Melodie & Rhythmus

Heftiger Gegenwind von rechts

15.06.2021 14:16
Figurengruppe von Jürgen Woyski auf dem ehemaligen Gelände von Mittelbau-Dora Fotos (Collage): DPA / Martin Schutt, Swen Pförtne

Figurengruppe von Jürgen Woyski auf dem ehemaligen Gelände von Mittelbau-Dora
Fotos (Collage): DPA / Martin Schutt, Swen Pförtne

Ein geschichtspolitischer Paradigmenwechsel und Wohlfühlkitsch gehören zu den wachsenden Herausforderungen für eine aufklärerische Kultur der Erinnerung an die Nazizeit

Interview: Jörg Werner

Jens-Christian Wagner ist seit Oktober 2020 neuer Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Von 2001 bis 2014 war er Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen. M&R sprach mit dem Historiker über regressive Tendenzen in der Erinnerungspolitik, Entlastungsdiskurse und die Notwendigkeit der Erneuerung der Gedenkkultur.

Herr Wagner, was hatten Sie sich vorgenommen, als Sie die Leitung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora übernommen haben?

Ich kannte die Stiftung ja schon vorher. Mein Ziel ist es, im Sinne eines reflexiven Geschichtsbewusstseins stärker in die Gesellschaft hineinzuwirken. Der Wind, der uns von rechts entgegenweht, ist heftiger geworden, wir müssen von einem geschichtspolitischen Paradigmenwechsel sprechen. Dem wollen wir als Gedenkstätte eine ethisch fundierte und wissenschaftlich begründete Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus entgegenhalten.

In diesem Kontext plädieren Sie auch für eine Erneuerung der Erinnerungskultur?

Das fängt ja schon mit der Aufforderung an: »Bitte erinnert euch!« Wir wollen weg von diesen appellativen Strukturen. Wir wollen hin zu einer wirklichen Durchdringung der Geschichte. Deshalb hat unser neues, jährlich erscheinendes Magazin ja auch den Titel »Reflexionen« und nicht etwa »Erinnert euch!«

Spricht aber nicht gerade eine zunehmende Banalisierung von Gedenken dafür, dass ein grundsätzliches Bedürfnis danach zu bestehen scheint?

Menschen brauchen Rituale, und diese können ganz offensichtlich dazu beitragen, Trauer zu verarbeiten – oder vielleicht auch eine gewisse Überforderung. …

Das komplette Interview erscheint in der Melodie & Rhythmus 3/2021, erhältlich ab dem 18. Juni 2021 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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