Melodie & Rhythmus

Jenseits der roten Linie

11.06.2019 13:43
Foto: Mindjazz Pictures

Foto: Mindjazz Pictures

Ein neuer Dokumentarfilm zeigt den Widerstand gegen die Rodung des Hambacher Forsts aus der Perspektive der Aktivisten

Interview: Christian Stache

Die Dokumentarfilmerin Karin de Miguel Wessendorf begleitet schon seit 2015 die sozial-ökologischen Konflikte um den Hambacher Forst, die Vertreibung der Einwohner anliegender Ortschaften und die Braunkohletagebaue des Energiekonzerns RWE in Nordrhein-Westfalen. Im Mittelpunkt ihrer neuesten Arbeit »Die rote Linie« stehen vier Aktivisten, die sich als Baumbesetzer, Bürgerbewegter, Anwohnerin und Naturpädagoge an den Protesten im Rheinischen Revier beteiligen. M&R sprach mit de Miguel Wessendorf über ihren Standpunkt als kritische Filmemacherin, die Hindernisse bei den Dreharbeiten und das Mobilisationspotenzial von Kulturproduktion.

Um welche rote Linie geht es in Ihrem Film?

Umweltorganisationen haben im August 2017 am Tagebau Hambach mit einer Menschenkette eine Grenze gezogen; dabei trugen alle Beteiligten rote Kleidung. Mit dieser Aktion haben sie die geografische Linie markiert, bis zu der Braunkohle abgebaut werden könnte, ohne die anvisierten Klimaziele Deutschlands zu verfehlen. Der Hambacher Wald liegt hinter dieser Linie und dürfte also nicht gerodet werden. Im übertragenen Sinn hatten die Menschen im Rheinischen Braunkohlerevier zudem das Gefühl, dass immer wieder ihre roten Linien überschritten worden sind, etwa beim Abriss des Immerather Doms.

Sie greifen für Ihr Projekt auf Auszüge aus Fernsehberichten zurück, um die Entwicklung in diesem Revier darzustellen. Damit verzichten Sie weitgehend auf ein eigenes Narrativ der Auseinandersetzung. Warum?

Ich wollte einen protagonistenbezogenen Film über den Widerstand vor Ort machen und nicht einen Film über die Braunkohle, in dem der Konflikt von allen Seiten beleuchtet wird.

Die rote Linie – Widerstand im Hambacher Forst
Regie: Karin de Miguel Wessendorf
mindjazz pictures

Das komplette Interview erscheint in der Melodie & Rhythmus 3/2019, erhältlich ab dem 14. Juni 2019 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen

TOP 10: Juni 2024

Liederbestenliste

Ältere M&R-Newsletter

Aus dem M&R-Archiv

Auf Ostfrontlinie gebracht
Nationalistische Parolen, Geschichtsklitterung, Hassexzesse, sogar Begeisterung für den totalen Krieg – einer wachsenden Zahl von Künstlern und Intellektuellen ist offenbar jedes Mittel recht, um sich der neuen Volksgemeinschaft gegen Russland anzudienen. weiterlesen

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Rudolstadtfestival 2023: Viva Cuba

Fotos von Katja Koschmieder und Jens Schulze weiterlesen

In eigener Sache

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt abonnieren

flashback