Melodie & Rhythmus

Angst um sich selbst, Trauer um andere

28.10.2014 14:41

Ernst Bloch
titelErnst Bloch
Foto: Assmann

Wie verarbeitet die Popmusik Tatsachen des Todes?
Felix Eckert

Wir alle werden sterben. Dieser scheinbar banale Satz ist viel leichter hingeschrieben als für wahr gehalten. In unseren ersten Erfahrungen mit dem Tod – etwa wenn die Großeltern sterben – trauern wir oft nicht nur um eine geliebte Person. Wir werden uns auch bewusst, dass wir selbst einen Anfang und ein Ende haben in einer Zeit, die auch ohne uns weitergehen wird. »Die Uhr schlägt, wieder eine Stunde näher zum Grab«, schreibt der Philosoph Ernst Bloch, der sich fragt, wie die »letzte Angst« verdrängt werde. »Die Menschen waren niemals neugierig, ihre immer weniger werdenden Jahre zu zählen, doch was bürgerlich nur in den Tag hinein lebt, wird unter anderem dazu ermuntert, überhaupt nicht ans Ende zu sehen. So staut sich alles auf einen rotbäckigen Anfang zurück, und ist er nicht mehr da, so wird falsche Jugend angeschminkt. Das Sterben wird weggeschoben, nicht als ob man so gerne lebte, aber auch nicht, als ob man irgendwo gern in ein Kommendes sähe […]«

Wie geht die Popmusik mit den Tatsachen des Todes und drohender Verluste um? Sie hat verschiedene Formen dafür entwickelt, allen voran die lustvolle Leugnung der Sterblichkeit. Die Liebe soll angeblich ein Gegenmittel sein: »Nur bei dir fühl’ ich mich unsterblich«, singen Luxuslärm. Dasselbe behaupten die Toten Hosen in dem Song »Unsterblich«: »Mit dir hab ich dieses Gefühl / Dass wir heut’ Nacht unsterblich sind.« Eine Variante davon sind Lieder, in denen der Tod vorkommt, ihm aber getrotzt werden soll. »Maybe I just wanna fly / Wanna live I don’t wanna die […] / You and I are gonna live forever«, versichern Oasis (»Live Forever«). Die Fantasie eigener Ewigkeit kann Spaß machen und die Lebenslust steigern, sofern sie nicht zur Ideologie verkommt, die

Den kompletten Artikel lesen Sie in der M&R 6/2014, erhältlich ab dem 31. Oktober 2014 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen

Ältere M&R-Newsletter

M&R-Newsletter 3/2026

Blutgemeinschaft

M&R-Newsletter 2/2026

Eine Klasse für sich

M&R-Newsletter 1/2026

Der Fährmann

M&R-Newsletter 4/2025

Zerstörung der Menschlichkeit

M&R-Newsletter 3/2025

In der Spaßblase

M&R-Newsletter 2/2025

Rettung der Vergangenheit

M&R-Newsletter 1/2025

Eiserne Staatsräson

Berechtigte Mahnungen

M&R-Newsletter 4/2024

Triumph der Reaktion

M&R-Newsletter 3/2024

Repressives Dogma

M&R-Newsletter 2/2024

»Eine neue Flamme«

M&R-Newsletter 1/2024

Verordneter Philosemitismus

M&R-Newsletter 4/2023

Wiederschlechtmachung

M&R-Newsletter 3/2023

Ideologische Supermacht
»Komm auf die dunkle Seite!«

M&R-Newsletter 2/2023

Kriegsstifter und Friedenshetzer
Lachend in den dritten Weltkrieg?

M&R-Newsletter 1/2023

Sag mir wo die Blumen sind
Nie wieder Frieden

Aus dem M&R-Archiv

Auf Ostfrontlinie gebracht
Nationalistische Parolen, Geschichtsklitterung, Hassexzesse, sogar Begeisterung für den totalen Krieg – einer wachsenden Zahl von Künstlern und Intellektuellen ist offenbar jedes Mittel recht, um sich der neuen Volksgemeinschaft gegen Russland anzudienen. weiterlesen

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss
flashback