Junge Chinesen erschließen neue (Rück-)Wege zum Sozialismus fernab der Lehrbücher
Maik Rudolph & Bastian Tebarth
Eine jüngst durchgeführte Onlineumfrage der Internetplattform Zhihu, wer die bedeutendste Persönlichkeit in der Geschichte Chinas sei, fiel eindeutig aus: Überwältigende 95 Prozent der Teilnehmer nannten den kommunistischen Revolutionär und Mitgründer der Volksrepublik China Mao Zedong. Auch wenn diese Erhebung keine repräsentative Qualität hat, deutet ihr Ergebnis (Zhihu ist mit über 220 Millionen Mitgliedern immerhin eines der größten Frage-Antwort-Foren des Landes) auf die große Popularität hin, die Mao wieder erfährt. Für aufmerksame Beobachter – von der Führung der KP Chinas, die seit geraumer Zeit an einem kulturellen Revival kommunistischer Klassiker arbeitet, bis hin zu den neoliberalen Leitmedien des Westens, die derartige Entwicklungen traditionell mit ätzenden Kommentaren begleiten – ist dies keine Überraschung. Im Jahr 2016 vermeldete etwa die Financial Times, dass Maos Beliebtheitswerte gestiegen seien; gäbe es freie Wahlen, so spekulierte das Wirtschaftsblatt, hätte ein neomaoistischer Kandidat beste Chancen. Das Sprachrohr der Londoner City interpretierte, wenig überraschend, diese Entwicklung mit einem Beitrag des marktradikalen Ökonomen Mao Yushi nur als Ausdruck einer populistischen Stimmung, die vor allem unter denen herrsche, die vom Wirtschaftsboom abgehängt seien. In dem Artikel wurden sogar Vergleiche mit dem rechten Populismus von Donald Trump und der Brexit-Bewegung gezogen. Dass es aber gerade junge Chinesen aus der in den vergangenen zwei Jahrzehnten immens gewachsenen Mittelschicht sind, die an marxistischer Weltanschauung interessiert sind, wird in dem Artikel nur am Rande erwähnt. …
Der komplette Beitrag erscheint in der Melodie & Rhythmus 2/2021, erhältlich ab dem 19. März 2021 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.