Melodie & Rhythmus

Vollendetes L’art pour l’art

22.02.2016 15:41
Foto: picture-alliance

Foto: picture-alliance

Vor 80 Jahren erschien Walter Benjamins berühmter »Kunstwerk«-Aufsatz. Vor allem seine Thesen zur Ästhetik des Faschismus und imperialistischen Krieges sind erschütternd aktuell

Susann Witt-Stahl

Der Faschismus hat eine der verstörendsten Horrorvisionen Realität werden lassen. Die »Selbstentfremdung« der Menschheit »hat jenen Grad erreicht, die sie ihre eigene Vernichtung als ästhetischen Genuss ersten Ranges erleben lässt«, lautet die wohl bitterste Diagnose des marxistischen Philosophen Walter Benjamin in »Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit«. Der erstmals 1936 in der Zeitschrift für Sozialforschung veröffentlichte Essay zählt bis heute zu den bedeutendsten kulturkritischen Abhandlungen des 20. Jahrhunderts.

Er enthält unverzichtbare Beobachtungen über die in der kapitalistischen Gesellschaft, bedingt durch ihre hierarchischen Eigentumsverhältnisse, permanent notwendige »unnatürliche Verwertung« der sich in atemberaubender Geschwindigkeit entwickelnden Produktivkräfte, wie Benjamin schrieb. Unter den Bedingungen der brutalsten Herrschaftsform des Kapitalismus vollziehe sich parallel dazu auf der ideologischen Ebene eine »Vergewaltigung« der Massen, die »zu ihrem Ausdruck (beileibe nicht zu ihrem Recht) kommen« sollen. Diese strukturell im Faschismus angelegte und sich nicht zuletzt im Führerkult offenbarende Ausübung repressiver Kontrolle und Manipulation laufe unweigerlich auf intensive Beschleunigung einer »Ästhetisierung der Politik« hinaus, die in der katastrophalsten zwischenmenschlichen Beziehung gipfelt: Krieg. Der imperialistische Krieg sei nicht zuletzt ein »Aufstand der Technik, die am ›Menschenmaterial‹ die Ansprüche eintreibt, denen die Gesellschaft ihr natürliches Material entzogen hat«, so Benjamin weiter. »Anstatt Flüsse zu kanalisieren, lenkt sie den Menschenstrom in das Bett ihrer Schützengräben, anstatt Saaten aus ihren Aeroplanen zu streuen, streut sie Brandbomben über die Städte hin«.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 2/2016, erhältlich ab dem 26. Februar 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen

Che: Die ersten Jahre

flashback
logo-373x100
Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt am Kiosk!

Anzeige Tage der Commune=

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

M&R Aktuell

zuckermann

Deutsche Abgründe


Ein kleiner Schritt für Frankfurts Bürgermeister, ein großer Sprung für deutsche Normalisierer: Uwe Becker (CDU) demonstriert neues-altes Selbstbewusstsein und erklärt jüdische und andere Israelkritiker kurzerhand für »nicht willkommen« in seiner Stadt. Zu den unerwünschten Personen gehört der israelische Historiker und Sohn von Holocaust-Überlebenden Moshe Zuckermann, der in Frankfurt aufgewachsen ist. M&R bat ihn um eine Replik.

»Entscheidend ist, welche Haltung wir einnehmen«


Gespräch mit Susann Witt-Stahl. Über Gegenkultur, Ideologiekritik und notwendige neue Impulse für den Kulturjournalismus
Aus: junge Welt vom 25.03.2017, Wochenendbeilage

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop

M&R im Interview

Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Kritischer Musikjournalismus in ideologisch angespannter Zeit.

Interview lesen
 
Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Über die neu ­gestaltete Musikzeitschrift Melodie und Rhythmus, Walter Ulbricht und Iron Maiden, Rock’n’Roll und Krieg, marxistische Ästhetik und Neoliberalismus, Straßen-Rap und Adorno.

Interview lesen
 
"Wir frönen nicht irgendeiner Nostalgie"
Ein politisches Musikmagazin mit DDR-Wurzeln erfindet sich neu: Melodie & Rhythmus (M&R) hat seinen Look und seine Inhalte überarbeitet. medienmilch.de sprach mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl über die Details: Interview lesen
 
• Wie sich Musik und Politik vereinbaren lassen, behandelt das Magazin “Melodie & Rhythmus” in seiner aktuellen Ausgabe. Radio F.R.E.I. hat mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl gesprochen.
Radiointerview anhören