Melodie & Rhythmus

Norwegischer Altruismus

28.12.2010 11:04

a-ha sponsoren ihre eigenen Nachfolger

Die Norweger a-ha gehen in den Ruhestand. Die Betrübung der Fans ist groß, doch Selbstmorde wegen Morten Harkets Abgang sind nicht bekannt. Vielleicht auch deshalb, weil man sehr gutgläubig sein muss, um dem Abschied zu trauen und nicht zu vermuten, dass die Hallen für die Comeback-Tour längst reserviert sind.

Während aber andere Großbands in der Dämmerung ihrer Karriere mit dem Zählen des eigenen Geldes beschäftigt sind, geben a-ha einen großen Batzen davon aus. Sie spenden 500.000 Euro, denn eine Frage bringt sie um den Schlaf: »Wer soll in unsere Fußstapfen treten?«

»Niemand!«, könnte man gehässig rufen, doch gehässig wollen wir nicht sein. Wir freuen uns über die noble Geste, denn eines muss man a-ha zugestehen: Die eigenen Nachfolger zu päppeln,auch auf die Gefahr hin, von ihnen überf lügelt und am Ende selbst vergessen zu werden, ist nicht üblich. Zwar stiften manche Künstler Geld für die musikalische Förderung von Kindern und Jugendlichen oder für die Erhaltung von Proberäumen, doch das ist mit der Aktion von a-ha nicht vergleichbar.

Die 500.000 Euro werden geviertelt. Je 125.000 Euro erhalten Casiokids, Moddi, Susanne Sundfør und Shining. a-ha waren so clever, die Empfänger des Geldes nicht danach auszuwählen, ob sie wie a-ha klingen. Die Stars wollen keinen eigenen Klone, sie suchen den nächsten norwegischen Welterfolg. Das wird beim Metal-Jazz von Shining sicher etwas kompliziert, aber einen Versuch ist es wert.

Casiokids, Moddi, Susanne Sundfør und Shining spielen am 27. Januar in Berlin (.HBC, Karl-Liebknecht-Straße 9, Karten gibt’s ab 10 Euro). Das Konzert wird vom Exportbüro für norwegische Musik organisiert, das bei dieser Gelegenheit sein Hauptstadtbüro eröffnet. Wenn Deutschland einen Kulturminister hätte, wäre das ein guter Tag, um hinzugehen und von Norwegen zu lernen, wie man seinen Pop-Nachwuchs pflegen kann. Doch wir haben nur Frau Schavan. Die ist für Kultur nicht zuständig.

Jürgen Winkler

Den kompletten Artikel lesen Sie in der melodie&rhythmus 1/2011, erhältlich ab dem 4. Januar 2011 am Kiosk oder im Abonnement.

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