Melodie & Rhythmus

»Eine Art Schizophrenie«

31.12.2013 13:41

Thomas D

Thomas D über Tommy Blank, Hip-Hop und die Tücken des Show-Geschäfts
Interview: Agnieszka Debska, Fotos: Monique Wüstenhagen

Erzähl uns von Tommy. Wie ist die Idee entstanden?
Tommy ist scheinbar ewig schon da gewesen. Auf Backstage-Parties, Aftershow-Konzerten – und er war da immer der eigentliche Star. Er war ja ein Straßenprediger, Rap-Philosoph, Poet, die Wahrheit suchend vor allem. In jedem Gespräch hat er unausweichlich den Schnickschnack weggelassen und gefragt: Warum reden wir miteinander? Was ist die Essenz von unserem Treffen, jetzt und hier? Was ist dein Auftrag – warum bist du hier? Das war eine sehr faszinierende, einnehmende Persönlichkeit. Und dann kam die Zeit, in der ich dachte, diese Texte, die müssen bewahrt werden, das muss man hören, das müssen die Leute draußen mitkriegen. Dann habe ich ihn überredet, eine Platte mit mir zusammen zu machen. Eines Tages, kurz vor der finalen Vocal Session war er weg. Ein paar Wochen später hat man an der russisch- polnischen Grenze sein Wohnmobil gefunden, wir haben jetzt nichts mehr von ihm außer dem Nachlass, seinen Texten, seiner Philosophie.

Ein moderner Faust – auf der Suche nach der Wahrheit, der sich aber auf keinen Pakt einlassen will?
Genau, er entzieht sich eigentlich dem hauptsächlichen Move, dem hat er sich ja bis zum Ende entzogen. Schon vielleicht durch diese kompromisslose Wahrheitssuche, dieses überhaupt sehr kompromisslose Dasein. Das kannst du nur machen, wenn du allein bist, glaube ich, wenn du auf nichts Wert legst, außer auf den Moment, in dem du dich gerade befindest. Er war ein sehr Getriebener, würde ich sagen, und sicher für manche vielleicht schon nah am Wahnsinn.

Es sind ja nicht alles seine Texte. Es sind auch Texte über ihn.
Richtig. Ich singe quasi alles, aber teilweise in seinem Namen und teilweise in meinem. Die meisten Dinge, die über ihn gesagt werden, hab ich geschrieben, und dann gibt es die heftigeren Stücke, das sind so Sachen, die würde Thomas D auch nie sagen, »Hurensöhne« oder »Erfolg is a Bitch« und »Ihr könnt mich mal«, das ist dann natürlich Tommy. Es ist eine Platte für Erwachsene.

Wer hat das Album produziert?
Hauptsächlich Farhot, ein grandioser Produzent aus Hamburg, der hat auch schon Einiges für die Fantas gemacht. Auf ihn bin ich aufmerksam geworden durch diese krassen Hip-Hop-Sachen. Zwei Stücke sind von Michael »Mitch« Dörfler: »Brüder« mit Herbert Grönemeyer, und »Sirenen«, die erste Auskopplung. Der Michi ist schon sehr poporientiert, obwohl er es auch schon gut raushaut, aber du merkst, dass der Farhot einfach woanders herkommt.

Der Aufbau der meisten Songs ist relativ klassisch – gerappte Strophe und weiblicher Gesang im Refrain.
Stimmt, das ist jetzt nichts Besonderes. Obwohl, bei den Fantas passiert so was nicht.

Die Platte, wie sie jetzt geworden ist: Ist es Tommys Hip-Hop oder deiner?
Das ist schon meine Richtung, ich gehe da schon sehr darin auf, auf jeden Fall. Aber jede meiner Solo-Platten ist ja immer sehr anders gewesen. Obwohl ich diese Art von Musik sehr gern hab, wird es jetzt trotzdem keine Richtung, die dann auch weiter geführt wird, das habe ich ausgelebt mit diesem Album.

Wolltest du von vorneherein ein Konzept-Album machen? Man hat das Gefühl, du magst es so ganzheitlich.
Ja, ich mag das. Das Problem ist natürlich, dass ich jetzt schon einige Platten gemacht habe, und die Themen werden nicht mehr. Ich bin froh, wenn es etwas gibt, das mich so bewegt, dass ich darüber schreiben will, aber das ist selten der Fall. Und dann gibt es die Themen, die bewegen dich und dann denkst du: Ja gut, habe ich schon gemacht. Ich will mich ja nicht wiederholen.

Das komplette Interview mit Thomas D lesen Sie in der Melodie&Rhythmus 1/2014, erhältlich ab dem 3. Januar 2014 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Lesen Sie auch:

Thomas D: »So was würde Thomas D niemals sagen«, M&R 1/2014

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