Melodie & Rhythmus

Deutschrock Export-Import

31.12.2013 13:45

Peter Schimmelpfennig

Der Musikmanager Peter Schimmelpfennig war vor der Wende der Westagent des Ostrocks
Text & Fotos: Gunnar Leue

Im Arbeitszimmer von Peter Schimmelpfennig hängt ein gerahmter Brief an der Wand. Der Besitzer der Münchener Hotel-Pension »Am Siegestor« schrieb ihn am 2. Dezember 1980 »an die Musikgruppe Ostberlin«. In dem Schreiben werden der Band 172,50 D-Mark in Rechnung gestellt für die Reinigung einer durchurinierten Felldecke und Matratze. Rock’n’Roll-Exzess made in DDR – denn bei der Musikgruppe »Ostberlin« handelte es sich um Karat. Peter Schimmelpfennig hat die Regressforderung seinerzeit beglichen, denn für das Treiben der Band im Westen war letztlich er zuständig. Der heute 69-Jährige war der Westagent der Ostrocker, er holte die Puhdys, Karat und City auf die Bühnen in der Bundesrepublik und veröffentlichte ihre Platten auf seinem eigenen Label.

Dass er mal an diesem besonderen Teil deutscher Rockhistorie mitschreiben würde, war alles andere als absehbar. Als jungen Spund hatte es den Hamburger früh in den »Starclub« zu den Beatbands gezogen, noch mehr aber zum schwarzen Jazz und Soul. 1963 ging er nach Westberlin, um bei Metronom die Werbe- und Verkaufstrommel für »Alexis Sorbas«, Filmmusik und schwarze Künstler wie Ray Charles und John Coltrane zu rühren. Der Ostteil der Stadt interessierte ihn nicht die Bohne. »Ich fand dort alles grau und grottig.« Wenn er von ausländischen Künstlern in Westberlin gefragt wurde, was eigentlich hinter der Mauer los sei, wusste er keine Antwort. Irgendwann fuhr er doch mal mit Mike Krüger rüber und lernte den Bassisten der Puhdys kennen, die er auf einer Fahrt auf der Transitautobahn mal zufällig im Ostradio gehört hatte. Der schenkte ihm sämtliche Alben der Band und brachte ihn auf eine Idee: »Ich wollte mit ihnen Konzerte und Platten im Westen machen. Deutsche Rockmusik gab’s ja bei uns gar nicht, abgesehen von Udo Lindenberg. Außerdem war die Bundesrepublik Niemandsland für Ostmusik, also eine echte Marktlücke.«

Die zu füllen, erwies sich zunächst schwierig. Kein West-Label wollte die von Schimmelpfennig als nächstes großes Ding gepriesenen Ostrocker haben. Das änderte sich erst, nachdem er die Puhdys am 9. November 1976 zu einem Konzert in die Hamburger »Fabrik« holen durfte. Dafür hatte Schimmelpfennig reichlich Presse zusammen getrommelt. »Keiner wollte sich das entgehen lassen: Lindenberg, Inga Rumpf, Ulla Meinecke – die Bude war gerammelt voll.«

Den kompletten Artikel des Schwerpunktes ‚Backstage‘ lesen Sie in der Melodie&Rhythmus 1/2014, erhältlich ab dem 3. Januar 2014 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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