Melodie & Rhythmus

Schlachtengesänge statt Friedenshymnen

23.06.2014 14:11

Ukraine
Foto: Stringer/Reuters

Russische Musiker über die Tragödie in der Ukraine und die Hoffnung auf Versöhnung
Feature: John Lütten & Alexandre Sladkevich

Die Proteste auf dem Maidan in Kiew haben einen Ausbruch faschistischer und nationalistischer Gewalt losgetreten, der die Ukraine in eine tiefe politische Krise gestürzt hat. Täglich gibt es neue Meldungen über Tote und Verletzte. Westliche Medien befeuern den Konflikt mit antirussischer Propaganda. Keine Situation, die Anlass zum Singen und Tanzen gibt – oder doch? M&R wollte wissen, was Kulturschaffende in Russland über die ukrainische Tragödie und ihre Auswirkungen denken. Wir besuchten Musiker in Tuapse, Krasnodar, Kubánskaya, Stawropol, Armawir und Apscheronsk.

Was als Widerstand gegen die soziale Spaltung des Landes und die Kleptokratie der Regierung und Oligarchen begann, stellt die Ukraine mittlerweile vor eine Zerreißprobe. Mit der Unterstützung westlicher Regierungen wurde der ukrainische Präsident gestürzt, überall herrscht Chaos im Land. Musiker waren und sind weiter an dem Geschehen beteiligt – als Akteure oder Leidtragende, und als Propagandisten. Indem sie beispielsweise auf dem Maidan nationalistische und antirussische Töne anschlugen. Jedoch ist die ukrainische Kultur eng mit der russischen verbunden – bis hinein in die moderne Popmusik. Könnten also Kunst, Musik und Folklore einen Beitrag zum Frieden, zur Verständigung und Solidarität leisten?

Sergej Kalitenko aus der südrussischen Hafenstadt Tuapse bereiten die jüngsten Entwicklungen in der Ukraine große Sorgen. Er spielt Synthesizer in der Rockband Tornado, die klassische Gruppen wie Deep Purple, Led Zeppelin oder Pink Floyd covert und in der Region regelmäßig in ausverkauften Hallen spielt. Für den Bandleader und ausgebildeten Pianisten ist klar, dass es der Putschregierung und den mit ihr verbündeten Oligarchen vor allem um den Erhalt und Ausbau der eigenen Privilegien geht:
»Ich habe ein schlechtes Gefühl zu dem Geschehen in der Ukraine. Angesichts der Zerrüttung und des Zerfalls des Landes eroberte eine Bande von Opportunisten die Macht. Dabei nutzten sie die radikal nationalistischen Ideen der Massen. Ich bin der Meinung, dass das der Ukraine nichts Gutes bringen wird.«

Noch deutlicher wird Michail Iljin, Bassist der vierköpfigen Instrumental-Rockband Quits, ebenfalls aus Tuapse. Die vier Musiker präsentieren eine Mischung aus Progressive Rock und Fusion und wollen niemandem etwas schuldig bleiben. Nach seiner Meinung über die Nachfolger der Janukowytsch-Regierung gefragt, nimmt Michail kein Blatt vor den Mund:
»Diese Verbrecher nutzten die nationalistische Stimmung in der Westukraine und die allgemeine Armut der Menschen aus und rissen mit Hilfe der Fanatiker die Macht an sich.«

Eine gänzlich andere Sicht der Dinge vertritt Igor Tichij, der in der Großstadt Krasnodar im Süden Russlands lebt und zur Zeit der sowjetischen Perestroika anfing, Schallplatten aus Moskau in die Stadt zu bringen.

Den kompletten Artikel lesen Sie in der M&R 4/2014, erhältlich ab dem 27. Juni 2014 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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