Melodie & Rhythmus

Where Green is the New Black

28.10.2015 15:34
Foto: Andy Clark (Reuters)

Foto: Andy Clark (Reuters)

Die kollektivistische Programmatik der Naturgemeinschaft im Post-Black-Metal

Matti Bildt

Der zentrale Satz »Tu, was Du willst, soll sein das ganze Gesetz« aus Aleister Crowleys »Buch des Gesetzes« prägt den individualistischen, nonkonformistischen und eskapistischen Charakter des Black Metal, der sich im oft bemühten Bild des Wanderers auf der einsamen Reise durch den verschneiten Wald manifestiert. In seiner qualitativen Studie zur Black-Metal-Szene attestiert ihr der Kultursoziologe Martin Langbach ein ausgeprägtes Selbstverwirklichungsbedürfnis, das zum Lifestyle-Versprechen wurde. Zugrunde liegen ein impliziter Nihilismus und ein radikaler Individualismus – ein Leitbild, das sich gemeinsamen Werten und Normen verweigert. Black Metal entzieht sich in seiner ursprünglichen Auslegung der Idee des Kollektivismus. So sorgt es für Aufmerksamkeit, wenn sich Bands aus dem Genre des Post-Black-Metal vermehrt politisch einmischen, antifaschistisch und libertär positionieren und die Dringlichkeit gesellschaftlichen Handelns aufzeigen.

Dass der Black Metal trotz seiner deutlichen Haltung des Dissens ein kulturelles Phänomen von geringer Resonanz und Rezeption geblieben ist, liegt an seiner Beschaffenheit: Er gibt sich unzugänglich, geheimnisvoll, mystisch und unerschlossen, seine Artikulation ist nebulös und unverständlich: »Whereof we cannot speak, thereof we must scream.« Zudem hat Black Metal im Lauf seiner Geschichte Wege in eine Sackgasse der Ideologisierung eingeschlagen, die das Genre unter Generalverdacht stellten, Impulse für faschistoides Gedankengut zu geben. Für einen Diskurs außerhalb seines grundlegend antimodernen Nihilismus blieb Black Metal weitgehend verschlossen. Sein ideologischer Ballast – eine sozialdarwinistische Skizze vom Übermenschen, die bemüht provokant- antagonistische Positionierung zum Christentum sowie nationalistische, völkische oder offen faschistische Ikonographie – fußt auf einem nietzscheanischen Individualismus. Seine Tendenzen zum Undenkbaren und Okkulten als Konsequenz aus dem Unbehagen gegenüber der Komplexität der Moderne sind geringstenfalls reaktionär und die ironisch ungebrochene, affirmative Aneignung einer satanistischen Gedankenwelt und deren Wirkweise als Affektentladungssystem für rauschhaft sexuelles und gewalttätiges Verhalten beunruhigend.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 6/2015, erhältlich ab dem 30. Oktober 2015 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen

1.000 Abos jetzt

Solidarität mit M&R

Liebe Leserinnen und Leser, Aktive und Herausgeberinnen und Herausgeber
der jungen Welt und der M&R,

ich bin Johanna aus dem SDS der HAW, der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Ich melde mich aus aktuellem Anlass zu Wort, um für die Wiederaufnahme der Melodie & Rhytmus zu sprechen.

weiterlesen

Stellenausschreibung

Wir suchen für die Redaktion der Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus – Magazin für Gegenkultur zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens ab 1. September 2018 eine / einen

Kulturredakteurin
/Kulturredakteur

in Voll- oder Teilzeit


30. Juni: »Der Tanz über dem Abgrund«
Methfesselfest

1.700 Abos jetzt
logo-373x100
Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Aktuelles

Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus erscheint weiter
Mit einer Crowdfunding-Kampagne schaffen Lesende, Künstler und Verlag Voraussetzungen für die nächsten Ausgaben
29.06.2018
Dein M&R-Abo fehlt!
Neuer Kurs: 1.400 Abonnenten bis zum 14. Juli!
jW, 23.06.2018
Instrument im Kampf gegen Kriege
Bereits 554 Abos für Melodie & Rhythmus – Solikonzert am 22. Juni in der Berliner Wabe
jW, 12.05.2018
Die Waffe der Kritik braucht ein Magazin … Die Waffe der Ideologiekritik braucht ein Magazin
jW, 14.04.2018
Gegen den Massenbetrug Die Waffe der Ideologiekritik braucht ein Magazin
jW, 31.03.2018
Melodie & Rhythmus retten – 1.000 Abos jetzt! jW, 31.03.2018
Sterben Musikzeitschriften aus? Krise und Umbruch
„Musikforum“, „Melodie & Rhythmus“ und die „Österreichische Musikzeitschrift“ - drei traditionsreiche Magazine werden sicher oder möglicherweise eingestellt. Sterben Musikzeitschriften aus? Und liegt die Rettung im Internet? Jan Ritterstaedt hat sich umgehört.
SWR, 22.02.2018

Auslaufmodell Gegenkultur? Zum drohenden Ende von Melodie & Rhythmus
Interview von Deutschlandfunk Kultur mit M&R-Chefredakteurin Susann Witt-Stahl
21.02.2018, mp3

Wundertäter gesucht
Wie Melodie & Rhythmus als Magazin für Gegenkultur doch noch fortgeführt werden könnte
27.01.2018

Treibstoff für große Anstrengungen
Aufgeben – das ginge gar nicht in Zeiten des aufhaltsamen Aufstiegs der AfD und anderer rechter Demagogen, meinen fast alle, denen M&R etwas bedeutet.
27.01.2018

Auf Eis gelegt
Die Produktion von Melodie & Rhythmus, Magazin für Gegenkultur, wird vorerst eingestellt. Einnahmen reichen nicht, um hohe inhaltliche Ansprüche auf Dauer zu finanzieren.
06.01.2018

Zur Ästhetik der Großen Weigerung
Warum eine Gegenkultur auf historisch-materialistischer Basis alternativlos ist
06.01.2018

Pressemitteilung:
Zeitschrift Melodie & Rhythmus vor dem Aus?, 05.01.2018
Anzeige junge Welt
flashback

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop