Melodie & Rhythmus

Das Elend der Musikindustrie

23.10.2010 09:52

50 Millionen Digitalverkäufe – und trotzdem wird gejammert

In Großbritannien wurde die 50-Millionen-Marke beim Verkauf von digitalen Alben geknackt. Der Markt für Singles ist zusammengebrochen, und es werden immer mehr komplette Alben verkauft – entgegen aller Prognosen der Experten, die nach den ersten Erfolgen von iTunes eine Segmentierung der Onlineverkäufe in Millionen einzelner Songs und den Tod des Albums vorhersagten:

Für die magische Zahl 50 Millionen brauchten die Online-Shop-Betreiber viereinhalb Jahre. Auch von klassischen Alben – die Älteren unter uns sagen »CD« – wurden 50 Millionen Stück verkauft. In fünf Jahren. Spitzenreiter bei den digitalen Downloads sind Mumford & Sons, Kings Of Leon und Lady GaGa. Das erste Album, das digital mehr als 250.000 mal verkauft wurde, war »Only By The Night« von Kings Of Leon. Inzwischen ist auch »The Fame« von Lady GaGa über der 250.000-Grenze. »Sigh No More« von Mumford & Sons brachte es immerhin auf 131.000 Verkäufe.

Die Allzeit-Bestenliste der digitalen Alben-Verkäufe in Großbritannien:
1. Kings Of Leon: »Only By The Night«
2. Lady Gaga: »The Fame«
3. Florence & The Machine: »Lungs«
4. Lily Allen: »It‘s Not Me It‘s You«
5. Mumford & Sons: »Sigh No More«

Beim Digitalvertrieb schrumpfen die Kosten, und entsprechend steigen die Gewinne. Doch Paul McGuinness ist das nicht genug. Der Manager von U2 rabaukt sich durch die Medien und fordert eine noch härtere und schnellere Bestrafung all derer, die im Internet Musik tauschen. Er geht offenbar von der irrigen Annahme aus, dass jeder getauschte Song ein entgangener Gewinn sei und man nur kräftig draufhauen müsse, um die verlorenen Schäfchen als Kunden in die Online-Shops zu führen.

McGuinness lobt ausdrücklich die Regierungen von Großbritannien und Frankreich, die in Europa für ihre lobbyfreundliche Gesetzgebung zu Gunsten der Musikindustrie bekannt sind. In Frankreich allerdings war das Gesetz, das die abgestufte Online-Sperre für Filesharer bestimmt, im ersten Anlauf vorm Verfassungsgericht gescheitert. Und weder auf EU-Ebene noch im verschwiegenen ACTA-Flüsterkreis ist im Moment eine Mehrheit für die französische Linie zu erkennen. Aber Paul McGuinness wirbelt weiter. Schließlich stehen U2 noch nicht in den Top 5 der britischen Online-Charts. Verdammte Filesharer.

Jürgen Winkler

Der Artikel erscheint in der melodie&rhythmus 5/2010, erhältlich ab dem 2. November am Kiosk oder im Abonnement.

Anzeigen



TOP 10: Juni 2024

Liederbestenliste

Ältere M&R-Newsletter

Aus dem M&R-Archiv

Auf Ostfrontlinie gebracht
Nationalistische Parolen, Geschichtsklitterung, Hassexzesse, sogar Begeisterung für den totalen Krieg – einer wachsenden Zahl von Künstlern und Intellektuellen ist offenbar jedes Mittel recht, um sich der neuen Volksgemeinschaft gegen Russland anzudienen. weiterlesen

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Rudolstadtfestival 2023: Viva Cuba

Fotos von Katja Koschmieder und Jens Schulze weiterlesen

In eigener Sache

Stellenausschreibung
Die Verlag 8. Mai GmbH sucht eine Kulturredakteurin (m/w/d) für die Melodie & Rhythmus

*****************

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt abonnieren

flashback