Melodie & Rhythmus

Verteidigung einer revolutionären Wissenschaft

30.03.2022 10:19
Marx-Büste von Rainer Günther Foto: Rainer Günther

Marx-Büste von Rainer Günther
Foto: Rainer Günther

Ein Schüler von Alfred Hrdlicka gestaltet ein Karl-Marx-Denkmal für Gelsenkirchen

Im Juni 2020 hatte die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) eine Lenin-Statue vor ihrer Bundeszentrale in Gelsenkirchen-Horst aufgestellt. Im kommenden Sommer will die MLPD, unterstützt von der Willi-Dickhut-Stiftung, ein weiteres Projekt umsetzen: Am 26. August 2022 soll ein Marx- Denkmal des Karlsruher Künstlers Rainer Günther eingeweiht werden – direkt neben der Lenin-Figur platziert.

Günther hatte in den 70er-Jahren an der Kunstakademie Stuttgart bei dem marxistischen Bildhauer Alfred Hrdlicka (1928–2009) studiert, dessen radikal realistische Werke gegen Faschismus und Krieg ihn inspiriert haben. »Was mich interessierte, war der Kampf des Menschen gegen Unterdrückung und für eine befreite Gesellschaft, den Kommunismus«, so Günther gegenüber M&R. »In Hrdlicka fand ich einen künstlerischen und geistigen Mentor.«

Günther will sein Marx-Denkmal aber nicht im Stil der Engels-Statue »Die starke Linke« gestalten, die Hrdlicka 1981 in Anlehnung an Michelangelos berühmte Skulptur des sterbenden Sklaven für die Stadt Wuppertal angefertigt hatte – eine gelungene wie geniale Metapher für die berühmten Schlussworte des »Kommunistischen Manifestes«, wie Günther meint. Er will einen anderen Akzent setzen: Seine Statue soll »einen lebendigen Marx zeigen, der energisch für die Verteidigung, Verbreitung und Umsetzung« der revolutionären Wissenschaft des Marxismus eintritt – »als Ausweg aus dem Untergangsszenario des krisengeschüttelten kapitalistischen Systems«. Als Vorbild dient ihm das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar.

Dass die Stadt Gelsenkirchen vor zwei Jahren eine denkmalrechtliche Ordnungsverfügung gegen die Lenin-Figur eingereicht und aus Steuergeldern eine antikommunistische Kampagne mit Ausstellungen und Texttafeln finanziert hat, betrachtet Günther als »Skandal«. Er glaubt aber nicht, dass solche Propagandaaktionen nachhaltig Schaden anrichten können.

red

Der Beitrag erscheint in der Melodie & Rhythmus 2/2022, erhältlich ab dem 1. April 2022 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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