Melodie & Rhythmus

Lawan Lupa – Gegen das Vergessen

28.06.2016 14:19
Kommunistische Gefangene der indonesischen Armee im Hafen Tanjung Priok im Oktober 1965 Foto: Picture Alliance / UPI

Kommunistische Gefangene der indonesischen Armee im Hafen Tanjung Priok im Oktober 1965
Foto: Picture Alliance / UPI

Als der prowestliche Diktator Suharto vor 50 Jahren in Indonesien die Macht ergriff und einen Massenmord an Kommunisten anordnete, wurden auch linke Musiker Opfer der Gewaltexzesse. Heute tritt eine junge Künstlergeneration ihr Erbe an

Anett Keller

Es sind Klänge, bei denen es schwerfällt, die Füße stillzuhalten: forderndes Djembe-Trommeln, eindringliches Zupfen auf einer Geige, verstärkt von elektronischen Beats; dann eine Frauenstimme, die wehmütig einen Gesang in javanischer Sprache anstimmt. Das Lied »Gendjer-Gendjer«, das vor vier Jahren vom indonesisch- spanischen Künstlerduo Filastine (Nova Ruth und Grey Filastine) neu arrangiert wurde, ist rund 70 Jahre alt. Der Text handelt von Gendjer, einer wild wachsenden Blattgemüseart, damals als eine Speise der Armen bekannt.

1945 erklärte Indonesien nach 350 Jahren holländischer Kolonialherrschaft und drei Jahren japanischer Besatzung seine Unabhängigkeit. Doch die vor allem durch eine ungerechte Verteilung des Landbesitzes forcierte Armut blieb. Mit dem Erstarken der Kommunistischen Partei wurde der »Gendjer«-Song zu einem Lieblingslied der antikapitalistischen Linken. Als sein Komponist gilt der Ostjavaner Muhammad Arief. Filastine hätten sich für »Gendjer-Gendjer« entschieden, weil es »einfach ein guter Song ist«, sagt Nova Ruth – aber auch, weil sie der jungen Generation die Geschichte ihres Landes nahebringen wollten. Es ist die Geschichte einer linken Bewegung, die in einem der größten Massenmorde des 20. Jahrhunderts beinahe vollständig ausgelöscht wurde.

1965 hatte Indonesien die drittgrößte kommunistische Partei der Welt. Der antiimperialistische Kurs von Staatpräsident Sukarno machte die westlichen Mächte zunehmend nervös. Ab Ende der 50er-Jahre sinnierten Washington und Co. über einen Machtwechsel in Indonesien und bildeten zu diesem Zweck Militärs und Ökonomen aus. 1965 kam der Moment für die Konterrevolution. Suharto, damals Befehlshaber der strategischen Reserve, ließ im Zuge seines Aufstiegs zur Spitze des Staates Hunderttausende Linke ermorden, unter ihnen zahlreiche Künstler. Auch der »Gendjer-Gendjer«-Komponist Muhammad Arief wurde in seiner Heimatstadt Banyuwangi von Militärs abgeholt und kehrte nie zurück. Zur Militärdiktatur, von der Suharto selbst als der »Neuen Ordnung« sprach, gehörte auch eine neue Kulturpolitik: Revolutionäre Ideen hatten in der Kunst nichts mehr zu suchen, Dutzende Lieder kamen auf den Index.

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