Melodie & Rhythmus

Dagegen!

28.02.2012 14:08

Frau Potz

Frau Potz sind mächtig angekotzt. Das macht sie sehr sympathisch.
Text: Christoph Schrag, Foto: Svenja Klemp

Tapfer, sehr tapfer, unterdrückt die PR-Abteilung der Band das Wort »Turbostaat« in der Anpreisung des Debüt-Albums von Frau Potz. Dabei springt es einem schon aus dem ersten Takt geradezu ins Gesicht. Und es tut ja auch gar nicht weh, das zu sagen, woran alle denken werden. Turbostaat. So. Schon vorbei. Aber die Vermeidung zeigt natürlich Haltung. Nur, der schiere Grad der Tapferkeit im Pressetext lässt sich erst so richtig ermessen, wenn man weiß, dass Frau Potz nicht nur vom Klang her an die Jungs aus Kiel erinnern und an deren letzten großen Album-Wurf »Vormann Leiss«. Nein, darüber hinaus geben sie hin und wieder gemeinsam Konzerte, und sie haben beide auch noch ihre Wurzeln in Husum, gehören also einer Gegend an, bei der alles gesagt ist, wenn es einfach nur heißt: »Im Norden«.

Frau Potz gibt es schon seit 2007, gegründet von Sänger und Gitarrist Felix Schönfuss und Bassist Hauke Röh. In ihrer heutigen Dreier-Besetzung hat sie sich vor etwa drei Jahren zusammengefunden. Allerdings musste sie für einen großen Batzen Zeit ein Dasein als Nebenprojekt fristen. Gerade als der Schlagzeuger Jens Balkowski (mit dem fantastischen Künstlernamen Kerli Kawumski) einer anderen Band abspenstig gemacht wurde, begann Sänger Felix eine Beschäftigung am Mikro der sehr angesagten Band Escapado. Schlechtes Timing. Escapado waren bei Thees Uhlmanns Label Grand Hotel Van Cleef unter Vertrag und spielten damit in einer Liga, die kaum Kompromisse zulässt. Frau Potz gaben Konzerte und veröffentlichten hier und da Songs, aber sie waren die Nummer Zwei. Bis Ende des vergangenen Jahres, als sich Escapado plötzlich auflösten. Auch wenn nun nicht die eine Band gehen musste, damit die andere kommen konnte, ist bei Frau Potz inzwischen doch ein anderer Druck zu vermerken. Videodreh, Albumrelease, Tourplanung – alles auf einmal, nach Jahren des stetigen Klein- Kleins.

»Frau Potz lehnt dankend ab« ist ein Albumtitel gewordener Euphemismus für die grundlegende Einstellung, mit der man es in ihrer Musik zu tun hat. Soweit nicht ausdrücklich anders angegeben, ist erst mal davon auszugehen, dass Frau Potz angekotzt sind. Von opportunistischer Hipness, von jammernden deutschen Indiebands, aber auch von hartnäckigeren Übeln wie der Individualisierung, dem falschen Leben oder Musikkritikern. Ist die Platte einmal eingelegt, teilt sich die Welt in Wir und Die Anderen. Und das, obwohl die drei Jungs in Jeans und Karohemden oder Kapuzenjacken gar nicht so aussehen, als stünden sie in einem so eigenen Kosmos. Aber in ihrer Musik entfesseln sie eine Energie, die einem unversehens ein »Ihr habt Recht!« entlockt – und schwupps, ist man eingenommen.

Was ihnen bei der Eroberung hilft, ist, dass es sich hier nicht um bloße ziellose Wut handelt, sondern um sehr klar gerichteten Zorn. Dem kann man sich schon auf ihrem Album nur schwer entziehen. Und wohl umso weniger, wenn Frau Potz uns im Frühjahr persönlich anschreien kommen, auf ihrer Tour zum Debüt-Album. Wer könnte das, wenn auch dankend, ablehnen?

Frau Potz lehnt dankend ab
Delikatess Tonträger/Broken Silence
fraupotz.blogsport.de

Den kompletten Beitrag lesen Sie in der Melodie&Rhythmus 2/2012, erhältlich ab dem 2. März 2012 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch hier bestellen.

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