Melodie & Rhythmus

Trümmer in den Herzen

25.10.2016 15:06
Von Polydor auf Reisen geschickt: Freddy Quinn auf dem Schiff »Heimweh« in den 1950er-Jahren Foto: Picture Alliance / United Archives

Von Polydor auf Reisen geschickt: Freddy Quinn auf dem Schiff »Heimweh« in den 1950er-Jahren
Foto: Picture Alliance / United Archives

Männerwelten im Nachkriegsschlager

Diego Castro

Stunde Null in der kleinen Kneipe in unserer Straße. Die deutsche Musikindustrie war nur langsam wieder auf die Beine gekommen. Die ersten Hits der Nachkriegszeit waren Recycling, Rudi Schurickes »Capri-Fischer« stammten von 1943. Die Deutschen machten weiter mit dem, was sie kannten: Lale Andersen, Durchhaltelieder, Weltflucht. Mit den »Eingeborenen von Trizonesien« meldete sich eine unverbesserliche deutsche Volksgemeinschaft zurück. Doch die Deutschen waren nicht nur durch Zonengrenzen getrennt. Die Gesellschaft war tief gespalten. Aber über Probleme schwieg man sich aus. Der westdeutsche Heimatfilm ließ derweil ein Grusellabor an transzendierten Typen der NS-Ära Revue passieren. Der Oberförster mit dem Silberblick gab den Guten Deutschen und der Wilderer den Ewigen Juden. Die Verteilung der Charaktere war auch im Schlager recht typisch. Heimatsänger oder Exoten. Zwischen Heimat und Ferne wandelte die merkwürdige Spezies des traurigen Barden, der gleichsam die Sehnsucht nach dieser und jener besang. Der einsame Seemann am Hafen von Santa Nirgendwo. Der verbraucht wirkende deutsche Cowboy, der nachts am Lagerfeuer die Klampfe beiseitelegt und, besinnlich in die ersterbenden Flammen blickend, die verbrannte Erde der Heimat erkennt.

Fernweh. Heimweh. Abendsonne. Zapfenstreich. Landser-Romantik. Der Krieg hatte dem Schlager das Motiv des versprengten Einzelgängers beschert.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 6/2016, erhältlich ab dem 28. Oktober 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Ähnliche Artikel:

Anzeigen

Che: Die ersten Jahre

flashback
logo-373x100
Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt am Kiosk!

Anzeige M&R-Tasse

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

M&R Aktuell

zuckermann

Deutsche Abgründe


Ein kleiner Schritt für Frankfurts Bürgermeister, ein großer Sprung für deutsche Normalisierer: Uwe Becker (CDU) demonstriert neues-altes Selbstbewusstsein und erklärt jüdische und andere Israelkritiker kurzerhand für »nicht willkommen« in seiner Stadt. Zu den unerwünschten Personen gehört der israelische Historiker und Sohn von Holocaust-Überlebenden Moshe Zuckermann, der in Frankfurt aufgewachsen ist. M&R bat ihn um eine Replik.

»Entscheidend ist, welche Haltung wir einnehmen«


Gespräch mit Susann Witt-Stahl. Über Gegenkultur, Ideologiekritik und notwendige neue Impulse für den Kulturjournalismus
Aus: junge Welt vom 25.03.2017, Wochenendbeilage

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop

M&R im Interview

Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Kritischer Musikjournalismus in ideologisch angespannter Zeit.

Interview lesen
 
Gespräch mit Susann Witt-Stahl:
Über die neu ­gestaltete Musikzeitschrift Melodie und Rhythmus, Walter Ulbricht und Iron Maiden, Rock’n’Roll und Krieg, marxistische Ästhetik und Neoliberalismus, Straßen-Rap und Adorno.

Interview lesen
 
"Wir frönen nicht irgendeiner Nostalgie"
Ein politisches Musikmagazin mit DDR-Wurzeln erfindet sich neu: Melodie & Rhythmus (M&R) hat seinen Look und seine Inhalte überarbeitet. medienmilch.de sprach mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl über die Details: Interview lesen
 
• Wie sich Musik und Politik vereinbaren lassen, behandelt das Magazin “Melodie & Rhythmus” in seiner aktuellen Ausgabe. Radio F.R.E.I. hat mit der Chefredakteurin Susann Witt-Stahl gesprochen.
Radiointerview anhören