Melodie & Rhythmus

»Losgelöst von allen Wurzeln …«

30.08.2016 14:59

Veranstaltung
Foto: Pichler / wikimedia.org / public domain; Government Press Office / Moshe Pridan

Esther Bejarano und Moshe Zuckermann – Eine Wanderung zwischen den jüdischen Welten

»So gehöre ich nirgends mehr hin, überall Fremder und bestenfalls Gast.« Diese Zeilen notierte Stefan Zweig Anfang der 1940er-Jahre angesichts der »furchtbarsten Niederlage der Vernunft und des wildesten Triumphes der Brutalität« über den Untergang seiner »Welt von Gestern«. Dieses Trauma sollte das jüdische Kollektiv, »losgelöst von allen Wurzeln«, prägen und zu neuen Ufern treiben.

M&R will eine kulturelle Annäherung an die alte und neue jüdische Lebenswelt wagen – mit besonderen Gästen: Esther Bejarano, Musikerin und ehemaliges Mitglied des Mädchenorchesters von Auschwitz (Interview s. S. 35), und Moshe Zuckermann, Historiker und Kunsttheoretiker. Sie verkörpern »Zweierlei Holocaust«, wie Zuckermann seine Essay-Sammlung über die Reflexion der Shoah in den Kulturen Israels und Deutschlands nannte. Bejarano, die nach ihrer Befreiung in den sich gerade konstituierenden Judenstaat auswanderte, aber seit 1960 wieder in Deutschland lebt, und Zuckermann, der im selben Jahr aus Israel in die »vertraute Unheimat« des Täterlands kam und zehn Jahre später an seinen Geburtsort Tel Aviv zurückkehrte, sind mit beiden jüdischen Welten in Berührung gekommen. Bejarano als Auschwitz-Überlebende und Zuckermann als Sohn von Auschwitz-Überlebenden repräsentieren aber auch zwei jüdische Generationen, die auf ganz unterschiedliche Weise mit dem größten Menschheitsverbrechen konfrontiert waren.

Am 20. und 22. Oktober werden Esther Bejarano und Moshe Zuckermann auf Einladung von M&R Erinnerungen und Erfahrungen zu den kontrastierenden jüdischen Welten von gestern und heute austauschen: von der ausgelöschten Kultur des Klezmers und der jiddischen Lieder des Diaspora-Judentums, in dem Max Horkheimer einst eine »unendliche Zartheit« spürte, bis zum »Muskeljudentum« (Max Nordau) des seit Jahrzehnten im Kriegs- und Besatzerzustand verharrenden modernen zionistischen Staates. Die Veranstaltungen finden in Berlin und Hamburg statt und werden moderiert von dem Schauspieler Rolf Becker.

red

Termine

Donnerstag, 20. Oktober 2016
Wabe, Danziger Straße 101, Berlin-Prenzlauer Berg/Pankow
19 Uhr, Eintritt: 5.– Euro (ermäßigt 3.– Euro)

Samstag, 22. Oktober 2016
Club!Heim im Schanzenpark, Sternschanze 4, Hamburg-Sternschanze
19 Uhr, Eintritt: 5.– Euro (ermäßigt 3.– Euro)

 

Medienartner

Der Beitrag erscheint in der Melodie und Rhythmus 5/2016, erhältlich ab dem 2. September 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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