Melodie & Rhythmus

Aktuelle Ausgabe


MR-2-2019

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Editorial

Vollendeter Irrsinn

Die Weltkriege hatten mit ihrem entfalteten Massenvernichtungspotenzial bei vielen Künstlern und Intellektuellen blankes Entsetzen ausgelöst. »Der Krieg ist der Vater allen Rückschritts«, notierte der Schriftsteller Arnold Zweig 1957 Aber erst in unserer Gegenwart kommt die ganze Wahrheit seiner Feststellung richtig zur Geltung: weiterlesen

Magazin

Dem Buchenwald-Schwur verpflichtet
Das antifaschistische Kollektiv Straight Ahead Crew kämpft für eine klassenbewusste populäre Gegenkultur – im Mai steht ein großes Festival an

Sie organisieren bereits seit mehr als zehn Jahren in Südbaden Konzerte, mit »Straight Ahead« haben die Freiburger nun für den 3. bis 4. Mai 2019 ein zweitägiges Festival auf die Beine gestellt, das weit über die Region hinaus Strahlkraft hat. Die britische Sharp-Oi-Legende Roddy Moreno ist das Zugpferd im Line-up. weiterlesen

Kein Zufluchtsort für humanistisches Judentum
Der israelische Filmregisseur Udi Aloni erhebt schwere Vorwürfe gegen Berlins Kultursenator Klaus Lederer

Ein von der taz zitiertes Schreiben mit der Forderung nach Streichung von deutschen Geldern u.a. für Kultureinrichtungen, von denen angeblich »Anti-Israel-Aktivitäten« ausgehen, sorgte Ende 2018 für Schlagzeilen. Nicht zuletzt weil es von der israelischen Regierung, zumindest aus regierungsnahen Kreisen, stammte (der genaue Absender konnte nicht ermittelt werden) und weil darin sogar das Jüdische Museum in Berlin und das Filmfestival Berlinale genannt wurden. weiterlesen

Uploadfilter gegen kritische Kunst und Gegenkultur
Die EU-Copyright-Reform befördert Eindimensionalisierungsprozesse im Internet

Mit ihrer geplanten Urheberrechtsreform haben sich das EU-Parlament und Vertreter der Mitgliedsstaaten mit dem umstrittenen Artikel 13 auf ein Vorgehen geeinigt, das für kritischen Journalismus und Gegenkultur in Europa gravierende Folgen haben könnte. Die Betreiber von Webseiten oder Apps, auf denen Nutzer Beiträge veröffentlichen können, stehen jetzt vor einem großen Problem: Um nicht für Verletzungen geistiger Eigentumsrechte belangt zu werden, müssen sie präventive Maßnahmen ergreifen. weiterlesen

Kunst & Künstler

0006Unverschämt und respektlos
Sleaford Mods stehen für eine konfrontative proletarische Punk-Kultur

Der Schlachtruf der klassenbewussten Punks »Eat the Rich!« aus den 70er- und 80er-Jahren ist längst verhallt. Es herrschen Konsumterror, Ohnmacht und Selbstentfremdung, und die Reichen fressen uns alle auf, meint Jason Williamson. M&R traf den Frontmann der Sleaford Mods in Berlin zu einem Gespräch über ihr neues Album »Eton Alive« und die Klassenfrage in der populären Kultur. weiterlesen
Foto: Roger Sargent

Mit der Waffe des Humors
0015Der Kabarettist Christoph Sieber entlarvt die Lüge der Alternativlosigkeit und falsche Alternativen – nicht ohne kritischen Blick auf sich selbst und sein Publikum

Christoph Sieber nimmt Politik persönlich. Mit seinem neuen Programm »Mensch bleiben« widmet er sich den Befindlichkeiten und Neuralgien der Gesellschaft. Dabei will er nicht nur über die üblichen Verdächtigen herziehen, sondern auch sich selbst und die Zuschauer mit unbequemen Fragen konfrontieren. M&R sprach mit ihm über Wut, Witze und Werte. weiterlesen
Foto: Null Problemo

Doppelte Zerrissenheit
Der Schriftsteller Mesut Bayraktar will die Literatur von den Marktplätzen (zurück) auf die Felder des proletarischen Klassenkampfs treiben

Er will Kafka und Brecht, Dostojewski und Piscator zusammenbringen. »Es ist ein Echo meiner Klasse«, sagt Mesut Bayraktar über sein Werk. Als Sohn einer türkischen Gastarbeiterfamilie habe er erlebt, dass seine Klasse »die besiegte« ist, in der »die Macht der Sprachlosigkeit die Ohnmächtigen beherrscht«. Bücher gab es bei dem 1990 in Wuppertal geborenen Schriftsteller zu Hause nicht: »Meine Mutter ist Analphabetin, nach wie vor, Literatur war ein Fremdwort.« weiterlesen

»Bella Ciao« auf Farsi
Der afghanische Singer-Songwriter Shekib Mosadeq kämpft mit seinen Liedern an zwei Fronten gegen einen Feind

Nur acht Jahre ohne Krieg. Shekib Mosadeq hat in seinen 36 Lebensjahren nie wirklich einen zivilgesellschaftlichen Alltag kennengelernt. Und auch heute noch, im sicheren Deutschland, lassen ihn Zerstörung und Elend in seiner Heimat Afghanistan nicht ruhen. Das Grauen durchzieht seine Liedtexte, die Trauer schwingt in jeder seiner Melodien mit. »Der Deserteur« hat er sein aktuelles Album genannt. weiterlesen

Titelthema: Kriegspropaganda

»Der Mars greift an«
Vor 20 Jahren begann der NATO-Krieg gegen Jugoslawien. Vorbereitet wurde er mit Propaganda einer besonders perfiden Art

Propaganda ist vorgetäuschte, inexistente Wirklichkeit. Sie wird meist nur kurzzeitig zur Wahrheit erklärt, kann sich als solche aber auch längerfristig etablieren, pseudohistorisch sozusagen – wie im Fall des Jugoslawien-Kriegs, der vor 20 Jahren vom Zaun gebrochen wurde. Die Namen der Anstifter sind bekannt, doch wurde niemals je, zumindest nicht von offizieller Seite, auch nur in Erwägung gezogen, sie vor ein Tribunal zu stellen. Das haben die Täter schließlich selbst eingerichtet. weiterlesen

»Russland ist eine fleischfressende Maschine«
Literaten als Voice of America für eine Eskalationspolitik gegen den alten und neuen Erzfeind

Die Indizien mehren sich, dass die Welt am Rande einer atomaren Katastrophe steht. 2016 bekräftigte die NATO ihre Erstschlagdoktrin gegen Russland, 2018 kündigten die USA das mehrseitige Nuklearabkommen mit dem Iran, im Herbst vergangenen Jahres erklärte Donald Trump, er habe entschieden, aus dem INF-Vertrag zu landgestützten Mittelstreckenraketen auszutreten. weiterlesen

Gegen geistige Mobilmachung
Foto: Picture-Alliance / ImagnoKarl Kraus stellte die Kriegstreiber in der schreibenden Zunft bloß, indem er sie wortgetreu zitierte

»Wer vor gewissen Dingen seinen Kopf nicht riskiert, der hat keinen zu riskieren«, stellte Karl Kraus 1915 in seinem Vortrag »Schweigen, Wort und Tat« fest. Dass er nicht zu den Kopflosen gehörte, musste er kaum mehr beweisen. Seit 1899 − da war er 25 Jahre alt − erschien die satirische Zeitschrift Die Fackel, deren alleiniger Autor er ab 1912 war und die bis zu seinem Tod 1936 insgesamt 922 Ausgaben mit 22.500 Seiten zählte. weiterlesen
Foto: Picture-Alliance / Imagno

Werke

Die Absurdität des Krieges zeigen
Nihad Nino Pušija will das Marginalisierte abbilden, Zusammenhänge sichtbar machen und Hintergründe beleuchten

Nihad Nino Pušija, 1965 in Sarajevo geboren, arbeitet seit 1986 als Fotograf. Seine Bilder wurden in Büchern, Magazinen und Katalogen publiziert und waren in diversen Ausstellungen zu sehen, unter anderem im Roma-Pavillon auf der Biennale. Er war 1992 als Fotograf im Bosnien-Krieg im Einsatz, bevor er über die Balkanroute nach Berlin floh, wo er seitdem lebt. weiterlesen

Kritik & Reflexion

Vorbereitung des Kommunismus
Dietmar Dath zur Neuveröffentlichung von Ronald M. Schernikaus »legende«

Kurz bevor er 1991 jung verstarb, vollendete der Schriftsteller und Kommunist Ro-nald M. Schernikau (s. Foto), der sich 1989 in die DDR hatte einbürgern lassen, seinen letzten Roman, »legende«. Erscheinen konnte das montagehafte 1.300-Seiten-Werk erst 1999. Schnell war die Auflage vergriffen. 20 Jahre später wird das Opus magnum des »letzten normalen Menschen« (Peter Hacks) nun neu veröffentlicht – ein vorzüglicher Anlass für M&R, mit Schernikau-Verehrer Dietmar Dath über das Werk und seinen Verfasser zu reden. weiterlesen

Gedankenflucht aus dem Gefängnis
Der Theaterregisseur Volker Lösch über Ahmet Altans »Ich werde die Welt nie wiedersehen«

Dieses Buch trifft einen wie ein Schlag. Seine Kraft erschüttert und ermutigt gleichermaßen. Sein Autor Ahmet Altan, ein erfolgreicher und prominenter türkischer Journalist und Schriftsteller, sitzt mit 69 Jahren, zu »lebenslänglich« verurteilt, in der Türkei im Gefängnis. Seit dem Juli 2016 geht der Machtapparat Erdog˘ans gnadenlos gegen Oppositionelle, kritische Intellektuelle und angebliche Systemfeinde vor. weiterlesen

Politische Kultur & Zeitgeist

Die US-Invasion zurückschlagen!
Venezolanische Künstler verteidigen die Bolivarische Revolution

Der von den USA orchestrierte Putschversuch hat die schwere weltweite Krise des kapitalistischen Systems, von der auch Venezuela betroffen ist, aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt. Die venezolanische Opposition und der US-Imperialismus versuchen, die Bolivarische Revolution auf diplomatischer Ebene und mit Appellen an die Streitkräfte ein für alle Mal zu besiegen. weiterlesen
Foto: Reuters / Manaure Quintero

Verwirklichung eines unglaublichen Traums
Vor 50 Jahren gründete Cornelius Cardew das Scratch Orchestra – ein revolutionäres Projekt

Cornelius Cardew wurde in der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember 1981 in London von einem Auto überrollt. Der Mann, der den Wagen mit hoher Geschwindigkeit in die falsche Richtung einer Einbahnstraße gelenkt hatte, beging Fahrerflucht. Cardew lief in dieser klirrend kalten Nacht der vereisten Bürgersteige wegen mitten auf der Fahrbahn. weiterlesen

»German McCarthyism«
blacklistingDiffamierung und Entzug der Auftrittsmöglichkeiten: Deutsche Politiker und eine rechtsopportunistische Techno-Club-Szene gehen mit rabiaten Methoden gegen internationale palästinasolidarische Künstler vor

Der britische DJ Ben UFO trat am 12. September 2018 in der deutschen Club-Szene eine heftige Auseinandersetzung los, als er bei Instagram eine unscheinbare Grafik postete. »Solange die israelische Regierung ihre brutale und anhaltende Unterdrückung der Palästinenser fortsetzt, respektieren wir deren Aufruf zum Boykott Israels, um friedlich gegen die Besatzung zu protestieren. #DJsForPalestine«, war darauf zu lesen. weiterlesen
Foto: gemeinfrei

M&R-Künstler-Konferenz

Der Begriff »Gegenkultur« entstammt einer linken Tradition. Der M&R-Entwurf eines Manifests für Gegenkultur, den wir in M&R 1/19 veröffentlicht haben, war ein Versuch, ihm ideologiekritische Konturen zu geben und ihn historisch zu erden. Vor dem Hintergrund der Faschisierung, zumindest Rechtsentwicklung der westlichen Welt (wie sie sich aktuell dramatisch in Südamerika vollzieht), die von der Beschwörung eines »Kampfes der Kulturen« begleitet wird, soll er noch mehr ein Fanal sein. »¡No Pasarán!« − der Imperativ der antifaschistischen Internationale muss nicht nur auf der Straße, auch auf den Theater- und Konzertbühnen wirkmächtig sein. Es ist Zeit, dass fortschrittliche Künstler und Intellektuelle sich organisieren und zusammenstehen. weiterlesen

Standpunkte

Krieg als Betriebssystem
Agenda Aufklärung wider den reaktionären Zeitgeist. Wir geben uns die Ehre und bitten Künstler und Intellektuelle zum Kritischen Duett mit der M&R-Redaktion zu einem aktuellen Thema.

Der Komponist und Filmemacher Christian von Borries sorgt mit seinen Arbeiten seit mehr als 20 Jahren für Irritationen im Kulturbetrieb. Ausgehend von klassischer Musik und der Infragestellung ihrer Aufführungspraxis interveniert er mit seinen multimedialen Arbeiten an verschiedenen Orten und in verschiedenen Zusammenhängen. Dabei etabliert von Borries einen technologisch-materialistischen Blick auf die Gegenwartskultur, immer darum bemüht, den Wahnsinn im medialen Zeitalter zu lokalisieren. Das Gespräch führte Bastian Tebarth. weiterlesen

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Aktuelles

Kämpfen lohnt!
Das nächste Heft von Melodie & Rhythmus ist ab 14. Dezember am Kiosk erhältlich
17.11.2018
Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus erscheint weiter
Mit einer Crowdfunding-Kampagne schaffen Lesende, Künstler und Verlag Voraussetzungen für die nächsten Ausgaben
29.06.2018
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Bereits 554 Abos für Melodie & Rhythmus – Solikonzert am 22. Juni in der Berliner Wabe
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Gegen den Massenbetrug Die Waffe der Ideologiekritik braucht ein Magazin
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Melodie & Rhythmus retten – 1.000 Abos jetzt! jW, 31.03.2018
Sterben Musikzeitschriften aus? Krise und Umbruch
„Musikforum“, „Melodie & Rhythmus“ und die „Österreichische Musikzeitschrift“ - drei traditionsreiche Magazine werden sicher oder möglicherweise eingestellt. Sterben Musikzeitschriften aus? Und liegt die Rettung im Internet? Jan Ritterstaedt hat sich umgehört.
SWR, 22.02.2018

Auslaufmodell Gegenkultur? Zum drohenden Ende von Melodie & Rhythmus
Interview von Deutschlandfunk Kultur mit M&R-Chefredakteurin Susann Witt-Stahl
21.02.2018, mp3

Wundertäter gesucht
Wie Melodie & Rhythmus als Magazin für Gegenkultur doch noch fortgeführt werden könnte
27.01.2018

Treibstoff für große Anstrengungen
Aufgeben – das ginge gar nicht in Zeiten des aufhaltsamen Aufstiegs der AfD und anderer rechter Demagogen, meinen fast alle, denen M&R etwas bedeutet.
27.01.2018

Auf Eis gelegt
Die Produktion von Melodie & Rhythmus, Magazin für Gegenkultur, wird vorerst eingestellt. Einnahmen reichen nicht, um hohe inhaltliche Ansprüche auf Dauer zu finanzieren.
06.01.2018

Zur Ästhetik der Großen Weigerung
Warum eine Gegenkultur auf historisch-materialistischer Basis alternativlos ist
06.01.2018

Pressemitteilung:
Zeitschrift Melodie & Rhythmus vor dem Aus?, 05.01.2018