Melodie & Rhythmus

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Magazin

»Gegen Antisemitismus«?
Die Amadeu Antonio Stiftung Hand in Hand mit israelischen Rechten gegen internationale Emanzipationsbewegungen und jüdische Linke

Im November 2021 luden lokale Organisatoren die israelische Siedleraktivistin Sara Haetzni-Cohen zu einem Vortrag nach Kiel ein. Die Veranstaltung sollte im Rahmen der »Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus« der Amadeu Antonio Stiftung (AAS) stattfinden, die vorwiegend vom Bundesfamilienministerium finanziert wird. Haetzni-Cohen wollte Aufschluss darüber geben, »wie Deutschland Antisemitismus in Nahost fördert« (ihr Vortrag wurde dann wegen Krankheit abgesagt). weiterlesen

Kunst & Künstler

Everlasting Lovekb kuerzer
Kenneth Branagh bringt mit seinem neuen Spielfilm »Belfast« eine große Liebeserklärung auf die Leinwand – nicht nur an seine Heimatstadt. M&R traf den Regisseur und Schauspieler in Hamburg

Im Spätsommer 1969 hat die Eskalation des Nordirlandkonflikts Belfast erreicht. Aber der neunjährige Buddy, seine Eltern und sein Bruder Will genießen in der Arbeitersiedlung, in der sie wohnen – in Sandy Row oder sonstwo, der Ort ist nicht genau bestimmt –, noch ein recht unbeschwertes Leben. Hinter den Dächern der Häuserblocks sind die Kräne von großen Werften wie Harland & Wolff zu sehen, wo 1911 die Titanic vom Stapel gelaufen war. Die Entbehrungen und die Enge in den kleinen dunklen Wohnungen und Hinterhöfen, wo sich vorwiegend die Väter vor den Toilettenhäusern zum gemeinsamen Heimwerken, Rauchen und Bereden von »Männersachen« treffen, haben die Menschen zu einer solidarischen Gemeinschaft zusammengeschweißt. weiterlesen
Foto: Kelvin Boyes / Press Eye

Auf dem Poetenweg am Spätsommerabend
Hannes Waders Werk wurde ein Denkmal gesetzt. Er bedankt sich mit einem besonderen Livealbum

Wir brauchen neue Lieder, neu beschriebene Blätter, forderte einst Hannes Waders Bruder im Geiste: Franz Josef Degenhardt oder »Karratsch«, wie der vor nun zehn Jahren verstorbene Liedermacher und Literat genannt wurde, hatte sicher recht – damals, 1972, als der Aufbruch zu neuen Ufern zu stocken begann. »Diese himbeerrote Reise ist jetzt auch vorbei«, wie es in seiner »Nostalgia« heißt. Neue Lieder gab es zwar im vergangenen halben Jahrhundert – auch viele gute –, aber die Gesellschaft hielt nicht Schritt mit ihnen. Kommerz und Berufsverbote besorgten den Rest. weiterlesen

Verteidigung der Würde
Srdan Golubovićs Sozialdrama über den einsamen Kampf eines Vaters um Gerechtigkeit

Der serbische Regisseur Srdan Golubović widmet sein Filmschaffen den Verwerfungen in der posttitoistischen Gesellschaft: Krieg, Profitgier und die soziale Kälte des Neoliberalismus sind zentrale Themen seiner Arbeiten. In seinem neuen Film »Otac – Vater« erzählt er nach einer wahren Begebenheit die Geschichte von Nikola (Goran Bogdan), dem willkürlich das Sorgerecht für seine Kinder entzogen wird. weiterlesen

Titelthema

Vom Menschenfressen
500 Jahre Kolonialismus und ideologische Verschleierung seiner Barbarei

Im 1580 erschienenen ersten Buch der »Essais« (Versuche) von Michel de Montaigne (1533–1592) findet sich als 30. Hauptstück »Von den Cannibalen« (hier zitiert nach der Übersetzung von Johann Daniel Tietz 1753). Unter dem Eindruck von weniger als 100 Jahren Unterwerfung der Einwohner Süd- und Mittelamerikas, die in diesem Zeitraum zu etwa 90 Prozent durch Gewalt und eingeschleppte Krankheiten getötet worden waren, untersuchte der französische Jurist, Politiker und Philosoph die Frage, was diese erste große Massenvernichtung der Neuzeit bedeutet. weiterlesen

»Ich bewohne ein langes Schweigen«
Aimé Césaires antikolonialistische Poesie

Aimé Césaire (1913–2008) war einer der bedeutendsten Vertreter der französischen Lyrik im 20. Jahrhundert. Doch stammte er aus Martinique, der französischen Überseeprovinz, wo er in einer schwarzen Familie mit vielen Kindern unter einfachen Bedingungen aufwuchs. Ab 1932 konnte er aufgrund glänzender schulischer Leistungen mithilfe eines Stipendiums ein Elitegymnasium in Paris besuchen. Dort traf er Léopold Sédar Senghor, später langjähriger Präsident des Senegals, mit dem er eine kolonialismuskritische Zeitschrift herausgab. Mit ihm entwickelte Césaire das Konzept der Négritude. weiterlesen

Ware, Fetisch, Mythos – oder doch Kunst?
Kolonialer Kunstraub zwischen Enteignung und Aneignung

Die Eröffnung des Ethnologischen Museums am 22. September 2021 in der kreuzgekrönten Disneylandversion der Berliner Zwingburg – heute perfide »Humboldt Forum« benannt – stand erwartungsgemäß im Schatten der seit einiger Zeit schwelenden Diskussionen um koloniale Raubkunst. Um ja nichts falsch zu machen, wurde in der Veranstaltung zu den alten bleichgesichtigen Hauptrednern, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kulturstaatsministerin Monika Grütters, ganz diversitätsbewusst eine junge afrikanische Intellektuelle gesellt, die auch den erwarteten Farbtupfer zwischen all dem gedeckten Blau und Grau lieferte. Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie sprach mit sanfter Stimme; wer aber einen Vortrag in bunten Metaphern und unverbindlichem Politsprech erwartete, wurde enttäuscht. weiterlesen

Big-Data-Imperialismus
Michael Kwet über westliche Tech-Konzerne, die afrikanische Märkte, Medien- und Kulturlandschaften ausplündern

Im Zeitalter des digitalisierten Kapitalismus verheißen die Ware Big Data und die Macht über Algorithmen, Codes und Software fette Profite. Michael Kwet, Soziologe und Autor von »Digital Colonialism: US Empire and the New Imperialism in the Global South«, hat die Beutezüge von Big-Tech-Monopolisten wie Google, Amazon, Apple und Microsoft in der Digitalinfrastruktur afrikanischer Länder untersucht. weiterlesen

Werke

Guam
Militärkolonie des US-Imperiums
Fotoreportage von Nancy Borowick weiterlesen
Foto: Nancy Borowick

»Sie hatten keine andere Wahl«
Nancy Borowick hat die Auswirkungen des US-Kolonialismus auf den Lebensalltag und die Kultur der mikronesischen Insel Guam dokumentiert

Die Vereinigten Staaten von Amerika bezeichnen die Insel offiziell als »nichtinkorporiertes Territorium mit innerer Autonomie«. Faktisch ist Guam aber seit Ende des Spanisch-Amerikanischen Krieges im Jahr 1898 eine Kolonie der USA. Entsprechend zählen es die Vereinten Nationen zu den weltweit insgesamt 17 »Hoheitsgebieten ohne Selbstregierung«. Bei ihrer Generalversammlung 2020 haben sie in einer Resolution die Dekolonisierung Guams gefordert und ihre Sorge über den fortschreitenden Ausbau des US-Militärapparats auf der Insel geäußert – eine Begleiterscheinung des Wirtschaftskriegs des Westens gegen China. Die US-amerikanische Fotografin Nancy Borowick, die 2016 für eine Bildreportage über den Kampf ihrer Eltern gegen eine Krebserkrankung den zweiten Preis der World Press Photo Awards erhalten hat und in Afrika für diverse Hilfsprojekte tätig ist, lebte und arbeitete auch mehrere Jahre auf Guam. weiterlesen

KRITIK & REFLEXION

Umsturz, Massaker und Amnesie
Vijay Prashad über Verbrechen und Ideologie der Machtpolitik des US-Imperiums

In seinem Buch »Washington Bullets« analysiert Vijay Prashad die auf Panzer, Banken und NGOs gestützte Expansionspolitik der USA. Der indische Journalist und Autor ist Direktor des Tricontinental Institute for Social Research in Neu-Delhi. M&R sprach mit ihm über die gegenwärtigen Strategien des US-Imperialismus, die historischen Lehren aus den Kämpfen der nationalen Befreiungsbewegungen und die schwierige Lage der antikapitalistischen Linken in der Schlacht der Ideen. weiterlesen

Der Ausnahmezustand als Regel
Debi Cornwall zeigt Guantánamo als Sinnbild der USA und des »freien Westens«

Debi Cornwall hat Einrichtungen und ehemalige Insassen des Gefangenenlagers der US-Marinebasis in Guantánamo Bay auf Kuba fotografiert. Ihre Bilder aus dem Camp, das wegen der offiziellen Namensabkürzung GTMO »Gitmo« genannt wird, machen viele Wahrheiten sicht- und begreifbar, die die US-Regierung der Öffentlichkeit seit 20 Jahren systematisch vorenthält. Nun sind ihre Fotografien erstmals in Deutschland in einer Ausstellung im Stadthaus Ulm zu sehen. weiterlesen

Politische Kultur & Zeitgeist

»›Rassestaat‹ und Völkermord sind nicht auf das Dritte Reich beschränkt«
Jürgen Zimmerer zur Verdrängung der Verbrechen des deutschen Kolonialismus als Schlussstrichstrategie

In Deutschland ist ein neuer Historikerstreit entbrannt. Im Zentrum stehen die Thesen der postkolonialen Theorie über Kontinuitäten zwischen den Verbrechen des Kolonialismus und dem Völkermord an den Juden. Ihre Gegner fahren ideologische Sturmgeschütze wie den Vorwurf der Holocaustrelativierung auf. M&R sprach mit dem Postkolonialismusforscher Jürgen Zimmerer über die politischen Beweggründe solcher großkalibrigen Angriffe, über verweigerte und verspätete Einsichten zu deutschen Kolonialverbrechen und über die Mythen der westlichen Zivilisation. weiterlesen

Das Ende der Solidarität
Warum linksidentitäre Debatten um »kulturelle Aneignung« antiemanzipatorisch sind

Kulturelle Aneignung findet statt, sobald jemand Aspekte einer anderen Kultur aufgreift. Moralisch verurteilt wird sie in der Regel dann, wenn »Menschen aus einer dominanten Kultur sich, ohne die Haltung der Betroffenen dazu zu beachten, Kulturelemente aus einer diskriminierten oder unterdrückten Kultur aneignen« – so die Arbeitsdefinition des Begriffs, die Lars Distelhorst, Professor für Sozialwissenschaft in Potsdam, in seiner Schrift »Kulturelle Aneignung« liefert, der ersten deutschsprachigen Studie, die sich ausschließlich dieser Thematik widmet. weiterlesen

The Red Nation
Gegen die imperialistische Todesmaschine

Indigene Linke gründeten 2014 in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico die Organisation The Red Nation (TRN). Die derzeit rund 30 Mitglieder des Zusammenschlusses wollen auf die Unterdrückung der Indigenen aufmerksam machen und der Marginalisierung ihrer Lebenswelt und Kultur in der amerikanischen Öffentlichkeit entgegenwirken. weiterlesen

Standpunkte

Der Dschungel muss gerodet werden
Zur Wiederkehr des westlichen Kolonialismus

Oswald Spengler bekämpfte die Weimarer Republik und wollte vor allem verhindern, dass deren Krise zu einer Revolution führte. Deshalb trachtete er danach, die Kommunisten, die das Experiment Bolschewismus in Deutschland erneut auf die Tagesordnung setzen wollten, unglaubwürdig zu machen. In seinem Buch »Der Mensch und die Technik« von 1931 konstatierte er, dass entgegen den Reden vom Internationalismus der marxistischen Parteien (einschließlich der SPD) auch die unterdrückten Völker in Europa in Wirklichkeit ihrerseits von der Ausbeutung in anderen Teilen der Welt profitiert hätten. weiterlesen

The Republic: Mehr Freiheit für die Privatjetflieger!
Eine Polemik von Henning Venske

Dieser attraktive Schmutzgeier, liebe nationale Mitstreiter und Freunde, ist das Logo einer neuen völkischen Internetplattform: The Republic ist eine CDU-nahe Heimatseite gegen schulschwänzende Kinder, linksextreme Krakeeler, sozioökologische Aufwiegler, Mietendeckler, Regenbogenschänder und Silvesternächte in Köln. weiterlesen

Verschleiertes Tabu
Gespräch mit Ishay Landa über die Irrwege der Faschismusforschung und des Antifaschismus

Vor 90 Jahren bekannte sich Adolf Hitler in seiner historischen Rede vor dem Industrie-Club Düsseldorf zum Privateigentum, und deutsche Konzernchefs übten mit ihm den Schulterschluss – beides nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal. Die Tatsache, dass schließlich auch der NS-Staat eine wirtschaftsliberale Agenda verfolgte, wird heute nicht zuletzt durch die idealistische Geschichtsschreibung vernebelt, die seit Ende der 90er-Jahre als »neuer Konsens« unter den Faschismustheoretikern gilt. weiterlesen

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Unblock Cuba

estherbejarano Am 10. Juli 2021 verstarb Esther Bejarano im Alter von 96 Jahren.
Aus dem M&R-Archiv:
Interview und Veranstaltungen mit Esther Bejarano

Foto: Axel Heimken/dpa

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