Melodie & Rhythmus

Im Rauschzustand

22.02.2016 15:15
Foto: DPA

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Vor 30 Jahren begann der Siegeszug des Techno.
Ein Essay über elektronische Tanzmusik und ihre Verdinglichung

Gerfried Tschinkel

Techno war eine Revolution. Allerdings keine, die gegen die herrschenden Verhältnisse gerichtet war. Sie war, wenn schon, eine musikalische. Und heute? Der Wiener Elektrolabel-Betreiber Georg Lauteren alias DJ Glow sagt dazu: »Wenn ich heute 18-Jährige treffe, die sich für Musik interessieren, dann hören und machen die Techno, Drum’n’Bass oder vielleicht mal Hip-Hop. Das klingt alles nicht viel anders als vor 15 Jahren. […] Durch Internet, Computer und Digitalisierung, also durch die breite Verfügbarkeit von Produktionsmitteln, Informations- und Vertriebskanälen, haben sich tatsächlich so etwas wie globale Dörfer gebildet – differenzierte Subsubszenen mit ihren eigenen kulturellen Codes, von denen ab und an mal etwas in den Mainstream sickert. Die Revolution ? ndet heute im Privaten statt.« Die elektronische Musik scheint also dort angekommen zu sein, wo sie seit House und Techno hinsteuerte: in der spaßkulturellen Vereinzelung.

Es gibt eine interessante Parallele zwischen der klassischen bürgerlichen Instrumentalmusik und der elektronischen Tanzmusik des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Stand hinter der bürgerlichen Instrumentalmusik das Ethos, eine Sprache zu schaffen, die jeder versteht, so dass auch all jene einbezogen werden konnten, die von den feudalen Verhältnissen unterjocht wurden, so gilt für die spätkapitalistische Tanzmusik, dass auch sie ein Gemeinschaftsgefühl jenseits sozialer Grenzen – wie der Klassenzugehörigkeit – entstehen lässt. Setzte sich die frühbürgerliche Instrumentalmusik allerdings gegen die feudalabsolutistische Willkür ab, so ist Techno eine Bewegung, die kein »außen« und keinen Gegner mehr kennt. »Somit zogen sich die Anhänger dieser Bewegung nach ›innen‹ zurück – in alte Industriekomplexe, leerstehende Warenhäuser, alte Bunker, Keller, verlassene Kinos etc.«, beschreibt der Sozialwissenschaftler Torben Ehlers die vorherrschende Dynamik. Ende der 90er-Jahre verlagerte sich das Techno-Treiben zwar vermehrt in die Klubs, aber nach wie vor gilt: Politisch revolutionär war diese Musik nie.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 2/2016, erhältlich ab dem 26. Februar 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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