Melodie & Rhythmus

Zwei Kulturmodelle im Kampf

28.06.2016 14:31
Hip: Jugendszene, Havanna, 22. Dezember 2014 Foto: Lexandre Meneghini / Reuters

Hip: Jugendszene, Havanna, 22. Dezember 2014
Foto: Lexandre Meneghini / Reuters

Wider die Oberflächlichkeit oder wie Kuba versucht, US-Pläne zur Vereinnahmung zu durchkreuzen. Ein Gespräch mit Enrique Ubieta

Olga Ostogain

Ob jetzt die Yankees mit ihren Dollars – statt, wie in der Vergangenheit versucht, mit Waffengewalt und der Blockade – Kuba übernehmen, wollten wir von Enrique Ubieta wissen. Und Ubieta, ein nicht nur kulturpolitisch beschlagener Journalist, Essayist, Publizist mit einigem Gespür für gesellschaftliche Rahmenbedingungen, antwortete, dass »die USA nach wie vor nicht das Ziel aufgegeben haben, die Revolution zu beseitigen, jetzt aber mit anderen Mitteln agieren«. Die Kultur werde »das Hauptfeld der Auseinandersetzungen sein«, meinte der 57-Jährige, der die angesehenen Zeitschriften La Calle del Medio und Cuba Socialista leitet und zudem als Mitarbeiter des KP-Zentralkomitees fungiert.

Auffassungen von Glück

»Wir befinden uns in einem Kampf zweier Kulturmodelle, zwischen zwei verschiedenen Lebensweisen, zwei unterschiedlichen Auffassungen von Glück«, meint der graubärtige Mann und dass dieses keine einfache Auseinandersetzung sei, »denn wir sind eine kleine Insel in einem völlig anderen Universum«. Die Kontroverse betreffe nicht nur das Werk von Künstlern und Literaten. Vielmehr handelte es sich um eine »Konfrontation zwischen zwei Lebensweisen. Ich denke dabei an die auf Konsum ausgerichteten Mechanismen der Reproduktion von Symbolen und Werten, die von der US-Unterhaltungsindustrie transportiert werden und mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Dagegen steht die Reproduktion von Werten, die gegen diesen Konsum gerichtet sind, der Werte des Sozialismus und der Solidarität.« Es drohe, »dass diese Wertvorstellungen des Konsums in die Köpfe der Menschen eingepflanzt werden und sich die Gesellschaft so in eine andere Richtung bewegt.« Allerdings sei Kuba nicht Osteuropa, sagt er. Er argumentiert damit ähnlich wie andere Gesprächspartner, die es vermeiden, Parallelen zu Entwicklungen in den Ländern des vormaligen europäischen Sozialismus zu ziehen. Und in der Tat liegt es nicht nahe, das zerfallende Perestroika- Laboratorium ein Vierteljahrhundert nach dessen Ende mit dem – soweit sichtbar – sich erholenden Sozialismus in den Farben Kubas zu vergleichen. Kuba weiß um seine Stärke. Und um Risiken beim Beschreiten neuer Wege.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 4/2016, erhältlich ab dem 1. Juli 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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