Melodie & Rhythmus

»Ohne diese Träume wäre ich tot«

28.06.2016 14:01
Gerardo Alfonso im M&R-Interview Fotos: Dietmar Koschmieder

Gerardo Alfonso im M&R-Interview
Fotos: Dietmar Koschmieder

Gerardo Alfonso über Musik jenseits von Buena Vista, die Schwierigkeiten innerhalb der revolutionären Entwicklung Kubas und die Öffnung zum US-Markt

Interview: Denis Gabriel & Gloria Fernandez

Gerardo Alfonso, Jahrgang 1958, gehört zur Bewegung der Nueva Trova Cubana (Neues kubanisches Lied). Die Nachfolger der großen Trovadores Kubas wie Carlos Puebla orientierten sich früh an den »Cantautores« (singende Autoren) genannten Liedermachern der »ersten Generation« wie – vor allem – Silvio Rodríguez und Pablo Milanés. Alfonso ließ sich zudem besonders inspirieren von der ländlichen Campesino-Musik ebenso wie von afrokubanischen Rhythmen und den Klängen der Karibik und Brasiliens. Auch nordamerikanische Entwicklungen in Jazz und Rock sog er auf.

Gerardo2Mit »Sábanas blancas«, den »weißen Bettlaken«, trocknend auf Balkonen im Atlantikwind, schuf der in Havanna Geborene Anfang der 1990er-Jahre einen Song, der zur Hymne auf das hektische, turbulente und nicht immer einfache Leben in Kubas Hauptstadt wurde. 1997 erschien sein Lied auf die Ideale Ernesto Che Guevaras: »Son los sueños todavia« (Es sind immer noch die Träume) wurde zu einer Art musikalischem Monument der globalen antiimperialistischen Jugendbewegungen. Alfonso galt immer auch als kritischer Geist, der sich besonders mit den Widersprüchen, mit Mängeln und Fehlentwicklungen der kubanischen Revolution auseinandersetzte.

Seine bisher 15 CD-Produktionen reichen vom Solo mit akustischer Gitarre über Lieder mit eigener Band bis zur großen Performance mit dem Symphonieorchester von Camagüey, mit dem er 2010 sein Werk »Leyendas camagüeyanas« einspielte. Er produzierte in Italien und Deutschland, wo in Zusammenarbeit mit »Cuba Sí« zwei Platten entstanden. Demnächst erscheint – übrigens mit Unterstützung der UNESCO, weil er auf Kuba selbst zunächst kein Label fand – die Produktion »La ruta del esclavo« (Der Weg des Sklaven): Geschichten, die 130 Jahre nach der Befreiung von der Sklaverei auch von seiner eigenen Herkunft und Biografie erzählen. Wir sprachen Gerardo Alfonso, der im Juli mit M&R und »Cuba Sí« auf Deutschland-Tour ist, in Havanna.

Seit 1996, dem Jahr seines großen Revivals mit Hilfe von Ry Cooder und Wim Wenders, gilt der Buena Vista Social Club (BVSC) als eine Art Markenzeichen Kubas. Doch die übrigen Musiken der Spitzenklasse und deren exzellente Interpreten und Komponisten blieben eher im Schatten. Wie wirkt sich das bis heute aus?

cd-gerardoPositiv und negativ. Einerseits widerspiegelt das Projekt Buena Vista keineswegs die musikalische Breite und Vielfalt aus den über 50 Jahren Entwicklung seit der kubanischen Revolution – insofern förderte das kapitalistische Geschäft mit dieser Musik nur eine einzige, bestimmte Tendenz. Andererseits erfuhren die wunderbaren, im BVSC vorgestellten Musiker in der Abenddämmerung ihrer Karriere noch einmal großes internationales Ansehen. Sie traten auf die Bühnen und genossen es. Und: Es zog eine Musik in die internationale Arena ein, die bis dato nicht sehr bekannt war, die aber äußerst tiefgründige Wurzeln hat. Das wiederum war sehr gut für die kubanische Musik insgesamt.

M_R_300_169_GerardoAber lässt der BVSC nicht zu wenig Raum für anderes – schließlich steht er bis heute für kubanische Musik insgesamt?

Das Interesse an der traditionellen Musik des Clubs brachte Bewegung in das Verhältnis zwischen den verschiedenen Stilen. Zuvor – ich spreche von den Jahren 1992 bis 1996 – herrschte ein Übergewicht zugunsten der Timba-Bands, des Salsa, der entsprechenden Orchester. Diese waren überrepräsentiert. Durch das Phänomen BVSC entstanden neue Nuancen innerhalb der Farben und der Melodien im Genre der volkstümlichen kubanischen Musik, aber auch des Jazz, der Nueva Trova oder in der klassischen Musik.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 4/2016, erhältlich ab dem 1. Juli 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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