Melodie & Rhythmus

Grosse Hoffnungslosigkeit

16.03.2021 14:08
Szene aus »Erniedrigte und Beleidigte« an der Volksbühne in Berlin, Regie: Frank Castorf, 2001 Foto (Montage): Ullstein Bild - Lieberenz

Szene aus »Erniedrigte und Beleidigte« an der Volksbühne in Berlin, Regie: Frank Castorf, 2001
Foto (Montage): Ullstein Bild – Lieberenz

Eine Theateradaption von Dostojewskis Roman »Erniedrigte Beleidigte« als Spiegel der Coronakrise

Interview: Sabine Fuchs

Der Regisseur Sascha Hawemann inszeniert am Volkstheater in Wien Fjodor Dostojewskis »Erniedrigte und Beleidigte«. M&R sprach mit ihm über die Inszenierung des 1861 veröffentlichten Romans als kapitalismuskritische Gegenwartsdiagnose, die anhaltende Faszination von Theatermachern für den russischen Romancier und über das Kunstschaffen unter den Bedingungen der Pandemiekrise.

Herr Hawemann, als letztes Projekt vor der Coronakrise haben Sie am Theater Dortmund »Die Dämonen« von Dostojewski inszeniert, jetzt arbeiten Sie an einer Bühnenfassung seines Erstlingswerks »Erniedrigte und Beleidigte«. Was interessiert Sie an diesem Schriftsteller?

»Die Dämonen« ist ein Roman über politische Utopien – darüber, wie die Gesellschaft verändert werden kann. In »Erniedrigte und Beleidigte« gibt es keine politischen Projekte mehr, sondern nur noch den Kapitalismus und das, was dieser mit den Menschen macht. Es ist also ein dystopischer Text. Dostojewski ist für mich nicht der Dichter der russischen Seele, es geht bei ihm immer um die Kollateralschäden des Kapitalismus. Aber er war nicht nur ein Autor, der die Linke ansprach; weil er beispielsweise die orthodoxe Religiosität verherrlichte, gilt er auch als Identifikationsfigur der russischen Rechten.

Wie gehen Sie damit um?

Man muss unterscheiden zwischen der teilweise reaktionären, durch seine Lagerhaft in Sibirien traumatisierten Person Dostojewski und dem Romanautor. Als dieser war er vor allem ein Chronist des Verlusts.

[≡] Erniedrigte und Beleidigte
Regie: Sascha Hawemann
Volkstheater, Wien
Ab April 2021 (der Termin der Premiere steht noch nicht fest)

Das komplette Interview erscheint in der Melodie & Rhythmus 2/2021, erhältlich ab dem 19. März 2021 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen



In eigener Sache

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

TOP 10: OKTOBER 2022

Liederbestenliste

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 5% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop
logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt abonnieren

Jetzt abonnieren
flashback