Melodie & Rhythmus

Schwarz und Weiß

25.02.2014 12:27

AF

In Nordafrika und der arabischen Welt erfordert es noch immer Mut, seine eigene Meinung öffentlich zu vertreten. Auch Jahre nach den Aufständen drohen den Künstlern dort Gefängnis und unfaire Prozesse, wie die in Tripolis geborene und z.Z. in Paris arbeitende Radiomoderatorin Mayssa Issa berichtet
Text: Dörte Heilewelt, Fotos: Amr Abdallah Dalsh (Reuters), Nariman El-Mofty (AP)

Schwerpunkt Arabischer Frueling»Ich rede manchmal ein wenig zu viel«, erklärt Mayssa Issa während des Interviews. Das sei berufsbedingt. Sie arbeitet als Journalistin beim Radio France24 und führt seit 2004 die tägliche Musiksendung »Music Hour«. Jeden Freitag widmet sie sich der arabischen Musik und Kultur abseits des Mainstreams, denn als sie vor zehn Jahren anfing, existierte in der Öffentlichkeit kaum arabische Musik, die aus dem Untergrund kam. »Es gab nur große Stars, große Produktionen von großen Firmen«, sagt Issa. »Hauptsächlich von Rotana«, einem der größten Medienkonzerne in der arabischen Welt – Label, Magazin, Radio, Fernsehen und Produktionsgesellschaft. »Es war überall das Gleiche.« Im Gegensatz dazu kam und kommt die Musik zur Revolution, zum arabischen Frühling, nach wie vor aus einer anderen Welt: »Im Grunde genommen tauchten bereits kurz vorher die ersten Bands auf. Und die richtige Explosion gab es erst anschließend«, erklärt Issa.

Ob diese Musik eine Rolle während der Revolution gespielt hat? Diese Frage hat Issa mehreren Künstlern gestellt. »Sie sagten, dass sie schon vorher eine ganze Weile mit der Gesellschaft in Verbindung standen, so wie jede andere Kunstform auch. Ihre Worte kündigen an, was grade vor sich geht – und was passieren würde«, sagt Issa. Da wäre zum Beispiel der tunesische Rapper El Général, mit richtigem Namen Hamada Ben Amor, dessen Song »Rais Lebled« (»Kopf der Republik«) bereits kurz vor den Aufständen im Dezember 2010 erschien und zu einer Hymne für die Proteste in Tunesien heranwuchs. »Er sagte dem Präsidenten, dass er gehen soll.«

Zu Rap im Speziellen ergänzt sie: »Im Grunde ist es die ausdrucksstärkste Szene, und heutzutage sind arabische Rapper in den Augen der Polizei gefährlicher als alle anderen Leute.« Auch mehrere Jahre nach der Revolution werden Künstler verhaftet. Zum Beispiel der tunesische Rapper Ala Yaacoubi, bekannt als Weld El 15. Für eine Performance seines Songs »Boulicia Kleb«, zu deutsch »Polizisten sind Hunde«, verbrachte der 25-Jährige im vergangenen Jahr mehrere Monate im Gefängnis – ohne einen richtigen Prozess.

Mayssa IssaMayssa Issa, 43, geboren in Tripolis, Libanon, ist wohnhaft in Paris. Als Tochter eines Diplomaten ist sie viel gereist, u.a. in Länder wie Saudi Arabien, Tunesien, Guinea, die Staaten des ehemaligen Jugoslawien. Sie ist Radiomoderatorin der Sendung »Music Hour« und Journalistin für Radio France24. Sie veranstaltet Festivals und gründete eine eigene Produktionsfirma, um arabische Künstler über die Grenzen hinweg miteinander zu verbinden.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der Melodie&Rhythmus 2/2014, erhältlich ab dem 28. Februar 2014 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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