Melodie & Rhythmus

Ein Schritt zur Selbstermächtigung

27.06.2017 14:13
Rapper Disarstar bringt das Publikum zum Tanzen

Rapper Disarstar bringt das Publikum zum Tanzen
Foto: Nikolaos Damianidis

Das Festival der Jugend präsentierte »Gegenkultur statt Massenbetrug«

Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) hatte für ihr Festival der Jugend Gegenkultur bestellt. Die M&R hat ihren Beitrag dazu geliefert und das »ResisDance Against Fascism«-Konzert mitorganisiert, eines des Highlights der Großveranstaltung, die vom 2. bis 5. Juni in Köln stattfand. Ska-Punk-Formation Los Fastidios brachte, neben weiteren Bands, am Samstagabend den mehrere hundert Jugend liche zählenden Pulk vor der Bühne mühelos zum Tanzen – Hauptact Disarstar mit seiner Forderung »Wir müssen in die Mitte der Gesellschaft!« sogar eine zentrale These der für den nächsten Tag anberaumten Podiumsdiskussion »Gegenkultur statt Massenbetrug« auf den Punkt.

»Jede sozialdemokratische Strömung organisiert das Übel, der Marxismus packt es an der Wurzel und reißt es aus«, erinnerte M&R-Chefredakteurin Susann Witt-Stahl, eine der beiden Podiumsteilnehmer, mit einem Zitat des Dichters Franz Xaver Kroetz an den historischen Imperativ der Arbeiterbewegung und der von ihr hervorgebrachten Gegenkultur. Im Kontrast dazu repräsentiert Subkultur, vor allem gegenwärtig, überwiegend Elitismus und Eskapismus. Dass Fundamentalopposition auf kultureller Ebene derzeit nur schwach entfaltet werden könne, führte Witt-Stahl nicht zuletzt auf die Rotstift politik in den Bereichen Soziales und Bildung zurück – Auswüchse des zum Neoliberalismus radikalisierten Kapitalismus. Dessen korporatistische Züge zielten auf die Vereinnahmung linker Ästhetik wie jeder widerständigen Regung. Antikapitalistische Linke sollten auf diesen kulturideologischen Klassenkampf von oben nicht mit Antiintellektualismus reagieren, sondern sich u. a. mit Bildungsoffensiven (zurück)erobern, was ihnen gehört: Theorie und Praxis revolutionärer Kunst und Kultur.

»Diejenigen, die mit Antilopen-Gang-Sportbeutel oder Egotronic-T-Shirt herumlaufen«, meinten meist, »für Frieden zu sein heiße den west lichen Imperialismus zu unterstützen«, beschrieb Mario, Vertreter der SDAJ auf dem Podium, die regressiven Tendenzen in der linken Popkultur. Diese konzentrierten sich in kleinbürgerlichen Phänomenen wie »Zeckenrap« und »antideutscher« Antifa-Kultur, die von Labels wie Springstoff und Audiolith profitabel vermarktet würden. »Mit fortschrittlicher Arbeiterjugendkultur hat das nichts zu tun.« Junge Revolutionäre heute seien weitgehend von künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten für ihr »vorhandenes Widerstandspotenzial und ihre Wut« abgeschnitten, so Mario weiter. Als ersten Schritt aus der Misere schlug er eine umfangreiche Klassenanalyse vor. Und dann gelte es, »Kunst und Kultur wieder als Mittel der Selbst ermächtigung« zu nutzen.

red

Der Beitrag erscheint in der Melodie & Rhythmus 3/2017, erhältlich ab dem 30. Juni 2017 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

Anzeigen

1.700 Abos jetzt

Stellenausschreibung

Wir suchen für die Redaktion der Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus – Magazin für Gegenkultur zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine / einen

Kulturredakteurin
/Kulturredakteur

in Voll- oder Teilzeit


Solidarität mit M&R

DIDF-Jugend unterstützt M&R

Liebe Leserinnen und Leser, Aktive und Herausgeberinnen und Herausgeber
der jungen Welt und der M&R,

ich bin Johanna aus dem SDS der HAW, der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Ich melde mich aus aktuellem Anlass zu Wort, um für die Wiederaufnahme der Melodie & Rhytmus zu sprechen.

weiterlesen
1.700 Abos jetzt
logo-373x100
Facebookhttps://www.facebook.com/melodieundrhythmus20Twitter20rss

Aktuelles

Kulturzeitschrift Melodie & Rhythmus erscheint weiter
Mit einer Crowdfunding-Kampagne schaffen Lesende, Künstler und Verlag Voraussetzungen für die nächsten Ausgaben
29.06.2018
Dein M&R-Abo fehlt!
Neuer Kurs: 1.400 Abonnenten bis zum 14. Juli!
jW, 23.06.2018
Instrument im Kampf gegen Kriege
Bereits 554 Abos für Melodie & Rhythmus – Solikonzert am 22. Juni in der Berliner Wabe
jW, 12.05.2018
Die Waffe der Kritik braucht ein Magazin … Die Waffe der Ideologiekritik braucht ein Magazin
jW, 14.04.2018
Gegen den Massenbetrug Die Waffe der Ideologiekritik braucht ein Magazin
jW, 31.03.2018
Melodie & Rhythmus retten – 1.000 Abos jetzt! jW, 31.03.2018
Sterben Musikzeitschriften aus? Krise und Umbruch
„Musikforum“, „Melodie & Rhythmus“ und die „Österreichische Musikzeitschrift“ - drei traditionsreiche Magazine werden sicher oder möglicherweise eingestellt. Sterben Musikzeitschriften aus? Und liegt die Rettung im Internet? Jan Ritterstaedt hat sich umgehört.
SWR, 22.02.2018

Auslaufmodell Gegenkultur? Zum drohenden Ende von Melodie & Rhythmus
Interview von Deutschlandfunk Kultur mit M&R-Chefredakteurin Susann Witt-Stahl
21.02.2018, mp3

Wundertäter gesucht
Wie Melodie & Rhythmus als Magazin für Gegenkultur doch noch fortgeführt werden könnte
27.01.2018

Treibstoff für große Anstrengungen
Aufgeben – das ginge gar nicht in Zeiten des aufhaltsamen Aufstiegs der AfD und anderer rechter Demagogen, meinen fast alle, denen M&R etwas bedeutet.
27.01.2018

Auf Eis gelegt
Die Produktion von Melodie & Rhythmus, Magazin für Gegenkultur, wird vorerst eingestellt. Einnahmen reichen nicht, um hohe inhaltliche Ansprüche auf Dauer zu finanzieren.
06.01.2018

Zur Ästhetik der Großen Weigerung
Warum eine Gegenkultur auf historisch-materialistischer Basis alternativlos ist
06.01.2018

Pressemitteilung:
Zeitschrift Melodie & Rhythmus vor dem Aus?, 05.01.2018
Anzeige junge Welt
flashback

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Aktuelle Ausgabe bestellen*

1. per Mail: abo@melodieundrhythmus.com
2. per Telefon: 030/ 53 63 55 37
3. per Telefax: 030/ 53 63 55 51
4. per Post: Verlag 8. Mai GmbH, Torstr. 6, 10119 Berlin
5. im M&R-Shop

*Preis 6,90 Euro inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand 1,80 Euro

Ältere Ausgaben im M&R-Shop nachbestellen.
M&R Shop