Melodie & Rhythmus

Nicht nur Rundes − auch Eckiges

10.12.2019 14:58
Foto: Matthias Horn

Foto: Matthias Horn

Michael Thalheimer widmet sich in seiner neuen Inszenierung zeitlosen Mechanismen der Ausgrenzung und Vertreibung

Interview: Gerhard Hommer

Michael Thalheimer ist einer der renommiertesten Regisseure des deutschsprachigen Theaters der Gegenwart. Am 5. Dezember feierte er mit einer neuen Inszenierung am Berliner Ensemble Premiere: Karl Schönherrs selten gespieltes Volksstück »Glaube und Heimat« von 1910. M&R sprach mit ihm über die Aktualität des Werks, den gesellschaftlichen Auftrag des Theaters und seinen Erfolg.

Die Vertreibung österreichischer Protestanten aus dem Zillertal durch die Katholiken im Jahr 1837 bildet den Hintergrund von »Glaube und Heimat«. In dem Stück stellt ein autoritäres Regime Protestanten vor die Alternative, entweder ihre Glaubensfreiheit aufzugeben oder auszuwandern. Dass Sie es ausgewählt haben, wirkt ungewöhnlich, in der Regel lassen Sie klassische Texte spielen, etwa Shakespeare, Büchner, Hauptmann.

Der Eindruck stimmt. Ich bin eher bekannt dafür, antike oder klassische Stücke zu inszenieren. Nun ist auch dieses Werk schon über 100 Jahre alt. Dennoch ist es eine ungewöhnliche Auswahl, weil es eine Ausgrabung ist, ein unbekanntes Stück. Ich hatte es vor 20 Jahren beim Berliner Theatertreffen gesehen, in einem Gastspiel des Wiener Burgtheaters in der Inszenierung von Martin Kušej. Bis dahin kannte ich es nicht. Seitdem kriege ich es nicht mehr aus dem Kopf. Aber es musste Zeit ins Land gehen, um die Inszenierung von damals ganz zu vergessen und mich dem Stück neu stellen zu können. Ich finde es spannend, wenn es dem Theater gelingt, ältere Texte neu zu entdecken.

Was hat Sie an Karl Schönherrs Volksstück gereizt?

Die Entdeckung ist wertvoll, weil wir es dabei mit einem zeitlosen Muster zu tun haben, mit archetypischem Verhalten der Menschen. …

Glaube und Heimat
Regie: Michael Thalheimer
Berliner Ensemble

Das komplette Interview erscheint in der Melodie & Rhythmus 1/2020, erhältlich ab dem 13. Dezember 2019 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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