Melodie & Rhythmus

Unverwüstlicher Satiriker

29.03.2017 14:20
Foto: DPA / Sabine Beckmann

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Das Lebenswerk von Dietrich und Christel Kittner wird durch eine Stiftung bewahrt

Im Herbst 2016 wurde auf dem direkt an der österreichisch-slowenischen Grenze gelegenen Hollerhof die Christel und Dietrich Kittner Stiftung aus der Taufe gehoben. Ihr Zweck ist die Förderung des deutschsprachigen politischen Kabaretts – so wie es sich die Namensgeber gewünscht haben. Es ist zudem eine Stiftung »zur kulturellen Förderung und Bewahrung des Lebenswerks von Dietrich und Christel Kittner«. Vor 25 Jahren erwarben die Kittners aus Hannover jenen Bauernhof bei Bad Radkersburg in der Südsteiermark, der für sie zum letzten Lebensmittelpunkt werden sollte.

Hier bereitete Dietrich seine Kabarettprogramme vor, schrieb Bücher oder auch Beiträge für Zeitschriften, wie z. B. für Ossietzky. Die drei Ferienwohnungen auf dem Hollerhof boten die Möglichkeit zu Urlaub der besonderen Art – ein Begegnungszentrum für politisch fortschrittlich denkende Menschen entstand. Das Projekt soll nun weitergeführt und ausgebaut werden.

Dietrich Kittner gilt als einer der renommiertesten systemkritischen Kabarettisten im deutschsprachigen Raum – immer dem Marxismus verpflichtet. Zitate wie »Der Student studiert, der Arbeiter arbeitet, und der Chef scheffelt« seien heute Allgemeingut, schrieb die Freie Presse Chemnitz. Die Süddeutsche Zeitung nannte ihn den »gefürchtetsten Solo-Kabarettisten Deutschlands«. Andere lobten ihn als den »bissigsten«, »aufmüpfigsten«, gar »unverwüstlichsten« Satiriker im deutschen Sprachraum. Der ehemalige Wohnungsstadtrat der KPÖ in Graz und Landtagsabgeordneter in der Steiermark, Ernest Kaltenegger, heute Vorsitzender der Stiftung, beschreibt das Schaffen von Kittner folgendermaßen: »Dietrich kämpfte mit seinen Mitteln: der Scharfzüngigkeit, mit der er Missstände benannte, der Satire, mit der er die Lächerlichkeit so mancher Figur an den Schalthebeln der Macht bloßstellte und auch Absurditäten bürokratischer Maßnahmen aufzeigte.«

Von 1960 bis 2011 brachte Kittner dreißig Kabarettprogramme auf die Bühne, in seinem eigenen Theater in Hannover und im Rahmen ungezählter Tourneen. Bis zu 220 Soloauftritte im Jahr absolvierte er mit seiner Partnerin Christel, die von Anfang an die Bühnentechnik besorgte, die Organisation und das Archiv unter Kontrolle hatte. Ohne sie ist Dietrichs erfolgreiche Arbeit als Kabarettist, Buch- und Videoautor nicht denkbar. Er erhielt den Deutschen Kleinkunst-, den Deutschen Schallplatten- und den Erich-Mühsam-Preis. Fernsehauftritte blieben ihm meist verwehrt – er war eben »der Inhaber des anerkannt schlimmsten Schandmauls« (Münchner Merkur). Für Gewerkschaftsbühnen und linke Kulturveranstaltungen dagegen wurde er mit Freuden engagiert, bei Streikaktionen spielte er kostenlos. Legendär seine Initiator-Rolle bei der Rote-Punkt-Aktion gegen die Fahrpreiserhöhung des öffentlichen Nahverkehrs in Hannover. Eine seiner letzten Vorstellungen gab Dietrich auf dem UZ-Pressefest 2011. Im Februar 2013 starb er 77-jährig, ein Jahr später folgte Christel.

Sie verfügte testamentarisch die Einrichtung einer Stiftung, die nun ihre Arbeit aufgenommen hat. Den Kittners war es ein Anliegen, den Hollerhof zu erhalten und das deutschsprachige politische Kabarett zu fördern. »Wir überlegen, einen Dietrich- und-Christel-Kittner-Preis für Nachwuchskabarettisten zu stiften«, erklärt Kaltenegger. Er hat zwei Jahre daran gearbeitet, die Stiftung zu realisieren und die wissenschaftliche Betreuung der schriftlichen Nachlässe der Kittners durch das Deutsche Kabarettarchiv in Mainz zu sichern. Auch mit dem Österreichischen Kabarettarchiv in Graz sind Kooperationen geplant.

Anne Rieger

Für den Erhalt des Hollerhofs werden Ferienwohnungen vermietet. Kontakt: kittners-hollerhof@aon.at

Der Beitrag erscheint in der Melodie & Rhythmus 2/2017, erhältlich ab dem 31. März 2017 am Kiosk, im Bahnhofsbuchhandel oder im Abonnement. Die Ausgabe können Sie auch im M&R-Shop bestellen.

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