Melodie & Rhythmus

»Kein Holocaust, kein Punk«

30.08.2016 14:00
Ramones Foto: Picture-Alliance / United Archives / Topfoto

Ramones
Foto: Picture-Alliance / United Archives / Topfoto

titel

Steven L. Beeber über die jüdischen Ursprünge von Punk

Interview: John Lütten

Stammt Punk aus dem Judentum? Der US-amerikanische Journalist Steven L. Beeber hat in seinem Buch »Die Heebie-Jeebies im CBGB’s. Die jüdischen Wurzeln des Punk« erstaunliche Bezüge herausgearbeitet. M&R sprach mit ihm über die Jewishness der ersten Punkrocker und die merkwürdige Affinität einiger von ihnen zur NS-Ästhetik.

Sie sagen, Punk wäre ohne eine Generation junger US-amerikanischer Juden nicht entstanden.

In seinen Ursprüngen ist Punk sehr jüdisch! Allerdings als kulturelle Identität, nicht im religiösen Sinn. Diese Jewishness basiert auf dem Wissen, immer auf der »falschen Seite« der Geschichte gestanden zu haben und als »der Andere« drangsaliert worden zu sein – ein Schicksal, das seinen Höhepunkt im Holocaust fand. Das hat jüdische Kultur grundlegend geprägt und eine kritische, mitunter subversive Haltung gegenüber Autoritäten, ein fundamentales Misstrauen gegenüber Institutionen und einen ironischen, sarkastischen Humor hervorgebracht. Im Prinzip sind das auch die Elemente von Punk. Und tatsächlich hatten viele Angehörige der ersten Punk-Generation jüdische Wurzeln oder waren Kinder von Holocaust-Überlebenden.

Zum Beispiel die Ramones …

Joey und Tommy Ramone waren jüdisch. Und das Interessante ist, dass Tommy, der das Konzept der Band entwickelte, ein Sohn ungarischer Holocaust-Überlebender war und als Kind selbst antisemitische Anfeindungen erfahren hatte. Im Gespräch erzählte er mir, dass einer der Gründe für ihn, sich mit Johnny – der aus der Arbeiterklasse kam und ein Schlägertyp war – anzufreunden, dessen Aggressivität und Kampfeslust war, die der Jewishness abging. Zusammen mit Dee Dee, der einen US-amerikanischen Vater und eine deutsche Mutter hatte, und Joey, einem schlaksigen Juden, dessen Erscheinungsbild den Stürmer-Karikaturen ähnelte, entwarf Tommy eine Band, die wie eine gefährliche Straßengang aussehen und zugleich ihre eigene Parodie sein sollte. Neben vielen anderen Dingen ist es das, was die Band so jüdisch machte.

Das komplette Interview lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 5/2016, erhältlich ab dem 2. September 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen

Che: Die ersten Jahre

Anzeige Rosa-Luxemburg-Konferenz
logo-373x100
Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss
flashback

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

M&R Aktuell

zuckermann

Deutsche Abgründe


Ein kleiner Schritt für Frankfurts Bürgermeister, ein großer Sprung für deutsche Normalisierer: Uwe Becker (CDU) demonstriert neues-altes Selbstbewusstsein und erklärt jüdische und andere Israelkritiker kurzerhand für »nicht willkommen« in seiner Stadt. Zu den unerwünschten Personen gehört der israelische Historiker und Sohn von Holocaust-Überlebenden Moshe Zuckermann, der in Frankfurt aufgewachsen ist. M&R bat ihn um eine Replik.

»Entscheidend ist, welche Haltung wir einnehmen«


Gespräch mit Susann Witt-Stahl. Über Gegenkultur, Ideologiekritik und notwendige neue Impulse für den Kulturjournalismus
Aus: junge Welt vom 25.03.2017, Wochenendbeilage

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop

M&R im Interview

Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Kritischer Musikjournalismus in ideologisch angespannter Zeit.

Interview lesen
 
Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Über die neu ­gestaltete Musikzeitschrift Melodie und Rhythmus, Walter Ulbricht und Iron Maiden, Rock’n’Roll und Krieg, marxistische Ästhetik und Neoliberalismus, Straßen-Rap und Adorno.

Interview lesen
 
"Wir frönen nicht irgendeiner Nostalgie"
Ein politisches Musikmagazin mit DDR-Wurzeln erfindet sich neu: Melodie & Rhythmus (M&R) hat seinen Look und seine Inhalte überarbeitet. medienmilch.de sprach mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl über die Details: Interview lesen
 
• Wie sich Musik und Politik vereinbaren lassen, behandelt das Magazin “Melodie & Rhythmus” in seiner aktuellen Ausgabe. Radio F.R.E.I. hat mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl gesprochen.
Radiointerview anhören