Melodie & Rhythmus

Bewegte Beat-Bilder

30.12.2014 11:51

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Beat, Rock und pop lieferten in den 60ern den Soundtrack der Studentenrevolte gegen den Vietnamkrieg
Foto: Fritz Reiss (DPA)

Die 60er und der Vietnamkrieg: Als die Musik der Rebellion die Fernsehmacher kurzzeitig in die Bredouille brachte
Gerd Schumann

titelIn den 1960er-Jahren wurde das Fernsehgerät von Graetz, Grundig, Schaub Lorenz oder Nordmende zum wichtigsten Möbelstück in den guten Stuben der westdeutschen Nation. Über die Bildschirme huschte das Ausbildungsprogramm zur Förderung der Aufbaustimmung mit Samstagabend-Quiz, Sport, Spiel, Spannung und dem von früher erzählenden Nazi-Opa Luis Trenker. Die Generation der Vor-1945er schaltete ein, um abzuschalten, machte es sich in der – natürlich streng antikommunistischen – Reproduktionssphäre der ihnen anerzogenen Werte gemütlich. Während draußen auf dem Campus bereits gegen die Bombenteppiche, die B52-Flieger der US-Airforce über Vietnam ausrollten, protestiert wurde und die erste Wirtschaftskrise den kapitalistisch restaurierten Teil Deutschlands erwischte, bereiteten sich drinnen immer noch und wie gewohnt die »Ärmel-aufkrempeln«-Väter auf die Quizsendung mit »Kuli«, »Onkel Lou« oder Peter Frankenfeld vor. Salzgebäck, Coca-Cola und Kröver Nacktarsch, extra lieblich, platziert auf Gelsenkirchener Barock. Da passte der »Beat« genannte Herzschlag der Gegenwart nicht hinein. Kein Sendeplatz, nirgends.

Auftritt Donovan Leitch vor Kamera- Monstrum: Er wirkte verloren, im Schaufenster eines Autosalons am Hamburger Dammtor stehend. Schmales Hemd, um die 20, schwarzer Lockenkopf, deutlicher Unterbiss. Die Gitarre umgehängt, interpretierte er Buffy Sainte-Maries »Universal Soldier« von 1964: »But without him how would Hitler have condemned them at Dachau? / Without him Caesar would have stood alone.« Ohne den universellen Soldaten kein Krieg, kein Faschismus; nicht Caesars Feldzüge, nicht Hitlers Dachau. Und die Jungen auf der Straße vor der »Aktuellen Schaubude« – so hieß die NDR-Sendung – drückten sich die Nasen an den Scheiben platt, erregt, und die Alten saßen zu Hause vor den Bildschirmen, alarmiert: Der Auftritt eines »Protestsängers«, wie Liedermacher damals genannt wurden, im Fernsehen – was sang der da, der schräge Vogel?

Den kompletten Artikel lesen Sie in der M&R 1/2015, erhältlich ab dem 5. Januar 2015 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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