Melodie & Rhythmus

Zum Beispiel Egotronic: Tönende Totalitarismustheorie

28.10.2015 15:23
Foto: Arne Müseler / www.arne-mueseler.de CC by SA 3.0

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Die Berliner Elektropunkband verabscheut das Kollektiv und verhilft mittelständischen Atomisierten zu tröstenden Gedanken – »nur an das eigene Glücksgefühl«

Susann Witt-Stahl

Der Egoist, der Privatmensch also, der allein seinen Interessen und Geschäften nachgehen« wolle, »diese freiwillig oder unfreiwillig Volksfremden« seien es, denen alle Solidarität gelten müsse, formulierte die Zeitschrift Konkret den kategorischen Imperativ der Linksneoliberalen. Die Fetischisierung des »Survival of the Fittest« ist auch längst apostrophierten Akteuren der Autonomen-Subkultur in Fleisch und Blut übergegangen. Die Ravepunkband Egotronic – nomen est omen und exemplarisch für eine Palette standardisierter Produkte des sich als subversiv vermarktenden Labels Audiolith – hat, wie ihre Mitglieder stets in Interviews betonen, eine starke Abneigung gegen das »Kollektiv-Gefühl« und »Kollektiv-Identität«.

»Oh ja na klar, Mann / Sie beherrschen dich / Und sie verschwören sich ständig gegen dich / Um dir wegzunehmen / Und dir abzujagen / Was du selber ohnehin die ganze Zeit verkaufst«, heißt es in dem Egotronic-Song »Der Tausch«. Wie die reine Lehre des Neoliberalismus ist auch der sich links wähnende Antikollektivismus unweigerlich mit der Leugnung der Klassenherrschaft verknüpft. »›Klasse‹ ist ein kommunistisches Konzept«, warnte schon Margaret Thatcher. Die brutalen Zwänge, die Ausbeutung im Kapitalismus: alles reine Phantasmagorien von linken »Verschwörungstheoretikern«, wie heute alle tituliert werden, die noch Einspruch gegen die herrschenden ökonomischen Verhältnisse erheben. Diese Typen sind »sozial, ökologisch, pazifistisch / Und vor allem gut«, verhöhnt Egotronic Antikapitalisten und das Friedenslager: »Du hast bestimmt ‚nen Antikriegs-Track«. Wo »freier Markt« draufsteht, so die Logik des Subtextes, kann ja nur Freiheit drin sein; wer dort vor die Hunde geht, hat selber Schuld: »Niemand muss dich extra zwingen / Wenn du selber mitmachst.«

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 6/2015, erhältlich ab dem 30. Oktober 2015 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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