Melodie & Rhythmus

»Wir waren wütend …«

26.12.2016 14:55
Foto: Anne Ida Forest

Foto: Anne Ida Forest

Der Dichter Tim Wells über Anfänge und politische Bedeutung der Ranting Poetry

Interview: Matt Zurowski

»Die meisten Menschen ignorieren Dichtung, weil die meiste Dichtung die Menschen ignoriert«, brachte der englische Poet Adrian Mitchell einmal ein gravierendes Problem auf den Punkt. Ändern wollten dies in den frühen 1980er-Jahren »Ranting Poets« wie Tim Wells, der mit scharfsinnigem Witz Tiraden über die Situation junger Arbeiter im Thatcher-England verfasste und Angriffslust in lautstarke Verse verpackte. M&R traf den Dichter und Gründer des Poetry-Magazins Rising in London.

Wie sind Sie zur Dichtkunst gekommen?

Ich bin als Fan von Reggae – und später zu einem gewissen Grad auch von Punk – groß geworden. Bei Gigs habe ich gelegentlich Leute gesehen, die einfach auf die Bühne gestiegen sind und Gedichte vorgetragen haben. »Das kriege ich auch hin«, dachte ich mir. In den frühen 80ern habe ich dann zusammen mit Kollegen wie Attila the Stockbroker, Seething Wells, Ginger John und Nick Toczek als Ranting Poet angefangen, einschlägige Fanzines aufgezogen und Live-Auftritte absolviert. Mittlerweile bin ich recht erfolgreich. Momentan beschäftige ich mich mit der Geschichte des gesprochenen Wortes, u.a. der »Tiraden-Lyrik«. Mich interessiert, wie das gesprochene Wort den politischen Lauf der Dinge beeinflussen kann. Junge Leute mag überraschen, dass wütende Straßenlyrik aus der Arbeiterklasse nicht erst mit Hip-Hop begann. Leider wissen die meisten aber nicht viel über diese unterschlagene Kunstform.

Können Sie Beispiele nennen?

In den frühen 70ern gab es zum Beispiel The Last Poets und Gil Scott-Heron, und auch John Cooper Clarke war bereits 1975 aktiv – vor Hip-Hop und Punk also. Im England der 60er gab es Mersey-Dichter wie Adrian Henri und Brian Patten. Die Ranting-Poetry-Szene begann gegen 1981/82. Nick Toczek war wahrscheinlich der Mann, der uns den entscheidenden Anstoß gab. Mit 34 war er viel älter als die meisten von uns und galt als »Großvater der Ranting Poetry«. Ulkig, was man damals als »alt« empfand.

Das komplette Interview lesen Sie in der Melodie und Rhythmus 1/2017, erhältlich ab dem 30. Dezember 2016 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Anzeigen



TOP 10: Juni 2024

Liederbestenliste

Ältere M&R-Newsletter

Aus dem M&R-Archiv

Auf Ostfrontlinie gebracht
Nationalistische Parolen, Geschichtsklitterung, Hassexzesse, sogar Begeisterung für den totalen Krieg – einer wachsenden Zahl von Künstlern und Intellektuellen ist offenbar jedes Mittel recht, um sich der neuen Volksgemeinschaft gegen Russland anzudienen. weiterlesen

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Rudolstadtfestival 2023: Viva Cuba

Fotos von Katja Koschmieder und Jens Schulze weiterlesen

In eigener Sache

Stellenausschreibung
Die Verlag 8. Mai GmbH sucht eine Kulturredakteurin (m/w/d) für die Melodie & Rhythmus

*****************

Wenn die Kraft fehlt
Weshalb der Verlag 8. Mai das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus einstellt

Leider müssen wir heute eine schmerzliche Niederlage eingestehen: Das Magazin für Gegenkultur Melodie & Rhythmus (M&R) kann nicht weiter erscheinen. Das hat verschiedene Gründe, sie sind aber vor allem in unserer Schwäche und in der der Linken insgesamt zu sehen. weiterlesen

*****************

»Man hat sich im ›Grand Hotel Abgrund‹ eingerichtet«
Zum Niedergang des linken Kulturjournalismus – und was jetzt zu tun ist. Ein Gespräch mit Susann Witt-Stahl

Ausgerechnet vor einem heißen Herbst mit Antikriegs- und Sozialprotesten wird M&R auf Eis gelegt – ist das nicht ein besonders schlechter Zeitpunkt?
Ja, natürlich. … weiterlesen

logo-373x100

Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Jetzt abonnieren

flashback