Melodie & Rhythmus

Analyse: »Which Side Are You On?« / »Sag mir, wo du stehst«

25.08.2015 15:34
Foto: Picture-Alliance

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Konkreter und abstrakter Gesinnungskampf

Die im Rahmen der DDR-Singebewegung gegründete politische Liedgruppe Oktoberklub nahm im Jahre 1967 den Song »Sag mir, wo du stehst« auf. Er gilt als erfolgreichstes Lied dieser Bewegung. Das dürfte nicht zuletzt seinem markanten Charakter geschuldet sein: Schon der in Titel und Refrain eindringlich artikulierte Imperativ kreist das im Lied angesprochene» Du« ein und zwingt ihm das Bekenntnis zum richtigen bzw. die Absage an den falschen Standort auf. Das (offenbar kollektiv zu verstehende) Sprechsubjekt ist sich der Evidenz seiner historischen Fortschrittsperspektive ganz und gar gewiss, die Aufforderung zur wahrhaftigen Positionierung fällt entsprechend selbstbewusst und bestimmt aus.

»Sag mir, wo du stehst« ist von dem 1931 in den USA entstandenen Song »Which Side Are You On?« inspiriert worden. Den Text schrieb Florence Reece, deren Ehemann Sam Reece Gewerkschafter der United Mine Workers in Harlan County, Kentucky, war. Während eines erbitterten Arbeitskampfes mit den Minenbesitzern wurde die Familie des Gewerkschafters vom örtlichen, mit der Bergbaugesellschaft verbandelten Sheriff J. H. Blair und seinen Leuten terrorisiert. Die nach der Flucht ihres vorgewarnten Mannes mit den Kindern zurückgebliebene Florence schrieb den Text nach gewaltsamen Einschüchterungsaktionen seitens der Bande des Sheriffs. Der Song, der eine traditionelle Baptisten-Hymne als melodische Grundlage verwendet, sollte zur musikalisch-poetischen Ikone des Arbeitskampfes weltweit avancieren. Vor allem durch Pete Seegers Interpretation in den 1960er-Jahren, aber auch durch die anlässlich des britischen Bergarbeiterstreiks von 1984/85 textlich veränderte Version von Billy Bragg gewann er kultischen Rang.

Moshe Zuckermann AnalyseMoshe Zuckermann ist Kunsttheoretiker und lehrt an der Universität Tel Aviv (u. a. Kritische Theorie). Er hat diverse Bücher und Aufsätze über Kunstautonomie und zur Kulturindustriethese von Theodor W. Adorno veröffentlicht. Darunter »Kunst und Publikum. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner gesellschaftlichen Hintergehbarkeit«. In den 1970er-Jahren war er als Komponist und Arrangeur tätig. Foto: Arne List

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 5/2015, erhältlich ab dem 28. August 2015 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

»Which Side Are You On?« – Pete Seeger
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»Sag mir, wo du stehst« – Oktoberklub
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