Melodie & Rhythmus

Schöner wohnen im Sozialbau

23.06.2020 14:16
Die Wohnanlage »Park Hill« in Sheffield,  Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/ file:park_hill_facade.jpg

Die Wohnanlage »Park Hill« in Sheffield,
Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/ file:park_hill_facade.jpg

Ehemalige Arbeiterquartiere als »Juwelen« der Architekturmoderne für die Zielgruppe »Kulturelite«

Owen Hatherley

Architekt ist ein Eliteberuf. Der Ausbildungsweg, den man absolvieren muss, um ihn ergreifen zu können, ist fast so lang und mühsam wie der eines Arztes. Ähnlich wie Mediziner und andere Wissenschaftler – aber im Gegensatz zu Künstlern – neigen Architekten entsprechend dazu, diejenigen, die nicht in diesem Beruf ausgebildet sind, als »Laien« zu bezeichnen. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden allerdings die meisten Architekten in Großbritannien mit dem Entwurf von Wohnungen für die Arbeiterklasse, also vor allem für eine nichtelitäre Gruppe, beauftragt. Diese Architektur des sozialen Wohnungsbaus hatte viele Jahre lang keinen guten Ruf. Wer sich dafür begeisterte, wurde meist gefragt: »Wenn du sie so toll findest, warum lebst du dann nicht selbst in einem Sozialbau?« Ein Mythos, der sich besonders hartnäckig hielt, war, dass sich die Architekten der Moderne selbst geweigert hätten, in den von ihnen entworfenen Gebäuden zu leben. Vielmehr hätten sie, so das Vorurteil weiter, lieber in restaurierten georgianischen Reihenhäusern aus dem 18. Jahrhundert residiert. Diese Architekten gab und gibt es wirklich: Vertreter des Neuen Brutalismus etwa wie Alison und Peter Smithson oder der postmoderne Baumeister James Stirling, doch das wiedererwachte Interesse an der Moderne der Baukunst offenbart ein anderes Bild.

In dem Dokumentarfilm »Utopia London« von Tom Cordell aus dem Jahr 2010 werden beispielsweise Architekten porträtiert, die in den 1950er und 60er-Jahren für die Londoner Stadtverwaltung gearbeitet hatten und den Mythos des doppelten Standards widerlegten: Die meisten von ihnen wohnten tatsächlich in den von ihnen gebauten Häusern. Ein ganz anderes Argument gegen die vermeintlich andauernde Abwertung des sozialen Wohnungsbaus in der öffentlichen Wahrnehmung lässt sich indes aus zwei Büchern von Stefi Orazi ableiten. …

Übersetzung: Bastian Tebarth / Susann Witt-Stahl

Der komplette Beitrag erscheint in der Melodie & Rhythmus 2/2020, erhältlich ab dem 26. Juni 2020 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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