Melodie & Rhythmus

Hunger nach Brecht

14.12.2021 12:47
Foto: Silke Winkler

Foto: Silke Winkler

Ramsès Alfa bereitet den Verdammten dieser Erde des 21. Jahrhunderts die Bühne

Interview: Benjamin Trilling

Der togolesische Theaterregisseur und Schauspieler Ramsès Alfa, der die Compagnie Louxor de Lomé leitet, gilt seit seinen Inszenierungen in Konstanz als künstlerischer Grenzgänger zwischen Mitteleuropa und Afrika. Derzeit wirkt er in Schwerin als Darsteller in einer Bühnenadaption von John Steinbecks »Von Mäusen und Menschen« mit. M&R sprach mit Alfa über Identitätspolitik in der Theaterwelt und die Rezeption von Brechts Werken und Fanons antikolonialen Thesen im heutigen Afrika.

Sie spielen in »Von Mäusen und Menschen« den Stallknecht Crooks, der als einziger Schwarzer auf einer Farm von den anderen Arbeitern isoliert ist und diskriminiert wird. Inwiefern ist der von Steinbeck 1937 beschriebene Rassismus immer noch gegenwärtig?

Immer wenn Crooks etwas sagt, ist er für die anderen nur der Schwarze. Dieses Problem ist immer noch aktuell. Auch ich bin als Afrikaner nicht überall willkommen. Ich habe in meinem Leben auch viele Figuren gespielt, denen es ähnlich geht, zum Beispiel Rafael Padilla, den ersten schwarzen Clown in Europa. Ich nehme das nicht persönlich, es sind ja nur Rollen. Man sollte das Thema Rassismus auch nicht im Namen der »politischen Korrektheit« anpacken, denn er muss ungeschminkt gezeigt werden. Viel wichtiger ist doch die Frage, wie es gesellschaftlich weitergeht, als sich darum zu sorgen, ob das Publikum schockiert ist. …

[≡] Von Mäusen und Menschen
Regie: Martin Nimz
Mecklenburgisches Staatstheater, Schwerin

Bis 31. März 2022

Das komplette Interview erscheint in der Melodie & Rhythmus 1/2022, erhältlich ab dem 17. Dezember 2021 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen

Ältere M&R-Newsletter

M&R-Newsletter 3/2026

Blutgemeinschaft

M&R-Newsletter 2/2026

Eine Klasse für sich

M&R-Newsletter 1/2026

Der Fährmann

M&R-Newsletter 4/2025

Zerstörung der Menschlichkeit

M&R-Newsletter 3/2025

In der Spaßblase

M&R-Newsletter 2/2025

Rettung der Vergangenheit

M&R-Newsletter 1/2025

Eiserne Staatsräson

Berechtigte Mahnungen

M&R-Newsletter 4/2024

Triumph der Reaktion

M&R-Newsletter 3/2024

Repressives Dogma

M&R-Newsletter 2/2024

»Eine neue Flamme«

M&R-Newsletter 1/2024

Verordneter Philosemitismus

M&R-Newsletter 4/2023

Wiederschlechtmachung

M&R-Newsletter 3/2023

Ideologische Supermacht
»Komm auf die dunkle Seite!«

M&R-Newsletter 2/2023

Kriegsstifter und Friedenshetzer
Lachend in den dritten Weltkrieg?

M&R-Newsletter 1/2023

Sag mir wo die Blumen sind
Nie wieder Frieden

Aus dem M&R-Archiv

Auf Ostfrontlinie gebracht
Nationalistische Parolen, Geschichtsklitterung, Hassexzesse, sogar Begeisterung für den totalen Krieg – einer wachsenden Zahl von Künstlern und Intellektuellen ist offenbar jedes Mittel recht, um sich der neuen Volksgemeinschaft gegen Russland anzudienen. weiterlesen

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss
flashback