Melodie & Rhythmus

»Teilen und genießen«

28.06.2016 14:27
Foto: Orlando Barria

Foto: Orlando Barria

Sänger Diego El Cigala über seine Beziehung zur kubanischen Musik

Interview: Katja Klüßendorf

Sein Spitzname lautet »Kaiserhummer«: Der 1968 in Madrid geborene Roma-Flamenco-Sänger Diego Jiménez Salazar trat zunächst auf der Straße und in Peñas auf, bevor um das Jahr 2000 seine ersten Platten erschienen. Durch die Zusammenarbeit mit dem kubanischen Pianisten Bebo Valdés für das Album »Lágrimas negras« (2003) erlangte El Cigala auch hierzulande größere Bekanntheit.

Was verbindet einen leidenschaftlichen Flamenco-Sänger wie Sie mit kubanischer Musik?

Vielleicht ist es Bestimmung. Schon früh kam diese Musik aus jenem Teil der Erde in mein Leben – und ist geblieben. Ich habe die großen Stimmen Kubas immer geschätzt. Vor allem der Pianist Bebo Valdés hat mich für die kubanische Musik begeistert.

Mit ihm haben Sie auch eines Ihrer bekanntesten Alben aufgenommen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ich sah Bebo zuerst in Fernando Truebas Dokumentation »Calle 54«, die viele bekannte Latin-Jazz-Musiker vereinte, und dachte: Diesen Mann muss ich kennenlernen! Während eines Konzerts in Madrid traf ich ihn dann wirklich – und die Chemie stimmte sofort. Für meine CD »Corren tiempos de alegría« (2001) spielten wir gemeinsam das Stück »La fuente de Bebo« ein. Es gefiel uns so gut, dass wir weiter zusammenarbeiten wollten.

Kuba befindet sich seit den 1990er-Jahren in einer komplizierten Situation. Sie haben das Land mehrere Male bereist. Was sind Ihre Eindrücke?

Zuletzt war ich im Frühling vergangenen Jahres dort, um Material für eine Dokumentation zu sammeln, an der ich gerade arbeite. Für mich ist das kubanische Volk der Beweis dafür, dass man glücklich sein kann, egal wie einem die Karten gelegt sind. Man muss das auch nicht idealisieren, die Lebenssituation kann in einigen Fällen sehr hart sein. Trotzdem bewahren die Kubaner ihre Haltung. Es ist ein Volk voller Talente mit einer wohltuenden Beziehung zu Musik und Tanz. Das erinnert mich an unsere »Gitanos«. Wir finden trotz aller Nöte immer einen Moment zum Singen.

Kuba steht für eine besondere Lebensform: Hoher sozialer Standard und ein gelebter solidarischer Umgang prägen die Menschen. Hat das Einfluss auf Musik und Kultur?

Natürlich! Die Kommunikation innerhalb des kubanischen Volkes, die Art und Weise, wie Musik kreiert wird, basierend auf dem Gedanken des Teilens und Genießens, spiegeln sich in der kubanischen Kultur und ganz speziell in ihrer Musik.

Gibt es auch Dinge, die Ihnen Sorge bereiten, wenn Sie an Kuba denken?

Die ganze Welt redet von den Veränderungen, die es dort in den nächsten Jahren geben wird. Tatsächlich wird Kuba auch viele gute Dinge verlieren. Die Leute, die nicht dort leben, können aber nicht verlangen, dass Kuba so zu bleiben hat, wie es den Touristen gefällt. Ich bin jedoch überzeugt, dass das kubanische Volk seinen Stil beibehalten wird.

Demnächst gehen Sie gemeinsam mit der kubanischen Sängerin Omara Portuondo auf Europa-Tournee. Wie ist die Idee entstanden?

Omara ist eine Legende, sie ist die Stimme Kubas. Ich bewundere ihre Musik und ihren Werdegang. Wir sind uns schon einige Male begegnet, im August vergangenen Jahres traten wir zusammen mit dem Buena Vista Social Club in der Hollywood Bowl in Los Angeles auf. Es war allerdings ein sehr trauriger Moment für mich, weil meine Frau erst einen Tag zuvor verstorben war. Zu Omara habe ich sofort Vertrautheit entwickelt, und wir beschlossen, etwas zusammen zu unternehmen.

Ihr einziges Gastspiel mit Omara in Deutschland wird am 6. Juli in Mainz sein und von M&R präsentiert. Was darf das Publikum erwarten?

Vor allem viel Leidenschaft und Gefühl. Ich freue mich schon darauf, einige der Lieder mit ihr zusammen zu singen, die ich schon seit Jahren in meinem Programm habe, wie »Lágrimas negras« oder »La bien pagá« und auch einige von ihren Klassikern.

Das komplette Interview lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 4/2016, erhältlich ab dem 1. Juli 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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