Melodie & Rhythmus

Festhalten an vergeblicher Hoffnung

30.08.2016 14:17
Foto: Stroop Report - Aufstand Warschauer Ghetto

Foto: Stroop Report – Aufstand Warschauer Ghetto

»Sog nit kejnmol«
(Sage nie, du gehst den allerletzten Weg)

Wenn es ein Lied gibt, das den Rang des Holocaust-Liedes par excellence beanspruchen darf, ist es ohne Zweifel »Sog nit kejnmol«. Sein auf Jiddisch verfasster Text wurde im Jahre 1943 von Hirsch Glick im Vilnaer Ghetto geschrieben, inspiriert von den Nachrichten über den jüdischen Ghettoaufstand in Warschau. Als musikalische Vorlage diente Hirsch die Melodie eines von Dmitri und Daniel Pokrass zu Worten von Aleksey Surkow komponierten sowjetischen Liedes, für einen 1937 uraufgeführten Film. Sie ist im Marschrhythmus geschrieben und erfährt durch die Punktierung der hauptbetonten Noten und steigende Sequenzen eine antreibende Dynamik.

Hirschs Lied fand eine breite Aufnahme unter den unterschiedlichen jüdischen Partisanengruppen und avancierte recht bald zu deren den heroischen jüdischen Widerstand gegen die Naziverfolgung glorifizierenden Hymne. Berühmt geworden sind die Zeilen der ersten Strophe des Liedes:

Sage nie, du gehst den allerletzten Weg,
Wenn Gewitter auch das Blau vom Himmel fegt.
Die ersehnte Stunde kommt, sie ist schon nah,
Dröhnen werden unsre Schritte, wir sind da!

Moshe Zuckermann AnalyseMoshe Zuckermann ist Kunsttheoretiker und lehrt an der Universität Tel Aviv (u. a. Kritische Theorie). Er hat diverse Bücher und Aufsätze über Kunstautonomie und zur Kulturindustriethese von Theodor W. Adorno veröffentlicht. Darunter »Kunst und Publikum. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner gesellschaftlichen Hintergehbarkeit«. In den 1970er-Jahren war er als Komponist und Arrangeur tätig. Foto: Arne List

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 5/2016, erhältlich ab dem 2. September 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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