Melodie & Rhythmus

Allergisch gegen Werbeversprechen

26.08.2014 14:58

Chain The Gang
Foto: Michael Andrade

Der unbestechliche Ian Svenonius predigt Konsumverzicht – und praktiziert mit Chain & The Gang eine fetzige Verbindung von Indie und Punk
Gisela Sonnenburg

Es gibt heutzutage Menschen, mit denen eine normale konzentrierte Unterhaltung nicht mehr möglich ist. Weil sie alle paar Sekunden auf ihr Smartphone schielen, auf ein Signal hin aufschrecken und aufwändig am »Handtelefon« herumfummeln. Jeder Gesprächsfluss kommt ins Stocken, die unmittelbare Kommunikation wird der Maschinentechnik und ihrer virtuellen Scheinwelt geopfert. Der in existenziellen Dingen versierte US-amerikanische Allround-Rockmusiker Ian Svenonius fühlt sich von diesen Techniksüchtigen nachgerade traumatisiert. »Bei Euch in Europa ist das vielleicht noch nicht so schlimm«, sagt er in einem Telefonat von Washington D.C. nach Berlin: »Aber in den USA ist die von den Computern simulierte Ersatzwelt vorherrschend geworden. Alles wird zu Erlebnissen aus zweiter Hand. Die Menschen vergessen, ihre eigenen Augen zu benutzen, um die Wirklichkeit zu erkennen.«

Für Ian keimen Fragen auf: Lebt man noch in derselben Welt wie Leute, die so sehr von der Überlagerung durch kommerzielle Klischees befangen sind, dass sie die Schönheit eines Sonnenuntergangs oder den erfrischenden Geschmack eines Apfels kaum noch kennen? Kann ein Internet-Junkie reale Fakten überhaupt richtig einordnen? Hört ein Handy-Abhängiger nicht anders Musik als jemand, der seinen Sinnen noch selbst vertraut? Die heute gefährlichen Monster haben keine Klauen oder Zähne, sondern bestehen aus Simulation. Da produziert sogar das menschliche Gehirn – im Sinne von Falschprogrammierung – bald nur noch Bluff.

Chain & The Gang Minimum Rock n Roll
Fortuna Pop
chainandthegang.bandcamp.com

Den kompletten Artikel lesen Sie in der M&R 5/2014, erhältlich ab dem 29. August 2014 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Anzeigen

TOP 10: Juni 2024

Liederbestenliste

Ältere M&R-Newsletter

Aus dem M&R-Archiv

Auf Ostfrontlinie gebracht
Nationalistische Parolen, Geschichtsklitterung, Hassexzesse, sogar Begeisterung für den totalen Krieg – einer wachsenden Zahl von Künstlern und Intellektuellen ist offenbar jedes Mittel recht, um sich der neuen Volksgemeinschaft gegen Russland anzudienen. weiterlesen

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Rudolstadtfestival 2023: Viva Cuba

Fotos von Katja Koschmieder und Jens Schulze weiterlesen

In eigener Sache

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt abonnieren

flashback