Melodie & Rhythmus

Wiederkehr des Verdrängten

30.08.2016 14:47
Klezmorim aus Rohatyn, 1912 Foto: wikimedia.org / public domain

Klezmorim aus Rohatyn, 1912
Foto: wikimedia.org / public domain

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Klezmer als Objekt von Ressentiment und Fetischisierung

Moshe Zuckermann

Bei Freud gibt es den Begriff des Unheimlichen: Etwas, das aus gutem psychischen Grund verdrängt worden ist, mithin im eigenen Unbewussten (also im »Heimischen«) erhalten geblieben ist, kehrt zum Bewusstsein als etwas Fremdes und doch entfernt Bekanntes wieder (was sein »Unheimliches« ausmacht). Die Klezmer-Musik darf als das Unheimliche der jüdischen aschkenasischen Kultur gelten, und zwar sowohl in Israel als auch in Deutschland.

In Deutschland ist Klezmer außerordentlich beliebt. Er genießt geradezu Kultstatus. Zuweilen will es scheinen, als begriffe man seine Wertschätzung und Pflege als eine Art kultureller »Wiedergutmachung« der Deutschen am jüdischen Volk. Merkwürdig ist daran, dass Klezmer in Israel ganz anders kodiert ist, daher auch einen gänzlich anderen kulturellen Stellenwert einnimmt. Den allermeisten Israelis gilt Klezmer (»klezmer« ist der jiddisch mutierte Ausdruck für das hebräische »kli semer« bzw. »klej semer« im Plural, Oberbegriff für »Musikinstrumente«) als Musik des alten osteuropäischen Schtetl-Judentums, vergleichbar etwa mit kulturellen Erzeugnissen vormoderner Dorf- oder Straßenmusikanten. Das war sie auch, und deshalb avancierte sie gerade in Israel zum Gegenstand eines anhaltenden latenten Ressentiments. Denn insofern sie für das Diaspora-Judentum stand, manifestierte sich unter anderem in ihr eben das, was der moderne politische Zionismus bzw. die von ihm geschaffene und propagierte neuhebräische Kultur zu überwinden trachtete.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 5/2016, erhältlich ab dem 2. September 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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