Melodie & Rhythmus

Humor des Nonkonformismus

30.08.2016 14:56
Foto: Orit Arnon

Foto: Orit Arnon

titel

Die Jewish Monkeys aus Tel Aviv verbinden Satire mit jiddischem Liedgut

Interview: Fabian Schwinger

Roni Boiko und Jossi Reich lernten sich in den 1970ern als Jugendliche im Frankfurter Synagogenchor kennen. Vor 18 Jahren wanderten sie eher zufällig gemeinsam nach Israel aus. Dort entstand aus Hobby-Jamsessions mit Gael Zaidner das Gesangstrio Jewish Monkeys. Seit 2014 sind sie zu einer achtköpfigen Klezmer-Balkankapelle angewachsen. M&R bat Jossi Reich zum Gespräch.

In der Musik der Jewish Monkeys schimmert die Tradition Ihrer Vorfahren durch. Worauf nehmen Sie konkret Bezug?

Roni und ich kommen aus osteuropäischen jüdischen Familien und sind stark beeinflusst von aschkenasisch-jiddischer Klezmer-Musik. Beispielsweise haben wir ein altes jiddisches Sauflied über die rumänischen Juden in unserem Repertoire. Oder wir benutzen eine Melodie der Lubawitsch, einer chassidischen Bewegung aus dem späten 18. Jahrhundert, die das Feiern des Lebens trotz Leid und Verfolgung propagiert. Uns hat aber auch der US-amerikanische Klezmer der 1920er-, 30er-Jahre stark geprägt.

Die selbst geschriebenen Texte zeichnen sich durch tiefschwarzen Humor aus. Können Sie den näher beschreiben?

Wir stehen in der Tradition jüdischen Humors – der Humor der Unterdrückung, der Selbstverarschung, des Leidens, des Nonkonformismus. Zu unseren Vorbildern zählen die Marx Brothers und Woody Allen. Gerade intellektuelle Deutsche mögen die Art jüdischen Humors: dass Leute sich trauen, politisch so unkorrekt zu sein und sich selber als Juden zu verarschen. In dem Moment, wo Kehraus gemacht wurde im brutalsten Holocaust-Sinne, ist Deutschland auch sehr viel Humor verloren gegangen.

Und wie kommt Ihre Musik in Israel an?

Wenn wir sagen, wir machen aschkenasische Musik, löst das bis heute so ein bisschen Unbehagen aus. Die jiddische Kultur wird dort oft noch als etwas Fremdes wahrgenommen und war über Jahrzehnte hinweg teilweise verpönt. …

Das komplette Interview lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 5/2016, erhältlich ab dem 2. September 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen



In eigener Sache

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

TOP 10: OKTOBER 2022

Liederbestenliste

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 5% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop
logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt abonnieren

Jetzt abonnieren
flashback