Melodie & Rhythmus

»Ich schnorre nicht, aber ich stinke!«

25.04.2012 12:30

Donots
Jan-Dirk Poggemann, Alex Siedenbiedel, Ingo Knollmann, Eike Herwig, Guido Knollmann (v.l.n.r.)

Die Donots über Uffta-Punk, Stadionrock, Körperhygiene und die Vorzüge einer Kleinstadt
Interview: Jenni Zylka, Foto: Santiago Flores

Ihr kommt aus Ibbenbüren, zwischen Osnabrück und Münster, am Teutoburger Wald. Kennt ihr aus der Schule noch »Als die Römer frech geworden«, das tausendstrophige Lied über die Varus-Schlacht?
Alle: Nee …
Ingo: Das Lied war nicht Unterrichtsbestandteil. Aber ich war mit der Schulklasse ein paar Mal am Hermannsdenkmal.
Guido: Da war ich auch!

Und in der Großstadt Osnabrück wart ihr diejenigen mit dem ST-Kennzeichen, die an der Kreuzung nicht wussten, wohin, oder?
Ingo: Na immerhin sind wir keine Niedersachsen, sondern Westfalen.

Wart ihr als Teenies Punks?
Jan-Dirk: Ich nicht.
Alex: Mit 14 bin ich mit ‚nem Bravo-Foto von Vanilla Ice zum Friseur gegangen. Der musste mir dann die Haare so schick anrasieren.
Alle: Iiiiih!
Ingo: Ich war erst klassischer Metaller, davon gibt es ja in der Gegend viel. Später hab ich das Booking in der »Scheune« in Ibbenbüren gemacht und bin dann auch punksozialisiert worden.
Guido: Weil Ingo mein älterer Bruder ist, hab ich auch die Platten gehört, die er hatte. Hab die ganze Pop-Phase übersprungen, mit elf Jahren ging es gleich mit AC/DC los, und mit Sodom – das fand ich zwar eigentlich scheiße, hab’s aber trotzdem gehört, bis ich’s gut fand. Und mit 13, 14 ging es richtig mit Punkrock los.

Habt ihr auch in der Osnabrücker Fußgängerzone geschnorrt?
Guido: Nee, wir sind ja Mittelklassejungs.
Alex: Aber Guido ist trotzdem die Assel der Band.
Guido: Ich schnorre nicht, aber ich stinke!

Einer muss ja stinken. Wie fing das denn mit euch an?
Guido: Wir haben alle damals in verschiedenen Bands gespielt, immer gewechselt. Und es gab ein Jugendkulturhaus, in dem man proben konnte, das war cool.
Ingo: Bei mir ging das so mit 14 richtig los. Wir haben angefangen zu proben, Instrumente zu lernen. Und kurze Zeit später hab ich eben das Booking in diesem Laden übernommen, darum haben wir so viel gespielt! Außerdem hab ich mich damals tatsächlich zu Hause mit dem Stadtmagazin hingesetzt, hab geguckt, welche Bands auf Tour sind. Und dann – es gab ja noch keine E-Mails! – hab ich ihnen Faxe geschrieben: Wie sieht’s aus, können wir vielleicht bei euch als Vorband spielen?

Und die jeweiligen Managements fanden das gut?
Jan-Dirk: Er hat oft irgendwelchen Kram dazugemalt, oder Quatsch geschrieben. Im »Ostbunker« in Osnabrück hängt noch ein eingerahmtes Fax von Ingo, darauf hat er behauptet, wir würden uns alle »Ostbunker« auf den Pimmel tätowieren lassen, wenn wir dort auftreten dürften. Kurze Zeit später kam ein Anruf: Lasst mal den Pimmel drin, aber ihr dürft hier spielen!
Guido: Das war so um 1995 herum. Ingos Motto war immer: Einfach machen, Initiative ergreifen, die Leute anschreiben. Und so kam es zu relativ vielen Konzerten, auch mit vielen Ami-Punkbands. Und die ersten beiden Platten haben wir in Eigenregie herausgebracht.

Habt ihr schlechte Erfahrungen mit Labels gemacht?
Ingo: Wir waren sieben Jahre bei Gun Records und haben uns 2004 rausgeklagt. Wir haben uns nicht mehr verstanden gefühlt. Zu der Zeit ging ja auch das große Labelsterben los. In den darauffolgenden drei oder vier Jahren konnten und wollten wir nicht wirklich etwas machen, weil auch die ganze Anwalts- und Rechtesache nicht geklärt war.

Das komplette Interview lesen Sie in der Melodie&Rhythmus 3/2012, erhältlich ab dem 27. April 2012 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch hier bestellen.

M&R präsentiert die »WakeThe Dogs«-Tour 2012
11.05.12 Hamburg Grosse Freiheit 36
12.05.12 Köln E-Werk
02.10.12 Bremen Schlachthof
04.10.12 Erfurt HsD
05.10.12 München Backstage
06.10.12 Lindau Club Vaudeville
11.10.12 (CH) Zürich Härterei
12.10.12 Karlsruhe Substage
13.10.12 Stuttgart LKA Longhorn
17.10.12 Hannover Capitol
18.10.12 Magdeburg Factory
19.10.12 Dresden Reithalle
20.10.12 Berlin Astra
25.10.12 Kassel Musiktheater
26.10.12 Würzburg Posthalle
27.10.12 Rostock MAU

Verlosung von Freikarten:
Vom 18.-29.06.2012 verlosen wir 10 x 2 Freikarten für die »Wake The Dogs«-Tour. Weiter Infos.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen



In eigener Sache

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

TOP 10: OKTOBER 2022

Liederbestenliste

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 5% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop

Verkaufsstelle finden

Kiosk finden
logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt abonnieren

Jetzt abonnieren
flashback