Melodie & Rhythmus

Selbstbewusst im Egoland

30.10.2013 12:14

Egoland

Drei Rapper haben sich gefunden: Furious, Lucry und Atzenkalle
Text: Christoph Schrag, Foto: Promo

Im Hip Hop weiß man es schon lange: Jeder macht am besten sein Ding. Aber noch besser wirds, wenn man sich mit ein paar Homies zusammenrauft und immer schön gegenseitig featured. Drei Typen aus der Berliner Hip-Hop-Szene haben das jetzt zum Prinzip gemacht und sich neu erfunden: Egoland.

»Fuck it, diese beiden sind gestört/Ich mach nur mit, weil mich alleine keiner hört.«
(Furious in »Gruppenzwang«)

Egoland nehmen sich am liebsten selbst auf die Schippe. Da kann man dann ruhig auch erzählen, dass sich zwei der drei, Furious und Lucry, schon in der Vorschule kannten. Nur machte zunächst jeder »sein Ding«. Furious wurde – knapp dem Vorschul-Alter enwichen – jüngster Sieger des Battle- Rap-Wettbewerbs End Of The Weak. Als er seine ersten beiden Platten aufnahm, schwänzte er dafür noch die Schule. Später opferte er immerhin nur die Sommerferien und stellte dann zu Schulbeginn die neue Platte zum freien Download ein. Das ist lange her. Fu studiert längst. Aber Hip Hop macht er natürlich immer noch. Und der andere Vorschul-Homie? Der landete erstmal mit Reggaetón statt Rap in den Charts.

»Ich bin in diesem verkackten Team das Genie/Mach die Beats, ich bin Gott/ Mir zu widersprechen ist Blasphemie«
(Lucry in »Gruppenzwang«)

Lucry hatte 2006 seine kubanischen Wurzeln fest im Blick und debütierte mit entsprechend spanischen Titeln wie »Ayayay«. Immerhin: Platz 31 der deutschen Single- Charts. Die Karriere hielt zwar nicht lang und Lucry probierte im Jahrestakt Neues aus. Aber die Spätfolgen seines Frühstarts haben dazu geführt, dass Lucry ein Studio sein Eigen nennt. Wo ihm die anderen beiden Homies beim Mischen reinquatschen.

»Aber diese Anfänger wollen über Themen rappen/Einer hatte mal Erfolg, der andere nie/Und nur mit mir werden sie erkannt in Berlin«
(Atzenkalle in »Gruppenzwang«)

Auch der Dritte ist ein Champion – von der Berliner Cypher »Rap am Mittwoch«. Name: Atzenkalle. Furious und er lernten sich am Tresen kennen, obwohl sie sich da eigentlich schon kannten. Also, voneinander wussten. Furious war da schon aus dem Battle-Rap-Biz ausgestiegen, weil es keinen Spaß mehr machte, wenn sich die Rapper ihre Battle-Rhymes schon zuhause schrieben, anstatt sie live zu improvisieren. Atzenkalle war einer dieser Hausaufgabenmacher. Eben der beste bei Rap am Mittwoch und entsprechend immun gegen den »Realkeeper-Scheiß« aus den 90ern. Erst ganz am Ende des Tresengesprächs stellten sie sich einander vor. Damit war das dritte Ego ins Egoland gezogen.

Von Battles wollen die Jungs nun nichts mehr wissen. Statt mit großer Klappe Held des Tages in der Kneipe zu sein, schreiben sie lieber konzentriert im Kollabo-Modus Tracks, die länger als einen Abend halten. Einige davon veröffentlichten die drei zunächst online, mit Videos, die zusammen inzwischen weit über 300.000 Clicks haben. Alles in Eigenregie und auf Kumpelbasis. Genauso wie es auch mit ihrem Debüt-Album lief: »Antination«. Den Opener macht ein Track, in dem sie sich ein letztes mal einvernehmlich battlen und wo ein für alle mal klar wird, warum Rapper ihr Ego überhaupt hinter eine Crew stellen: »Auch wenn ich es öde find, mach ich mit, weil ich auf der Bühne gern der schönste bin«.

Egoland Antination
Egoland Musik
fb.com/egolandmusik

Der Beitrag erscheint in der Melodie&Rhythmus 6/2013, erhältlich ab dem 1. November 2013 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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