Melodie & Rhythmus

Wie ein Gebet in der Kirche

28.08.2013 08:42

Herthas Hymnen-Hero Frank Zander über »Nur nach Hause«
Text: Thomas König, Foto: Marcus Zander

Seit genau 20 Jahren gibt es im Berliner Olympiastadion ein festes Ritual: Heimspiel von Hertha BSC – noch 5 Minuten bis zum Anpfiff – die Spieler laufen auf den Platz – aufstehen, Schal nach oben – Gänsehaut! 60.000 Fans singen: »Nur nach Hause, geh’n wa nich!« Wir führten ein Gespräch mit dem Schöpfer der Hymne, Frank Zander, selbst seit Jahrzehnten eine Kultfigur in Deutschland, über den wohl bekanntesten Fußball Song im Land. Der Interviewtermin konnte passender nicht sein. Einen Tag nachdem der Hauptstadtclub Hertha BSC in seinem Wiederaufstiegsdebüt in der 1. Liga die Frankfurter Eintracht mit 6:1 vom Platz fegte, stand Frank Zander das breite Grinsen immer noch ins Gesicht geschrieben.

Frank, wie entstand die ursprüngliche Idee, das Lied »Nur nach Hause« aufzunehmen?
Es war Anfang der 90er Jahre, als ich am Strand auf Ibiza zu meiner Gitarre griff und Rod Stewards »Sailing« mit einem eigenen Text vor Freunden anstimmte. Die Sonne ging unter, keiner hatte Lust nach Hause zu gehen. Die Leute bekamen gar nicht genug von der Melodie, die nach Sehnsucht und Meer klingt. So entstand dann meine Kneipenversion »Nur nach Hause gehen wa nicht« – eigentlich ein passender Rausschmeißer-Song.

Eckkneipe und Fußball passt ja schon mal. Aber wie fand der Song den Weg ins Olympiastadion?
Das war am 31. März 1993. Ich war für das Showprogramm in der Halbzeitpause des Pokal- Halbfinales der Hertha Amateure gegen den Chemnitzer FC engagiert. Einen Tag vor dem Auftritt kam im Gespräch mit Hertha-Verantwortlichen die spontane Idee, den Song für die Fans umzuschreiben. Über Nacht bastelte ich mit meinem Texter Hanno Bruhn diese Pokal-Version. Das Olympiastadion war fast ausverkauft. Wie immer vor Auftritten hatte ich mächtig Lampenfieber, aber vor dieser Kulisse war es besonders schlimm. Ich begann in der Pause mit meinem Programm, die Stimmung war sehr gut. Als die Fans aber in der Ostkurve beim Refrain »Nur nach Hause« spontan ihre Schals in die Höhe streckten, war eine neue Hymne geboren. Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut. Ich glaube, die Fans haben gespürt, dass ich es ehrlich meinte, dass der Song von Herzen kam. Zuvor gab es so etwas noch nicht. Die Hymne wurde dann auch von den Fans bei allen Hertha Profispielen gesungen.

Den kompletten Artikel lesen in der Melodie&Rhythmus 5/2013, erhältlich ab dem 30. August 2013 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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