Melodie & Rhythmus

Das bisschen Glück

11.06.2019 13:42
Foto: Maurice Haas / Diogenes Verlag

Foto: Maurice Haas / Diogenes Verlag

Erich Hackl würdigt Freunde, Vorbilder und Weggefährten

Interview: Susann Witt-Stahl

Nachdem er 2018 mit seinem Widerstandsroman »Am Seil« einen großen Erfolg gefeiert hat, versammelt Erich Hackl in einem neuen Band »Im Leben mehr Glück« Schriften und (Dankes-)Reden aus den vergangenen 30 Jahren. Der österreichische Schriftsteller, der in Wien und Madrid lebt, hat sie Menschen gewidmet, die Farbe bekannt und der konkreten Utopie der befreiten Gesellschaft die Treue gehalten haben. M&R sprach mit ihm über das Unglück des Linksseins heute und seine Reaktion als Intellektueller auf die Dringlichkeit des Neuen.

Mit den Worten »Links und glücklich« haben Sie eine Gedenkrede für einen 2015 verstorbenen Freund betitelt, der beides war. Ist das nicht mittlerweile ein Oxymoron, und man muss sich entscheiden: links oder glücklich?

Ich bezog mich da auf das Ergebnis einer Studie, von der ich in Neues Deutschland gelesen hatte: je weiter links, desto unglücklicher. Für mich war das nicht überraschend und auch nicht neu, aber gut, dass es endlich zur Sprache kam: woher das Glück nehmen in einer Gesellschaft, in der nur eine Minderheit deren zentrale Basis, den Kapitalismus, nicht anerkennt? Ein Freund von mir, Hermann Tschofenig, hat mir das Bild beschrieben, das er von seinem Vater Josef Tschofenig, einem hohen Funktionär der KPÖ, in Erinnerung behalten hat. Wie dieser an jedem Wahlabend mit verhaltener Verzweiflung im Radio die Wahlergebnisse verfolgt hat. So sehr anders ist es mir auch nicht ergangen seit meinem 14. oder 15. Lebensjahr. Die Entscheidung ist mir allerdings abgenommen worden. Ich glaube, es war Eric Hobsbawm, der einmal geschrieben hat: »Ich bin auf der Linken. Da ist nichts mehr zu machen.« Von dieser Prämisse ausgehend, habe ich mich immer für Leute interessiert, die sich dem Mitmachen verweigern. Und über sie geschrieben, ihrer Erfahrungen wegen, um die Einsamkeit loszuwerden, sie als Gefährten zu gewinnen.

Nicht auch, um aus der Vergangenheit, den politischen Lebensgeschichten und dem radikalen Denken derer, die sich der großen Weigerung angeschlossen haben, »den Funken der Hoffnung anzufachen«, um es mit Walter Benjamin zu sagen, den Sie ja in einer ebenfalls in dem Band zu findenden, in der Gedenkstätte des KZ-Nebenlagers Bretstein gehaltenen Rede zitieren?

Den Funken der Hoffnung im Sinne dessen, was möglich gewesen wäre. Dass es nicht geklappt hat, bedeutet ja noch nicht, dass es falsch war.

Erich Hackl
Im Leben mehr Glück. Reden und Schriften
Diogenes

Das komplette Interview erscheint in der Melodie & Rhythmus 3/2019, erhältlich ab dem 14. Juni 2019 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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