Melodie & Rhythmus

Antisemitismus als lächerliche Absurdität

15.06.2021 14:30
Annemarie Hase Illustration: Picture Alliance / Ullsteinbild

Annemarie Hase
Illustration: Picture Alliance / Ullsteinbild

»An allem sind die Juden schuld«
Friedrich Hollaender

Das Couplet »An allem sind die Juden schuld«, das vor 90 Jahren im Berliner Tingel-Tangel-Theater in einer Interpretation der Kabarettistin Annemarie Hase in einer Revue uraufgeführt wurde, ist bemerkenswert. Der Komponist Friedrich Hollaender griff damit nicht nur den im damaligen Deutschland grassierenden Antisemitismus scharf und sarkastisch an, sondern das Lied erschien auch zu einem für derlei öffentliche Polemiken höchst prekären Zeitpunkt: Rund eineinhalb Jahre später gelangte Hitler an die Macht. Was den Nazis zur Quintessenz ihrer Ideologie gerinnen sollte – Judenhass und -verfolgung –, wird in diesem Stück lächerlich gemacht und ad absurdum geführt.

In den vier jeweils achtzeiligen Strophen des Couplets wird alles nur Erdenkliche aufgelistet, an dem die Juden schuld sein sollen. Dabei werden nicht nur die Wetterlage (»Ob es regnet, ob es hagelt/ Ob es schneit oder ob es blitzt«) oder unumstößliche Tatsachen (»Dass der Schnee so furchtbar weiß ist/ Und dazu, was sagt man, kalt/ Dass dagegen Feuer heiß ist/ Und dass Bäume steh’n im Wald«), sondern auch in den Medien über Prominente verbreiteter Nonsens (»Ob die Garbo ’n hohlen Zahn hat«) zum Anlass der Schuldzuweisung genommen. …

Moshe Zuckermann lehrte an der Universität Tel Aviv unter anderem Kritische Theorie. Er hat diverse kunsttheoretische Bücher und Aufsätze veröffentlicht, darunter »Kunst und Publikum. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner gesellschaftlichen Hintergehbarkeit«. In den 1970er-Jahren war er als Komponist und Arrangeur tätig.

Der komplette Beitrag erscheint in der Melodie & Rhythmus 3/2021, erhältlich ab dem 18. Juni 2021 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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