Life« (1996), der Autobiografie des heute 71-jährigen Penny Rimbaud, den man als Vater der Anarcho-Punk-Bewegung bezeichnen könnte. »Schon in frühester Jugend war mir klar, dass nicht alles in Ordnung war«, lautet der erste Satz des ersten Kapitels. Eine Szene, die sich ihm beim Blick in eine McDonald‘ s-Filiale bot, beschreibt er mit den Worten: … weiterlesen

»Die Hip-Hop-Generation erhebt sich«
Das Rap-Duo Dead Prez über die Renaissance von Black Power in den USA

Unter den Unterstützern der Proteste gegen rassistische Polizeigewalt in den USA finden sich zahlreiche Künstler wie der Schauspieler Samuel L. Jackson, der Filmemacher Spike Lee und auch Dead Prez. Das Hip-Hop-Duo ist nicht nur ein Rap-Projekt – die beiden Musiker stic. man und M-1 haben sich seit der Gründung 1996 auch manifest politisch positioniert und engagiert. M&R-Redakteur Christian Stache sprach mit stic.man über die neue Bewegung der Schwarzen, Hip-Hop als »revolutionary coaching« und die miserable Performance von US-Präsident Barack Obama. weiterlesen

M&R Januar/Februar 2015

Where the road goes …
Im neoliberalen Zeitalter wird telemediale Kriegspropaganda nach gesamtkunstwerklichen Prinzipien gestaltet. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität

Der Komponist Karlheinz Stockhausen hatte mit seiner verstörenden Behauptung, 9/11 sei »das größte Kunstwerk, was es je gegeben hat«, einen Skandal ausgelöst. Die darauf folgende Empörungswelle galt möglicherweise nicht nur dem kalten Zynismus, den das von Stockhausen auf einer Pressekonferenz am 16. September 2001 Gesagte ausstrahlte. Vielleicht spürte die entrüstete Öffentlichkeit, dass mehr als nur ein Funken verborgener Wahrheit darin lag: Denn was für das Ereignis der WTC-Katastrophe nicht festzustellen war, galt durchaus für dessen Darstellung in den Medien – besonders im Fernsehen. weiterlesen

Zwischen den Zeiten
»Männer, Frauen und Maschinen«
Am 21. Februar wäre der 1998 verstorbene Arbeiter, Liedermacher und Poet Gerhard Gundermann 60 Jahre alt geworden

»Mein halbes Leben steh‘ ich an der Weltzeituhr / Und ich bin nicht mehr so jung / Und ich warte, und ich warte« – im Spätherbst 1988 erschallte »Lancelots Zwischenbilanz I«, und irgendetwas war anders! Ein Freund hatte mit Filzstift das Geschenkte hinten beschrieben: »Musst Du Dir anhören!« Gundermann? Ja, war regional mit der Brigade Feuerstein eine Institution – ein Lieder-Rock-Zirkus mit klarer Kante. weiterlesen

Zwischen den Welten
»Hier bin ich geborn / Wo die Kühe mag er sind wie das Glück«
Auf der Suche nach dem verlorenen Eisenland – Gundermanns Post-DDR-Hymne

Nie waren Gundermanns »Lebens-Mittel« so wichtig wie heute. Oder vielleicht doch schon mal früher in den ersten Post-DDR-Jahren? Immer noch hat der Tag wieder nicht das gebracht, was er bringen sollte, unsere Sache scheint verloren, selbst Gott ist schon besoffen, die Uhr zeigt fünf vor zwölf. Und wir? »Wir hetzen auf der Suche nach dem Futternapf wie Ratten durch das Labyrinth.« Egal, mein Herzblatt, sei nicht traurig, schließlich: weiterlesen

Märtyrergehabe
Agata Pyzik über Mythen und Wahrheiten der Punkkultur in der Volksrepublik Polen

Das Buch »Poor but Sexy« der in Großbritannien lebenden polnischen Autorin Agata Pyzik handelt vom Aufeinanderprallen der Kulturen Ost- und Westeuropas – während des Kalten Krieges und im neoliberalen Zeitalter. Unser London-Korrespondent Maciej Zurowski sprach mit Agata Pyzik über Punk in Polen damals und seine reaktionären Tendenzen heute. weiterlesen

Kein Widerspruch zwischen autonomer und politischer Kunst
Arkadiy Kots arbeiten an der Wiederbelebung klassenbewusster Liedkultur

Die russische Band Arkadiy Kots (benannt nach dem russischen Dichter und Sozialisten Arkadiy Yakovlevich Kots) ist immer mittendrin – bei Versammlungen, Demonstrationen, linken Konferenzen und politischen Konzerten. Sie gelten als die bedeutendste Band der linken Szene im heutigen Russland. Im Herbst haben sie ihr erstes Album mit dem Titel »Lasst uns politisch kämpfen« veröffentlicht. M&R-Moskau-Korrespondent Andrey Ukrainskiy bat sie zum Interview. weiterlesen

M&R November/Dezember 2014

»Leiden beredt werden zu lassen, ist Bedingung aller Wahrheit«
Ein ideologiekritisches Gespräch über Leiden und Schmerz in der Musik

Herr Zuckermann, Sie gelten als apostrophierter Kritiker der Kulturindustrie. Der Mainstream der kommerziellen Popmusik blendet das Leiden des Menschen an existenzieller Not, an den Begleiterscheinungen der kapitalistischen Gesellschaft, an Ausbeutung und Armut, nahezu aus. Er kennt Schmerz nur in Form von Herzschmerz. Ist diese Reduktion genuin in populärer Musik angelegt oder ein Symptom von deren kulturindustrieller Verwertung?

Die Antwort liegt im Grunde schon in Ihrer Frage. weiterlesen

Fleisch von Linken zum Abendessen
Von dem drastischen Rechtsruck der israelischen Gesellschaft bleiben auch die Musiker nicht unberührt

Der britische Musiker und Produzent Brian Eno (Roxy Music, U2, Coldplay) sprach Anfang August, als der jüngste Gaza-Krieg wütete, von einer »ethnischen Säuberung«, die an der palästinensischen Zivilbevölkerung verbrochen werde. Der US-Regierung warf er vor, Israel finanziell in einem »einseitigen kolonialistischen Krieg« zu unterstützen; das sei, »als wenn man dem Ku-Klux-Klan Geld überweisen würde«. Mit dem rassistischen Geheimbund wurden die rechten Siedler, die nachts arabische Dorfbewohner terrorisieren, bereits des Öfteren verglichen. weiterlesen

Front-Musikanten
Afghanistan 13 Jahre danach: Mit den abziehenden Besatzungstruppen entfällt auch deren popmusikalische Betreuung. Eine Bilanz zur Verantwortung der Kunst in Kriegszeiten

Über 13 Brücken musst Du gehn, 13 dunkle Jahre überstehn, hätte Peter Maffay singen sollen, damals, 2005 in Afghanistan. Wusste es nicht besser, tat es also nicht, blieb bei sieben, der ewige Oldie mit den Oberarmen aus der Muckibude, einer der ersten deutsch singenden Truppenbetreuer nach 1945. Heute gibt er sich einsichtig. Konzepte »militärischer Natur« seien untauglich, das hätten »wir alle« inzwischen gemerkt, »selbst die, die es nicht wahrhaben wollten«. Sagt er – und sagt nicht: Auch ich wollte es nicht wahrhaben. Und fragt nicht nach seiner Verantwortung. weiterlesen

M&R September/Oktober 2014

Children of the Revolution
Adorno, Freud und das Unbehagen in der Musikkultur

Ich saß mit einigen Freunden in der Bar des Palazzo delle Esposizioni in Rom, wo eine John-Cage-Konferenz stattfand. Plötzlich hörten wir aus dem Nebenraum den Klang von Trommeln. Er wirkte wie eine Komposition, in der es nicht möglich war, eine Ordnung zu finden. Sofort begann unter uns eine Diskussion darüber, wer der Komponist sein könnte: eines Stücks, das eindeutig zum Repertoire der Avantgardemusik der Nachkriegszeit gehörte. Boulez? Kagel? Cage? Es war in seiner Artikulationen zu obsessiv, um ein Beispiel für integralen Serialismus sein. Und seine Dynamik war zu intensiv und übertrieben, um sich in den antisubjektivistischen Kanon aleatorischer Musik einzureihen. Zu unserer Überraschung entdeckten wir schließlich, dass sich im Nebenraum etwa 20 kleine Kinder mit Perkussionen amüsierten. weiterlesen

Ikonen der Camouflage
Punk adieu, bonjour Hollywood: Die Anti-Putin-Aktivistinnen von Pussy Riot ändern ihre Gewandung, bleiben politisch aber stramm auf Westkurs

Was als Punk daherkommt, muss nicht Punk sein. Das war schon immer so, oder was hatte Malcolm McLarens 1975er-Masterplan zum »Great Rock’n’Roll Swindle« um die Sex Pistols mit Aufstand zu tun? Wenn überhaupt, war es ein Konzept für ein gutes Geschäft mit der längst in der Luft liegenden Rebellion. »Punk« als Produkt bediente zuallererst den aufmüpfigen Zeitgeist. Das barg die Gefahr in sich, umgehend zu Pop zu werden. »Anarchy in the UK« als gegenkultureller Hit, »No future« als Pose, Halbwertzeit, wenn überhaupt, anderthalb Jahre. Das unheimliche Integrationspotential der Kulturindustrie frisst die Punks, und die merken es nicht einmal. weiterlesen

Analyse: Noch verlogener als Schlager
Andreas Gabalier
»I sing a Liad für di«

Andreas Gabaliers Song »I sing a Liad für di« hätte schon vor 50 Jahren gut und gern als Musterexemplar deutschsprachigen Schlagertums firmieren können. Als Wiesn-Gaudi, Blauer- Bock-Freudigkeit oder Ballermann-Degeneration, überall wäre diese Mischung aus Humpapa-Musik und Boy-meets-Girl-Klischee, wie sie nur die bewusst-platte deutschsprachige Unterhaltungskultur zu fabrizieren vermag, in unbedarfter Dankbarkeit aufgenommen worden. Sie appelliert dezidiert ans Niedere, das sich wie auf Befehl begeisterten Publikum zumeist in kollektivem Geschunkel und rhythmischem, zuweilen ins Marschartige übergehenden Händeklatschen kundtut, im Viervierteltakt als Demonstration überbordender Lebensfreude. Dass dieses »Liad« millionenfach auf Youtube abgerufen worden ist, sich also allergrößter Popularität erfreuen darf, korrespondiert aufs Stimmigste mit seiner unhinterfragten Funktion als Produkt trivialer Kulturindustrie. weiterlesen

M&R Juli/August 2014

»Der Soldate ist der schönste Mann bei uns im Staate«
Vor hundert Jahren: Populärkulturelle Mobilmachung im Ersten Weltkrieg

»Ohne den deutschen Militarismus wäre die deutsche Kultur längst vom Erdboden getilgt«, heißt es in einem Aufruf an die Kulturwelt, der von 93 Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern unterzeichnet und im Oktober 1914 in allen großen Zeitungen veröffentlicht worden war. Das Bewusstsein, dass Heer und Volk »eins« seien, verbrüdere die Deutschen »ohne Unterschied der Bildung, des Standes und der Partei«. Bei dem Aufruf, der auch als »Manifest der 93« bekannt ist, handelt es sich um ein Stück Propaganda aus den Monaten, die noch heute mit kriegsbegeisterten Massen assoziiert werden. Ein trügerisches Bild, das die Welle von Friedensdemonstrationen ausblendet, die Deutschland in den Wochen vor Kriegsbeginn erfasste. weiterlesen

Der Punk der Rebellion
Ratos de Porão (Kellerratten) beweisen: Metal aus Brasilien, das ist nicht nur Sepultura. Ein Gespräch mit Sänger und Frontmann João Gordo

Wie beim Punk oft der Fall, begann auch die Geschichte des brasilianischen Hardcore in einem kleinen Ladengeschäft: Fábio Sampaio, später Shouter der einschlägigen Band Olho Seco, eröffnete 1979 im Stadtzentrum von São Paulo Punkrock-Discos (Punkrock-Schallplatten). Mit seinen Vinyl-Importen aus England und Skandinavien – vor allem aber mit den erschwinglicheren Mixtapes, die er selber zusammenstellte – schwor er die lokale Punkgemeinde auf den europäischen Knüppel-Hardcore von Discharge, Chaos UK und Kaaos ein. weiterlesen

M&R Mai/Juni 2014

Eine Explosion der Freude
Der Sänger Vitorino Salomé über die »Nelkenrevolution«

Vor 40 Jahren – in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1974 – verließen portugiesische Militärs ihre Kasernen und vertrieben die Vertreter des Salazar-Regimes aus dem Land. Das Signal für den Beginn der »Nelkenrevolution« waren zwei Lieder, die im Radio ausgestrahlt wurden. Der 1942 in eine musikalische Familie hineingeborene Sänger Vitorino Salomé hat alles miterlebt. Im Pariser Exil sang er gegen das Regime an, nach der Revolution verwandelte er sich in die »Stimme des Alentejo«, indem er die Lieder seiner Heimatregion im ganzen Land bekannt machte. Viele sind heute Klassiker in Portugal und werden bei seinen Konzerten von den Zuhörern lautstark mitgesungen. Torsten Eßer traf Vitorino Salomé in Köln. weiterlesen

»Wir bringen Licht«
Berufung: »Stritery« – Straßenmusiker in Russland

Die rothaarige Schenja und der asiatisch aussehende »Adel« tatarischer Herkunft, beide knapp über 30 Jahre alt, nennen sich Zoommer. Das Duo steht fast täglich in der Stadtmitte Kasans, der Hauptstadt der zu Russland gehörenden Republik Tatarstan. Sie singen alte Lieder, die den meisten Menschen das Herz erwärmen. Auch eigene Lieder tragen sie vor. »Adel« arbeitete an einer Baustelle, auch als Chauffeur. Schenja war als Verkäuferin in einem Souvenirladen angestellt. Beide kündigten und gingen auf die Straße – sie folgten ihrer Berufung. »Es gibt Gerüchte, dass man die Straßenmusiker legalisieren wird, weil man verstanden hat, dass das auch Arbeit ist«, sagt Schenja. »Aber noch sind das nur Gerüchte. Doch die Polizei sieht, dass wir Gutes und Licht bringen. Sie lassen uns in Ruhe. Aber gleichzeitig fühlen wir uns nicht ganz erlaubt.« »Adel« fügt hinzu: »Das Wichtigste ist, dass ein Mensch das tut, wonach seine Seele strebt.« weiterlesen

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M&R 3/2017

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Titelthema:
FREIHEIT UND DEMOCRACY



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M&R Aktuell

zuckermann

Deutsche Abgründe


Ein kleiner Schritt für Frankfurts Bürgermeister, ein großer Sprung für deutsche Normalisierer: Uwe Becker (CDU) demonstriert neues-altes Selbstbewusstsein und erklärt jüdische und andere Israelkritiker kurzerhand für »nicht willkommen« in seiner Stadt. Zu den unerwünschten Personen gehört der israelische Historiker und Sohn von Holocaust-Überlebenden Moshe Zuckermann, der in Frankfurt aufgewachsen ist. M&R bat ihn um eine Replik.

»Entscheidend ist, welche Haltung wir einnehmen«


Gespräch mit Susann Witt-Stahl. Über Gegenkultur, Ideologiekritik und notwendige neue Impulse für den Kulturjournalismus
Aus: junge Welt vom 25.03.2017, Wochenendbeilage
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M&R im Interview

Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Kritischer Musikjournalismus in ideologisch angespannter Zeit.

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Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Über die neu ­gestaltete Musikzeitschrift Melodie und Rhythmus, Walter Ulbricht und Iron Maiden, Rock’n’Roll und Krieg, marxistische Ästhetik und Neoliberalismus, Straßen-Rap und Adorno.

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"Wir frönen nicht irgendeiner Nostalgie"
Ein politisches Musikmagazin mit DDR-Wurzeln erfindet sich neu: Melodie & Rhythmus (M&R) hat seinen Look und seine Inhalte überarbeitet. medienmilch.de sprach mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl über die Details: Interview lesen
 
• Wie sich Musik und Politik vereinbaren lassen, behandelt das Magazin “Melodie & Rhythmus” in seiner aktuellen Ausgabe. Radio F.R.E.I. hat mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl gesprochen.
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