Melodie & Rhythmus

Spiel mir das Lied zum Krieg

26.02.2013 14:18

»Bodies« von Drowning Pool: Der Nummer-eins-Hit auf den Schlachtfeldern des Irak und Afghanistans erzählt die Geschichte von der Vermarktung der Rockmusik ohne Rücksicht auf Verluste. Beobachtungen zur durchaus ernsten Lage der Popmusik
Text: Gerd Schumann, Fotos: Shannon Stapleton/Reuters

Gegen die vier Boys aus Texas, Heavy Metalisten aus dem Bilderbuch, schick gepierct und fein tätowiert, muten die fünf krachledernen Jungs aus Germanien an wie liebe nette Waisenknaben. Rammstein mit ihren pyrotechnischen Selbstversuchen sind zuständig für die Show zum Thema Gewalt, Drowning Pool für die Predigt. Während Till Lindemann, der massige Vordermann der Deutschen, ein gelernter Feuerwerkstechniker, mit teutonischem Sprechgesang und dreifach gerolltem R nah am Rand zur Lächerlichkeit herumwankt, rücken die Texaner in Kampfstiefeln vor, breitbeiniger Sackträger-Ausfallschritt, kreisende Köpfe, grunzender Chor, delirierend: Schlagt die Körper zu Boden!

Der GI in Bagdad sagt: »›Let The Bodies Hit The Ground‹ von Drowning Pool hören wir am meisten. Wenn wir den Feind töten, wenn wir hier durch Bagdad rollen – dann passt das Lied einfach zu unserem Job.« C. J. Pierce, der Gitarrist der Band, versucht, abzuwiegeln: »Keine Ahnung, ob wir der inoffizielle Soundtrack des Militärs sind. Aber die Jungs in ihren Panzern, die schnallen einen Ghettoblaster oben drauf. Und cruisen so vor sich hin.« Trotzdem sei ihre Musik »überhaupt nicht politisch. Wir haben zwar ein Lied, das heißt ›Soldiers‹, Das ist ein Dankeschön an unser Militär, weil es den Frieden bewahrt.« Dann sagt er noch, eher entschuldigend als selbstbewusst: »Scheiße, dass du den Krieg brauchst, um Frieden zu haben. Aber das war schon immer so.«

Schon immer Krieg für den Frieden? Drummer Mike Luce dazu: »Du kannst den ganzen Tag drüber streiten, ob wir (die USA, gs) die Weltpolizei spielen müssen. Und wir als Band haben oft eine ganz bestimmte Meinung zu solchen Dingen. Sind wir deswegen politisch? Das glaubst du doch selber nicht. Wir sind nur ne Rock‘n‘Roll-Band.«

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie&Rhythmus 2/2013, erhältlich ab dem 1. März 2013 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Slayer – Raining Blood: www.youtube.com/watch?v=CUDWLp1yIWw

Drowning Pool – 300 Bodies: www.youtube.com/watch?v=MgkkdiPPNo8

Gerd Schumann lebt in Berlin. Er arbeitet als Autor u.a. für Melodie&Rhythmus, das Magazin Hintergrund und die Tageszeitung junge Welt.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen

1.700 Abos jetzt

Solidarität mit M&R

DIDF-Jugend unterstützt M&R

Liebe Leserinnen und Leser, Aktive und Herausgeberinnen und Herausgeber
der jungen Welt und der M&R,

ich bin Johanna aus dem SDS der HAW, der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Ich melde mich aus aktuellem Anlass zu Wort, um für die Wiederaufnahme der Melodie & Rhytmus zu sprechen.

weiterlesen
1.700 Abos jetzt
logo-373x100
Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Aktuelles

Kämpfen lohnt!
Das nächste Heft von Melodie & Rhythmus ist ab 14. Dezember am Kiosk erhältlich
17.11.2018
Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus erscheint weiter
Mit einer Crowdfunding-Kampagne schaffen Lesende, Künstler und Verlag Voraussetzungen für die nächsten Ausgaben
29.06.2018
Dein M&R-Abo fehlt!
Neuer Kurs: 1.400 Abonnenten bis zum 14. Juli!
jW, 23.06.2018
Instrument im Kampf gegen Kriege
Bereits 554 Abos für Melodie & Rhythmus – Solikonzert am 22. Juni in der Berliner Wabe
jW, 12.05.2018
Die Waffe der Kritik braucht ein Magazin … Die Waffe der Ideologiekritik braucht ein Magazin
jW, 14.04.2018
Gegen den Massenbetrug Die Waffe der Ideologiekritik braucht ein Magazin
jW, 31.03.2018
Melodie & Rhythmus retten – 1.000 Abos jetzt! jW, 31.03.2018
Sterben Musikzeitschriften aus? Krise und Umbruch
„Musikforum“, „Melodie & Rhythmus“ und die „Österreichische Musikzeitschrift“ - drei traditionsreiche Magazine werden sicher oder möglicherweise eingestellt. Sterben Musikzeitschriften aus? Und liegt die Rettung im Internet? Jan Ritterstaedt hat sich umgehört.
SWR, 22.02.2018

Auslaufmodell Gegenkultur? Zum drohenden Ende von Melodie & Rhythmus
Interview von Deutschlandfunk Kultur mit M&R-Chefredakteurin Susann Witt-Stahl
21.02.2018, mp3

Wundertäter gesucht
Wie Melodie & Rhythmus als Magazin für Gegenkultur doch noch fortgeführt werden könnte
27.01.2018

Treibstoff für große Anstrengungen
Aufgeben – das ginge gar nicht in Zeiten des aufhaltsamen Aufstiegs der AfD und anderer rechter Demagogen, meinen fast alle, denen M&R etwas bedeutet.
27.01.2018

Auf Eis gelegt
Die Produktion von Melodie & Rhythmus, Magazin für Gegenkultur, wird vorerst eingestellt. Einnahmen reichen nicht, um hohe inhaltliche Ansprüche auf Dauer zu finanzieren.
06.01.2018

Zur Ästhetik der Großen Weigerung
Warum eine Gegenkultur auf historisch-materialistischer Basis alternativlos ist
06.01.2018

Pressemitteilung:
Zeitschrift Melodie & Rhythmus vor dem Aus?, 05.01.2018
Anzeige RLK 2019
flashback

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop