Melodie & Rhythmus

»Wirklich ehren können wir sie nur, indem wir für eine sozialistische Gesellschaft streiten«

14.09.2021 14:43
Esther Bejarano und Moshe Zuckermann auf der M&R-Künstlerkonferenz, Berlin 2019Foto: TP-Presseagentur

Esther Bejarano und Moshe Zuckermann auf der M&R-Künstlerkonferenz, Berlin 2019
Foto: TP-Presseagentur

Moshe Zuckermann nimmt Abschied von Esther Bejarano

Interview: Susann Witt-Stahl

Sie wollte 2021 mit Moshe Zuckermann und anderen Freunden den 76. Jahrestag ihrer Befreiung in dem mecklenburg-vorpommerischen Städtchen Lübz feiern. Dort hatte es am 3. Mai 1945 auf dem Marktplatz ein Freudenfest gegeben: Die damals 20-jährige Esther spielte Akkordeon, ein Hitlerbild wurde verbrannt, sowjetische und US-amerikanische Soldaten fielen sich in die Arme und küssten sich. Die Feierlichkeit zur Erinnerung an diesen bewegten Tag musste pandemiebedingt verschoben werden und sollte 2022 stattfinden. Aber dazu wird es nicht mehr kommen – Esther Bejarano verstarb am 10. Juli im Alter von 96 Jahren. M&R sprach mit Moshe Zuckermann über ihre Leistungen, ihr Wirken und die Möglichkeiten, sie zu ehren und ihr Vermächtnis zu bewahren.

Was hätten Sie Esther Bejarano auf der geplanten Befreiungsfeier in Lübz gesagt?

Ich hätte mich glücklich darüber geäußert, dass sie auf dieser symbolischen Ebene noch einmal erleben darf, was seit Mai 1945 in der Realität nie wieder eingetreten ist. Durch den Kalten Krieg stand und steht ja bis heute eher zu befürchten, dass russische und amerikanische Soldaten aufeinander schießen – von Verbrüderung kann nicht mehr die Rede sein. Dass auf ihren Wunsch an die damaligen hoffnungsfrohen Ereignisse erinnert wird – dafür hätte ich sie von Herzen beglückwünscht. Und dann hätte ich sie umarmt.

Was hat die internationale jüdische Linke mit dem Tod von Esther Bejarano vor allem verloren?

Die Inkarnation dessen, was sie von Esther schon längst hätte lernen müssen: unerbittlich an der einzigen Konsequenz festzuhalten, die man als human ausgerichteter Mensch aus Auschwitz ziehen darf, und nach dem universalistischen Imperativ »Es darf nie wieder passieren – niemandem!« zu leben. Dass Esther das getan hat, ist an sich keine kleine Leistung. Dass sie es auch als eine »dort« Gewesene getan hat, ist schier unglaublich – und genau das ist nun verloren gegangen. …

Das komplette Interview erscheint in der Melodie & Rhythmus 4/2021, erhältlich ab dem 17. September 2021 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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