Melodie & Rhythmus

Flucht vor dem kalkulierbaren Glück

23.06.2015 14:53
Die selbstentfremdeten Bürger der »Big Republic« versuchen, tabuisierte Körperlichkeit mit exzessivem Fleischgenuss zu kompensieren Foto: Luzie Marquardt

Die selbstentfremdeten Bürger der »Big Republic« versuchen, tabuisierte Körperlichkeit mit exzessivem Fleischgenuss zu kompensieren
Foto: Luzie Marquardt

Das Stuttgarter Theater Rampe transferiert Motive aus Jewgeni Samjatins Roman »Wir« ins Medienzeitalter

Christoph Kutzer

Theater machen ist für Marie Bues und Martina Grohmann im Idealfall ein kollektiver Prozess. Als die beiden 2013 als Intendantinnen nach Stuttgart kamen, verfolgten sie nach dem an Brecht angelehnten Motto »Kuhle Rampe« die Vision, eine utopische Gemeinschaft aus Künstlern, Wissenschaftlern und Bürgern unter dem Dach der Spielstätte anzusiedeln. 2015 liefert »Big Republic« nun den dialektischen Gegenentwurf: Das frei auf Jewgeni Samjatins dystopischem Roman »Wir« aus dem Jahre 1920 basierende Stück zeigt die Abgründe einer entindividualisierten Gemeinschaft im Einheitsstaat.

Samjatin war nicht nur ein engagierter Bolschewik, der die Meuterei auf dem Linienschiff »Potjomkin« 1905 mitorganisiert und sich an Februar- und Oktoberrevolution beteiligt hatte, er war auch ein hellsichtiger Autor. »Wir« thematisierte das Szenario eines seelenlosen Staates so überzeugend, dass Samjatin umgehend Schreibverbot erhielt. In der Sowjetunion erschien sein Werk erst 1988. »Big Republic« zeigt, dass die Ideen des gelernten Schiffbauingenieurs sogar weitreichend genug sind, um noch die Tücken unserer Zeit zwischen Medienmechanismen und kapitalistischem Glücksimperativ zu spiegeln.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 4/2015, erhältlich ab dem 26. Juni 2015 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen

Ältere M&R-Newsletter

M&R-Newsletter 3/2026

Blutgemeinschaft

M&R-Newsletter 2/2026

Eine Klasse für sich

M&R-Newsletter 1/2026

Der Fährmann

M&R-Newsletter 4/2025

Zerstörung der Menschlichkeit

M&R-Newsletter 3/2025

In der Spaßblase

M&R-Newsletter 2/2025

Rettung der Vergangenheit

M&R-Newsletter 1/2025

Eiserne Staatsräson

Berechtigte Mahnungen

M&R-Newsletter 4/2024

Triumph der Reaktion

M&R-Newsletter 3/2024

Repressives Dogma

M&R-Newsletter 2/2024

»Eine neue Flamme«

M&R-Newsletter 1/2024

Verordneter Philosemitismus

M&R-Newsletter 4/2023

Wiederschlechtmachung

M&R-Newsletter 3/2023

Ideologische Supermacht
»Komm auf die dunkle Seite!«

M&R-Newsletter 2/2023

Kriegsstifter und Friedenshetzer
Lachend in den dritten Weltkrieg?

M&R-Newsletter 1/2023

Sag mir wo die Blumen sind
Nie wieder Frieden

Aus dem M&R-Archiv

Auf Ostfrontlinie gebracht
Nationalistische Parolen, Geschichtsklitterung, Hassexzesse, sogar Begeisterung für den totalen Krieg – einer wachsenden Zahl von Künstlern und Intellektuellen ist offenbar jedes Mittel recht, um sich der neuen Volksgemeinschaft gegen Russland anzudienen. weiterlesen

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss
flashback