Melodie & Rhythmus

MELODIÖS & RHYTHMISCH GEGEN NAZIS

29.12.2010 18:54

Die Massenblockaden gegen den alljährlichen Nazi-Aufmarsch in Dresden werden 2011 von zahlreichen Bands und Musikern unterstützt

13. Februar 2009. Wie jedes Jahr hat die extreme Rechte am Jahrestag der Bombardierung Dresdens zu einem Großaufmarsch mobilisiert. 4.000 Antifaschisten werden von der Polizei auf der Neustädter Seite der Stadt eingekesselt. Ein bürgerliches Bündnis »zeigt Gesicht« und »stellt sich entgegen« – dummerweise dort, wo gar keine Nazis laufen. Dresden gehört an diesem Tag den braunen Horden. Durch die Altstadt marschieren ungehindert bis zu 6.000 Neofaschisten.

Dieses Desaster von 2009 kam einem heilsamen Schock gleich und führte zu einer energischen, bundesweiten Anstrengung, diesen größten europäischen Nazi-Aufmarsch im nächsten Jahr endlich zu verhindern. Tatsächlich gelang im Februar 2010 mehr als 10.000 ziemlich unterschiedlichen Menschen die spektakuläre Totalblockade. Die Nazis mussten nach stundenlangem Warten am Bahnhof Dresden-Neustadt unverrichteter Dinge wieder abziehen. Die von Teilen der Presse heraufbeschworenen, bürgerkriegsartigen Zustände fielen aus. Die Blockierenden agierten friedlich, aber mutig und entschlossen. Dieser Blockadesieg 2010 wurde von einer recht überschaubaren Zahl von Künstlern unterstützt. Die Blockade am Albertplatz wurde von Konstantin Wecker, Prinz Chaos II. und Jochen Distelmeyer bespielt. Die Toten Hosen unterstützten den Bündnis-Aufruf, KIZ steuerte ein Mobilisierungsvideo bei. Ansonsten: vornehme Zurückhaltung.

Dass dies 2011 anders aussehen könnte, zeichnete sich früh ab. Neben Wecker und den Hosen gehören nun Fettes Brot, Tocotronic, die Beatpoeten, Heaven Shall Burn, Kettcar, a forest, Feine Sahne Fischfilet und Dritte Wahl zu den Erstunterzeichnern des Blockadeaufrufs. Auch Annamateur, der Kabarettist Wilfried Schmickler und Marcus Kavka stehen unter einem Aufruf, der explizit das Mittel der Massenblockade befürwortet. Für die Blockaden im Februar 2011 ist geplant, durch mobile Soundsystems und mindestens eine feste Bühne eine wesentlich stärkere Einbindung von Künstlern zu ermöglichen. Gleichzeitig hat das Samba-Netzwerk »Rhythm of Resistance« angekündigt, bis zu 100 Sambatistas nach Dresden zu bringen. Die Samba- Truppen sollen in dem strategischen Konzept der Blockaden eine tragende Rolle spielen.

Übrigens hat sich auch die Redaktion dieser Zeitschrift auf die Unterstützerliste eingetragen. Einige von uns werden bei den Blockaden vor Ort sein. Und wir hoffen, dann auch zahlreiche unserer Leserinnen und Leser zu treffen. Denn Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen – und nicht zuletzt eben auch ein Kulturverbrechen.
Donna San Floriante

www.dresden-nazifrei.com

Nazis blockieren

Anzeigen

TOP 10: Dezember 2024

Liederbestenliste

Ältere M&R-Newsletter

M&R-Newsletter 2/2026

Eine Klasse für sich

M&R-Newsletter 1/2026

Der Fährmann

M&R-Newsletter 4/2025

Zerstörung der Menschlichkeit

M&R-Newsletter 3/2025

In der Spaßblase

M&R-Newsletter 2/2025

Rettung der Vergangenheit

M&R-Newsletter 1/2025

Eiserne Staatsräson

Berechtigte Mahnungen

M&R-Newsletter 4/2024

Triumph der Reaktion

M&R-Newsletter 3/2024

Repressives Dogma

M&R-Newsletter 2/2024

»Eine neue Flamme«

M&R-Newsletter 1/2024

Verordneter Philosemitismus

M&R-Newsletter 4/2023

Wiederschlechtmachung

M&R-Newsletter 3/2023

Ideologische Supermacht
»Komm auf die dunkle Seite!«

M&R-Newsletter 2/2023

Kriegsstifter und Friedenshetzer
Lachend in den dritten Weltkrieg?

M&R-Newsletter 1/2023

Sag mir wo die Blumen sind
Nie wieder Frieden

Aus dem M&R-Archiv

Auf Ostfrontlinie gebracht
Nationalistische Parolen, Geschichtsklitterung, Hassexzesse, sogar Begeisterung für den totalen Krieg – einer wachsenden Zahl von Künstlern und Intellektuellen ist offenbar jedes Mittel recht, um sich der neuen Volksgemeinschaft gegen Russland anzudienen. weiterlesen

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Rudolstadtfestival 2023: Viva Cuba

Fotos von Katja Koschmieder und Jens Schulze weiterlesen

In eigener Sache

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

junge Welt abonnieren

flashback