Melodie & Rhythmus

M&R soll wieder erscheinen


Neustart

Eine revolutionäre Tat

Das deutsche Feuilletonestablishment spendet Beifall für die von der Bundesregierung erzwungene Schließung des Russischen Hauses in Berlin. Die Sprengung der letzten kulturellen Brücken zum neuen alten »Todfeind«: Was die Scharfmacher und Propagandisten für Militarisierung und Aufrüstung als Triumph feiern, ist eine Niederlage für alle, die sich eine menschliche Gesellschaft und friedliche Verständigung wünschen. Womöglich ist es sogar der Auftakt zu einem großen Krieg in ganz Europa.

In dieser düsteren Lage erscheint der bloße Versuch der Wiederbelebung der Melodie & Rhythmus (M&R) fast schon als revolutionäre Tat. Denn laut »Nie wieder Krieg!« zu sagen, gilt in diesem Land mittlerweile als Tabubruch, wenn nicht gar als Hochverrat. Die Verteidigung der Existenz unabhängiger Organe für Kunst und Gegenkultur wie M&R war immer eine Notwendigkeit unter den Vorzeichen der Monopolbildung der Medien- und Unterhaltungskonzerne und der Diktate einer zunehmend aggressiven Meinungsindustrie. In einem Deutschland im (Macht-)Taumel der Kriegszeitenwende muss sie als kulturhistorischer Imperativ für alle fortschrittlichen Kräfte betrachtet werden. Nicht allein, um den mutigen Künstlern, die trotz Schmähungen, Fördermittelentzugs und Auftrittsverbots beharrlich für gerechten Frieden, Sozialismus und perspektivisch für die Assoziation freier Menschen streiten, eine Bühne zu geben. Ideologiekritische Kulturmedien leisten im Kampf um die Köpfe auch einen unverzichtbaren Beitrag dazu, den schon längst nicht mehr heimlichen Aufmarsch der Hasardeure und Nihilisten zu stören. Das muss aber jetzt passieren – bevor wieder »alles in Scherben fällt«.

Daher setzen wir alles daran, die M&R-Redaktion neu aufzubauen und das Magazin im Juni 2027 wieder an den Kiosk zu bringen. Wir haben motivierte junge Kollegen gefunden, mit denen wir das Wagnis eingehen wollen. Damit wäre die erste Hürde genommen. Nicht minder schwer zu überwinden ist die zweite: Wir brauchen ein deutlich größeres zahlendes Publikum, um die drastisch gestiegenen Produktionskosten zu decken, aber auch, um unsere Reichweite zu erhöhen und politische Wirkmacht zu entfalten.

Liebe Leser, für M&R geht es ums Ganze. Unterstützen Sie unser Magazin mit Abonnements, Spenden und Werbung. Ob es einen Neustart geben kann, liegt jetzt vor allem in Ihrer Hand.

Susann Witt-Stahl

Chefredakteurin Melodie & Rhythmus

Wider den Kultus der rohen Gewalt

Zum historischen Auftrag kritischer Kulturmedien in der Kriegszeitenwende

Unsere Lebenswelt wird zu einer Festung ausgebaut. Von der U-Bahn bis zum Pizzakarton: Die Alltagserfahrung verwandelt sich in einen Alptraum in Tarnpolygon, jenem graphisch abstrahierten Flecktarnmuster, das seit 2019 das Corporate Design der Bundeswehr ist. Aber die »Kriegszeitenwende« soll nicht bloß äußerlich vollzogen werden – sie soll die Bevölkerung in kollektive Bombenstimmung bringen.

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Im Sommer 2022 standen wir vor dem Problem, dass die personellen Voraussetzungen für die Weiterführung der Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus fehlten. Weil aber ein Magazin für Gegenkultur in diesen reaktionären Zeiten dringend gebraucht wird, haben wir sie nicht eingestellt, sondern lediglich auf Eis gelegt. Es folgten mehrere Versuche, eine neue Redaktion zusammenzustellen, gelungen ist uns dies aber erst jetzt: Ab November 2026 will ein interessantes Kollektiv unter der Leitung von Susann Witt-Stahl die Arbeit an neuen Ausgaben der beliebten Kulturzeitschrift wieder aufnehmen. Wie weit wir kommen werden, steht allerdings noch nicht fest.

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