Melodie & Rhythmus

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Editorial

Vollendeter Irrsinn

Ein gesenktes Haupt wird nicht abgehauen. So lautet ein türkisches Sprichwort. Es erklärt, warum unter den Militärregierungen in der Vergangenheit und heute unter Erdoğans konservativ-islamischer Präsidialdiktatur so viele »Köpfe rollen«, Revolutionäre und andere Oppositionelle im Gefängnis landen, gefoltert, sogar ermordet werden: Offenbar sind viele trotz der nicht enden wollenden Repressionswellen unbeugsam geblieben. weiterlesen

Magazin

Let’s Lynch the Corporate Business
Berthold Seliger durchleuchtet die zerstörerischen Machenschaften großer Finanzakteure in der Konzertbranche

Seitdem der Tonträgermarkt nahezu zusammengebrochen ist, sucht die Musikindustrie händeringend nach neuen Geschäftsmodellen. Es wird zwar wieder Geld mit Streamingdiensten verdient, sattes Wachstum findet aber in den letzten Jahren vor allem im Konzertgeschäft statt. Neben den Musikfans, die irrsinnig überteuerte Tickets kaufen müssen, um ihre Stars live erleben zu dürfen, sind die unabhängigen Kulturschaffenden und -veranstalter die Leidtragenden dieser Entwicklung. weiterlesen

008Deutsche_PostDie Deutsche Post bringt unabhängige Verlage in Bedrängnis
Mit weiteren Preiserhöhungen schadet der Konzern nun dem Kulturgut Buch

Die Deutsche Post AG setzt erneut mit einer Preiserhöhung vor allem kleine Verlage unter Druck. Innerhalb kurzer Zeit erhöht der Konzern bereits zum zweiten Mal das Porto für Büchersendungen: Kosteten diese bis zu einem Gewicht von 500 Gramm vor einem Jahr noch 1-Euro, muss der Kunde ab dem 1. Juli 1,90 Euro berappen. weiterlesen
Foto: Montage / dpa / Monika Skolimowska

Feiern gegen Auftrittsverbote
Das »Ausgeladen Festival« setzt ein Zeichen gegen antilinke Sanktionen in der Musikszene

Ende September wird in dem Klub headCRASH auf St. Pauli in Hamburg gegen Auftrittsverbote für linke Künstler gerappt und gerockt. Das »Ausgeladen Festival« soll Musiker zusammenbringen, die in der Vergangenheit von »antideutschen« Veranstaltern der autonomen Szene gemobbt wurden oder ein Zeichen gegen deren rechtsopportunistische Politik setzen wollen. weiterlesen

Kunst & Künstler

ErichHacklDas bisschen Glück
Erich Hackl würdigt Freunde, Vorbilder und Weggefährten

Nachdem er 2018 mit seinem Widerstandsroman »Am Seil« einen großen Erfolg gefeiert hat, versammelt Erich Hackl in einem neuen Band »Im Leben mehr Glück« Schriften und (Dankes-)Reden aus den vergangenen 30 Jahren. Der österreichische Schriftsteller, der in Wien und Madrid lebt, hat sie Menschen gewidmet, die Farbe bekannt und der konkreten Utopie der befreiten Gesellschaft die Treue gehalten haben. M&R sprach mit ihm über das Unglück des Linksseins heute und seine Reaktion als Intellektueller auf die Dringlichkeit des Neuen. weiterlesen
Foto: Maurice Haas / Diogenes Verlag

Gegen die Internalisierung des toxischen Systems
Die Poetin und Rapperin Kate Tempest ergründet mit ihrem neuen Album die Tiefendimensionen des Kapitalismus

Mit ihrer Sprachkunst hat sich die 33-jährige Britin Kate Tempest über Grenzen des Kulturbetriebs hinweggesetzt. Als Rapperin hat sie nun ihr drittes Album »The Book of Traps and Lessons« herausgebracht, als Dichterin bereits drei Lyrikbände publiziert und renommierte Auszeichnungen erhalten. Auch ihr Roman und ihre drei Theaterstücke waren Erfolge. Im Gespräch mit M&R gewährt sie Einsichten in ihre politische Philosophie. weiterlesen

016Jilet_AyseVoll krass
İdİl Baydar hält Deutschland mit ihren Türken-Klischees humorvoll den Spiegel vor – kein schöner Anblick!

Unverblümt, laut, komisch, intelligent und treffsicher in ihren Analysen des Zusammenlebens zwischen Türken und Deutschen: Jilet Ayşe ist »ghettolektuell«. So lautet auch der Titel des zweiten Jilet-Soloprogramms der Schauspielerin und Kabarettistin İdil Baydar. M&R traf sie vor ihrem Gastspiel bei der Deutsch-Türkischen Kabarettwoche in Stuttgart zum Gespräch. weiterlesen
Foto: Xamax

Titelthema Türkei

Von Atatürk bis zur islamistischen Restauration
Der Kampf des Kemalismus gegen den Islam um kulturelle Hegemonie hat im 20. Jahrhundert einen tiefen Riss in der türkischen Gesellschaft aufklaffen lassen. Heute versucht Erdoğans AKP vergeblich, ihn mit einer religiös verbrämten neoliberalen Ideologie zu kitten

Er gilt in der Türkei als Gründer der bürgerlichen Republik: Mustafa Kemal Pascha, später Atatürk, war ein Offizier im Heer des Osmanischen Reiches. Insbesondere auf seinen militärisch-diplomatischen Missionen in Europa hatte er die politischen Ideen der Französischen Revolution verinnerlicht und sich auch intensiv mit der Philosophie der Aufklärung, dem Laizismus sowie der Kunst und Kultur in der westlichen Welt auseinandergesetzt. weiterlesen

Erdoğans »Kulturkrieg«
Wie der türkische Staat kritische Medien, Intellektuelle und Kunstschaffende zum Schweigen bringt
026Internationaler_Tag
Die aktuelle Diskussion über den Kampf um kulturelle Hegemonie in der Türkei begann 2017 mit einer Äußerung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan: »Wir sind seit 14 Jahren ununterbrochen an der Macht. Aber wir haben noch immer nicht die Herrschaft im sozialen und kulturellen Bereich errungen.« Für islamistische Zirkel stellt Kultur eine institutionelle Landschaft dar, die es zu erobern gilt. Das Ringen um die kulturelle Deutungshoheit wird zu einem Anliegen der nationalen Sicherheit erhoben: »Fremde« und »elitäre« Elemente bedrohen angeblich die »heimischen« Kräfte. weiterlesen

»Brüderlich wie ein Wald«
Der Einfluss der Künste bei der Formierung von Widerstand in der Türkei durch 100 Jahre Geschichte – Eine Spurensuche

In die Türkei zu reisen, war – und ist! – mit vielerlei Risiken verbunden. Dort zu leben erst recht. Kritische Geister hatten es immer schwer an Bosporus und Tigris, und die Künste standen unter besonderem Druck. Einem Katalysator gleich waren sie dazu in der Lage, schlummernde Energien in Rebellionen zu verwandeln – und dabei ihren Produzenten zugleich selbst neue Kraft zu geben. weiterlesen

Werke

044_logoDen Abgrund sichtbar machen
Yücel Tunca hat die Gezi-Proteste an vorderster Front begleitet. Mit seiner Kamera versucht er, das zerstörerische Wesen des Kapitalismus zu ergründen

Yücel Tunca, 1966 in Diyarbakır geboren, hat über 20 Jahre als Fotojournalist für türkische Medien gearbeitet, u.a. für die linke Tageszeitung Evrensel. Er lehrte an der Marmara-Universität Istanbul, war Mitbegründer von Galata Fotoğrafhanesi und Fotoğraf Vakfı und Mitglied des Kollektivs Red Fotoğraf. Nebenbei organisierte er in der Türkei internationale Fotografie-Festivals. weiterlesen

Eli-ValleyTanz auf dem Minenfeld
Eli Valley parodiert die Irrungen und Wirrungen der zionistischen Ideologie und deren antisemitische Bewunderer

Die Karikaturen des US-amerikanischen Künstlers Eli Valley sind keine leichte Kost. Als Sohn eines Rabbiners spießt er mit seinen Werken regressive Entwicklungen in der eigenen jüdischen Gemeinschaft auf, etwa die Kollaboration ihrer Repräsentanten mit neofaschistischen und anderen antisemitischen Kräften. Der 48-jährige New Yorker arbeitete einige Jahre als Redakteur für Contact, eine Zeitschrift über jüdisches Leben in den USA. Heute zeichnet er Cartoons für The Guardian, The Nation, The New Republic, +972 Magazine, The Daily Beast und die jiddische Zeitung The Forward. 2017 veröffentlichte er sein erstes Buch »Diaspora Boy: Comics on Crisis in America and Israel«. M&R sprach mit Eli Valley über politische Kunst, jüdische Identität und das Verhältnis zwischen Zionismus und Antisemitismus. weiterlesen
Foto: Loubna Mrie

Kritik & Reflexion

»Rammbock gegen die Linke«
Claus Ludwig nimmt die politisch motivierte Verdrehung des Antisemitismusbegriffes unter die Lupe

Ist Judenhass heute vor allem ein Problem der Linken und der Muslime, wie einige Rechte und die Mainstream-Medien behaupten? Und wie ist es zu erklären, dass immer mehr Juden, die die israelische Besatzungspolitik kritisieren, als Antisemiten diffamiert werden? Diesen und weiteren Fragen geht Claus Ludwig, Publizist und aktiv in der Partei Die Linke in Köln, in seinem Buch »Antisemitisch?! Gegen antideutsche Mythen und die Umdeutung des Begriffes« nach. M&R sprach mit ihm über die Neudefinition des Antisemitismus, die politischen Beweggründe und die Folgen. weiterlesen

Politische Kultur & Zeitgeist

088Im Würgegriff von Darth Vader
Das Imperium propagiert das Sanktionsregime gegen Venezuela mit einer Kombination aus Neusprech und Mordsprech

Eine »erweiterte Form des ›Macht-Griffes‹«, erläutert »Jedipedia. Das Star-Wars-Wiki«, sei der »Macht-Würgegriff«. Macht wiederum sei »ein Energiefeld, das alle lebenden Dinge erzeugen«, so die Definition der Merchandisingseite mit Universallexikon-Anspruch. »Es umgibt uns, es durchdringt uns. Es hält die Galaxis zusammen.« weiterlesen
Foto (Montage): dpa – Bildfunk / cc-by-sa-3.0:commons.wikimedia.org/wiki/file:john_r._bolton,_us_diplomat_2008.jpg

»Marx’sche Theorie in ihren tiefsten Intentionen«
Der Mitbegründer der Frankfurter Schule hielt bis zum Schluss an seiner radikalen Kritik am Spätkapitalismus fest

Kurze Zeit nach Theodor W. Adornos Tod am 6. August 1969 gab Herbert Marcuse ein Interview zum Andenken an seinen Freund und Kollegen. Er hatte sich zu diesem Gespräch nicht zuletzt mit dem Ziel bereit erklärt, die falsche Deutung der zwischen Adorno und ihm zuletzt aufgetauchten Differenzen aus der Welt zu räumen. Er betonte die nie erschütterte Gemeinsamkeit und Solidarität, die es zwischen ihnen gegeben habe. weiterlesen

»… Auch eine Frage der Liebe«
Im Befreiungskampf und gesellschaftlichen Aufbruch in Nicaragua standen Literaten und andere Künstler an vorderster Front

Zwei Jahre hatte der schmutzige Krieg gegen Nicaraguas Zivilbevölkerung gedauert, bevor das diktatorische Regime um Anastasio Somoza Debayle im Juli 1979 endlich gestürzt wurde. Auf den Sieg der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) folgte ein umfassender gesellschaftlicher Aufbruch. weiterlesen

Standpunkte

Rettung der Besiegten
111enzo-traversoAgenda Aufklärung wider den reaktionären Zeitgeist. Wir geben uns die Ehre und bitten Künstler und Intellektuelle zum Kritischen Duett mit der M&R-Redaktion zu einem aktuellen Thema.

Der italienische Historiker Enzo Traverso ist in Deutschland vor allem durch seine kritischen theoretischen Abhandlungen über die Moderne, Gewalt und Faschismus, die Geschichte der Juden in Europa und der Linken bekannt. Sein 2019 erschienener Band »Linke Melancholie. Über die Stärke einer verborgenen Tradition« nötigt geradezu dazu, endlich einmal über die kollektive Trauer-Verarbeitung der Linken nach ihren schweren Niederlagen unter der bürgerlichen Herrschaft zu reden. weiterlesen
Foto: Cornell University

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Berichte von der Künstler-Konferenz

123314 »Nie wieder schweigen«
Rechtsruck, widerständige Kunst, Erinnerungskultur: jW-Bericht von der Künstlerkonferenz von Melodie & Rhythmus am Samstag im Heimathafen Berlin-Neukölln
jW, 11.06.2019
M&R-Künstlerkonferenz eröffnet
Eindrücke vom Auftakt im Berliner »Heimathafen Neukölln«
jW, 08.06.2019
»Wehe dem, der mit einfachen Worten die Wahrheit sagt!«
Am Vormittag der Melodie & Rhythmus-Künstlerkonferenz wurde über Rechtsruck und Medienmacht diskutiert
jW, 08.06.2019
Kunst als Ware und Nicht-Ware
Der zweite Teil der Künstlerkonferenz von Melodie & Rhythmus drehte sich um Konformes und Widerständiges in der Kunst
jW, 08.06.2019
»Nie wieder Schweigen!«
Das vierte und letzte Podium der Künstlerkonferenz befasste sich mit Erinnerungskultur.
jW, 08.06.2019
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