Melodie & Rhythmus

»Lieder, die wie Wunden bluten«

28.10.2014 14:38

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titelFoto: Thomas Pete/Reuters

Gothic: Der schwarze Spiegel der Verhältnisse
Matthias Rude

Ende der 1970er-Jahre stieg inmitten der Trostlosigkeit des industriellen Englands unter Thatcher aus der Asche des Punk ein dunkler Phönix empor. Durch den Blätterwald der Musikpresse raunten bald Bezeichnungen, mit denen versucht wurde, die elegische Stimmung seines Gesangs einzufangen, wie »Dark Wave« oder »Gothic«. Den Anfang machten Bands wie Bauhaus, The Cure und Joy Division. Die bedrückende Atmosphäre des ersten Bauhaus-Albums führte Sänger Peter Murphy, der damals in einer Druckerei im tristen Northampton arbeitete, direkt auf seine Umgebung zurück: »›In the Flat Field‹ handelt davon, in dieser gottlosen flachen Landschaft zu leben, in diesem linearen, sich nirgendwo erhebenden Bewusstsein, das tatsächlich das Ergebnis dessen zu sein scheint, was Nietzsche prophezeit hatte: der Tod Gottes.«

Das Debütalbum von Joy Division, »Unknown Pleasures« (1979), nannte das Magazin Sounds die letzte Platte, die man vor seinem Selbstmord auflegen würde. Das Release des zweiten und letzten Studioalbums seiner Band, »Closer« (1980), erlebte Sänger Ian Curtis nicht: Er hatte sich erhängt– während sich auf seinem Plattenteller »The Idiot« (1977) von Iggy Pop drehte, jenes Album, das im geteilten Berlin von David Bowie arrangiert wurde – zu einer Zeit, als der Ost-West-Konflikt jederzeit zu einem Atomkrieg hätte eskalieren können. Beide Künstler gelten als Quellen der Inspiration für den neuen Stil, der die resignative Seite des Punk zum Exzess und mitunter ins Kitschige trieb. »We’re a blank generation, in the danger zone«, heißt es in »Ignore the Machine« (1983), der ersten Single der Batcave-Band Alien Sex Fiend. »I’m living in the eighties / I have to push, I have to struggle«, sangen Killing Joke. Dem Londoner Batcave-Club, der Künstler wie Marc Almond und Nick Cave hervorbrachte, war es zu verdanken, dass die Subkultur, die sich um die Düster- Rock-Bands bildete, schon nach kurzer Zeit etabliert war.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der M&R 6/2014, erhältlich ab dem 31. Oktober 2014 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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